Neues Volksblatt: "Heeres-Kotau" (von Markus Ebert)
Ausgabe vom 18. Jänner 2011
Linz (OTS) - Exakt ein Dutzend Zeilen auf einem DIN A-4-Blatt
braucht Verteidigungsminister Norbert Darabos, um sein künftiges
Lieblings-Bundesheer zu beschreiben. Insgesamt reichen ihm drei
Seiten für die Heeresdebatte. Nichtsdestotrotz ist das Papier reich
an Merkwürdigkeiten.
Die auffälligste: Über den Zivildienst verliert Darabos kein Wort.
Doch mit dem Motto "Augen zu und durch" wird er in dieser Frage nicht
weit kommen.
Auch auffällig: Das Solidar-Prinzip hat ausgedient. Darabos stellt es
als lästige Pflicht dar, dass man bisher zum Dienst mit der Waffen
verpflichtet werden konnte.
Ebenso auffällig wie ärgerlich: Das penetrante Gerede vom
Freiwilligenheer. Es wird kein Zufall sein, dass lediglich bei der
teuersten Variante dezidiert von einem Berufsheer die Rede ist.
Und schließlich: Was soll die Augenauswischerei mit sieben Modellen,
wenn Darabos und die SPÖ ohnehin nur eine Variante im Auge haben.
Dann noch zu sagen, "am Ende eines sachlichen Diskussionsprozesses
soll die Bevölkerung eingebunden werden", ist schlichte Verhöhnung
des Souveräns.
Alles in allem: Mit ihrem Kotau vor dem Boulevard hat die SPÖ einer
durchaus notwendigen Bundesheer-Diskussion keinen guten Dienst
erwiesen.
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