• 12.01.2011, 12:55:51
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Pilotprojekt Bad Deutsch-Altenburg - Runder Tisch für Donauexperten

Pilotprojekt als Testlauf für Stabilisierung der Donausohle

Wien (OTS) - Österreich ist Vorreiter im ökologisch orientierten
Flussbau an der Donau. Mit dem Pilotprojekt Bad Deutsch-Altenburg
wird dieser Erfolgsgeschichte ein neues Kapitel hinzugefügt. So soll
2011 im Bereich Hainburg/Deutsch-Altenburg erstmalig versucht werden,
die Stromsohle der Donau durch Zugabe von Donaukies vor weiterer
Eintiefung zu schützen. Denn in den letzten 50 Jahren hat sich die
Donau östlich von Wien bereits um etwa einen Meter eingegraben. via
donau lädt nun Expertinnen und Experten zum Runden Tisch, um die
Ziele und Maßnahmen des Pilotprojekts zu diskutieren.

Im Bereich der freien Fließstrecke der Donau östlich von Wien
gräbt sich der Fluss trotz der jährlichen Zugabe von ca. 200.000 m3
Kies durch den Verbund flussab von Freudenau pro Jahr im Mittel etwa
2 Zentimeter tiefer in sein Bett ein - mit gefährlichen Folgen für
die Umwelt und die Menschen. Es fließt nicht mehr genügend Wasser in
die Auen, Altarme drohen auszutrocknen und zu verlanden und es kann
zum so genannten Sohldurchschlag kommen. Die Donau würde sich dann
"canyonartig" in feinere Schichten einschneiden. Um die Eintiefung zu
bremsen, soll nun das Flussbett der Donau mit natürlichen Materialien
ohne Kraftwerk stabilisiert werden.

Mit dem Pilotprojekt Bad Deutsch-Altenburg möchte via donau auf
rund drei Kilometern Länge verschiedene flussbauliche Maßnahmen
erproben, um die Eintiefung der Donau zwischen Wien und Bratislava
nachhaltig und umweltverträglich zu stoppen. Besonders
strömungsexponierte Bereiche werden mit bereits derzeit im Strombett
vorhandenem Donaukies im Durchmesser von 4 bis 7 cm gegen zu starke
Erosion geschützt. Dieses in Österreich entwickelte Verfahren - die
so genannte Granulometrische Sohlstabilisierung - soll die Eintiefung
hemmen und so die sinkenden Wasserspiegel stabilisieren.

Das Pilotprojekt Bad Deutsch-Altenburg ist das letzte von
insgesamt 6 Pilotvorhaben, in deren Rahmen die Maßnahmen des
Flussbaulichen Gesamtprojekts im Nationalpark Donau-Auen erprobt und
weiterentwickelt wurden bzw. werden. Es dient der Minimierung der
Risiken für das Gesamtprojekt in technischer, ökologischer und
finanzieller Hinsicht. Das Pilotprojekt wird von einem
wissenschaftlichen Monitoring unter Mitwirkung des WasserClusters
Lunz, der Universität Wien, der TU Wien, der Universität für
Bodenkultur und dem Christian Doppler Labor "Im Fluss" und einer
ökologischen Bauaufsicht begleitet, um eine möglichst schonende
Umsetzung und einen maximalen Erkenntnisgewinn zu erreichen.

Neue Standards bei Partizipation und Information

Das Flussbauliche Gesamtprojekt und seine Pilotvorhaben gelten
international als Vorzeigeprojekte im Zusammenhang mit der Einbindung
verschiedenster Interessen in die Projektplanung. Seit 2005 sind
Wissenschaftler mit der begleitenden Beweissicherung beschäftigt. Die
Planungsgrundsätze wurden von Ökologen, Wasserbau- und
Schifffahrtsexperten sowie unter Einbindung der
Nationalparkverwaltung gemeinsam entwickelt.

Hochkarätige Wissenschaftler wie o.Univ. Prof. Dr. Jungwirth,
o.Univ. Prof. Dr. Schiemer, em. Univ. Prof. DI Dr. Helmut
Scheuerlein, Univ. Prof. Dr. Habersack und o.Univ. Prof. Dr. Grabherr
haben den Prozess mitbegleitet. "Das Verständnis der Eintiefung der
Donausohle auf das komplexe Auensystem erhielt durch den rasanten
methodischen Fortschritt in der Computermodellierung und
Datenverarbeitung einen enormen Schub. Das Pilotprojekt baut auf
modernsten Grundlagen auf, wodurch maximale Entwicklungschancen für
die Natur gewährleistet werden", erläutert Univ. Prof. Dr. Grabherr,
Leiter des Departments für Naturschutzforschung, Vegetations- und
Landschaftsökologie der Universität Wien, die hohe Planungsqualität
des Projektes. Univ. Prof. Dr. Habersack, Leiter des Christian
Doppler Labors für Innovative Methoden in Fließgewässermonitoring,
Modellierung und Flussbau, unterstreicht die Dringlichkeit des
Vorhabens: "Die von allen Fachleuten als Kardinalproblem des
Nationalparks erkannte Sohleintiefung soll mit flussbaulichen
Maßnahmen verhindert werden, allerdings benötigt die
Sohlstabilisierungsmaßnahme einen Feldversuch, in dem über das
wissenschaftliche Monitoring die Funktionalität und ökologischen
Auswirkungen untersucht werden und der Maßnahmenmix optimiert wird."

Der Meinung dieser Experten haben sich mehr als 140
WissenschaftlerInnen der Universität für Bodenkultur Wien, der
Universität Wien und der Technischen Universität Wien in einer
gemeinsamen Petition angeschlossen.

Bereits vor der Erstellung der generellen Planung fanden
Moderationsworkshops mit wichtigen Stakeholdern und NGOs statt.
Darüber hinaus wurden bei zahlreichen Informations- und
Diskussionsveranstaltungen an Universitäten und in den
Anrainergemeinden die Projektziele und -maßnahmen diskutiert.
via donau lädt nun zum Runden Tisch. "Mit der Einladung zum Runden
Tisch möchten wir den intensiven Partizipations- und
Informationsprozess fortsetzen, der die Entwicklung und Umsetzung der
Pilotvorhaben begleitet", so Hans-Peter Hasenbichler, Geschäftsführer
der via donau.

Die Expertenrunde soll am 26. Jänner 2011 im Projektgebiet
zusammentreffen. Dabei sollen die Ziele und Maßnahmen des
Pilotprojekts, aber auch die zu erwarteten Erkenntnisse vorgestellt
und diskutiert werden. Sowohl das BMVIT als auch das Land
Niederösterreich unterstützen diese Maßnahmen zur weiteren
Vorbereitung des Pilotprojektes.

Mittlerweile sind alle erforderlichen wissenschaftlichen
Voruntersuchungen im Projektgebiet abgeschlossen. Sämtliche Maßnahmen
wurden von einem Team aus Ökologen, Schifffahrts- und
Wirtschaftsexperten sowie Wasserbauern geplant.

Die Petition kann unter [email protected] angefordert werden.

Rückfragehinweis:
via donau - Österreichische Wasserstraßen-Gesellschaft mbH
Mag. Eva Michlits
Tel.: 05 04321-1400
mailto:[email protected]

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