- 18.01.2011, 19:29:30
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Dauer-Notstand an Unis geht in die Verlängerung" (Von Carina Kerschbaumer)
Ausgabe vom 19.01.2011
Graz (OTS) - Der Aufschrei der Studenten war programmiert. Selbst
wenn die Einigung von Wissenschaftsministerin Karl und
Unterrichtsministerin Schmied keine zahlenmäßige Beschränkung von
Studenten in Massenfächern bringen wird. Es wird also weiter mit
Ausnahme weniger Fächer wie Medizin jeder Maturant alles studieren
können. Mit dem kleinen Unterschied, dass in der Eingangsphase
künftig eine Prüfung nur mehr einmal und nicht mehr öfters wiederholt
werden kann. Dass die Vorsitzende der ÖH bereits diese Einschränkung
als "zukunftspolitischen Griff ins Klo" bezeichnet, mag an Absurdität
nicht zu übertreffen sein. Erklärbar ist die Attacke dennoch.
Denn natürlich fürchten Studenten in Massenfächern verstärkte
Knock-out Prüfungen auf sich zukommen. Wie soll auch eine
Wirtschaftsuniversität, die im Oktober in Wien von 7000
Erstsemestrigen überflutet wurde und Kapazitäten für 1300 Studenten
hat, anders agieren. Und natürlich können Studentenvertreter im
vorliegenden Kompromiss keine Lösung der Probleme der Unis sehen.
Weil sie keine Lösung sein kann, wenn in manchen Fächern bereits 370
Studenten auf einen Professor kommen.
Was steht also hinter dieser Einigung? Da gibt es das vage
Versprechen der SPÖ, bis 2014 auch an den Unis zu einer
Studienplatzfinanzierung mit dann beschränkter Studentenzahl
überzugehen. Der Vorbehalt von Schmied, hier nicht aus der "Haltung
der Knappheit" agieren zu wollen, zwingt aber bereits zur Frage, wie
realistisch eine Lösung im Wahljahr 2013 und danach sein wird.
Bei dieser Minimal-Einigung geht es also zunächst einmal um das
Vertagen von Lösungen und um eine Notwehraktion. Auch aus der Angst
heraus, dass durch die Verkürzung der Schulpflicht in Deutschland und
den Wegfall der Wehrpflicht die Universitäten 2011/2012 noch stärker
von deutschen Studenten überrannt werden. Und es geht darum, den Unis
zu helfen, die begrenzten Kapazitäten effizienter einzusetzen und
nicht dafür, dass Studenten dreimal Prüfungen wiederholen können.
Eine Notwehrmaßnahme, die der kleinste gemeinsame Nenner ist, den
Karl und Schmied als Übergangsmaßnahme bis 2014 finden konnten. Denn
Ehrlichkeit und Mut für eine große Lösung dürften in der SPÖ immer
noch fehlen. Da wird weiter eisern am freien Hochschulzugang
festgehalten. Selbst wenn sich der freie Zugang in der Praxis längst
selbst torpediert - durch fehlende Personal-Kapazitäten, überfüllte
Hörsäle, unzumutbare Studienbedingungen.****
Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at
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