• 07.01.2011, 10:29:34
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Vorsicht vor der Öko-Falle - von Robert Lechner

Ohne globalen Gleichschritt ziehen Vorreiter den Kürzeren

Wien (OTS) - In wenigen wirtschaftlichen Bereichen sind
Schulterklopfer für Österreich so angebracht wie im Bereich der
Umwelttechnologie. Seit der Sektor Mitte der 90er-Jahre des vorigen
Jahrhunderts in Mode kam, konnten die heimischen Betriebe ihre
Leistungen auf mehr als sechs Milliarden Euro vervierfachen. Das
entspricht immerhin gut zwei Prozentpunkten der gesamtstaatlichen
Wirtschaftsleistung und liegt leicht über dem Durchschnitt in der
Europäischen Union. Österreich darf sich gemäß Wifo-Daten zudem
rühmen, fast 200.000 sogenannte Green Jobs geschaffen zu haben. Womit
auch den Skeptikern von zuviel Öko im Business - Stichwort
Betoniererfraktion - die Argumente abhanden gekommen sind.

Global betrachtet muss Europa und vor allem auch Österreich aber
aufpassen, nicht zum grünen Hinterhof der neuen Industriegiganten zu
verkommen. Dieser Trend scheint sich nämlich nicht zuletzt aufgrund
von Regelungen wie dem Emissionshandel zu verstärken. Das Öko-Regime
hat zwar den Vorteil, der Umweltverschmutzung einen Preis zu geben.
Aber eben leider nur innerhalb der Europäischen Union. Solange Länder
wie die USA oder das industriell aufstrebende China nicht mitmachen,
hat der innereuropäische CO2-Handel immer einen schalen Beigeschmack.
Ist es nicht vielleicht doch so, dass jede in Europa eingesparte
Tonne an Kohlendioxid anderswo in die Luft geblasen wird? In der
Kalkindustrie ist aus diesen Befürchtungen bereits Realität geworden.
Der Sektor verlagert sich zunehmen an den Rand Europas, etwa nach
Russland. Und auch Nordafrika ist trotz aller Unsicherheiten
plötzlich ein gern gesehener Standort für die eine oder andere
Kalkbrennerei. Ganz konkrete Spuren hat der Emissionshandel in der
Obersteiermark hinterlassen. Am Erzberg wurde eine Investition in
eine neue Anlage kurzerhand gestrichen, weil sie inklusive Kosten für
CO2-Zertifikate niemals rentabel geworden wäre. Die entgangenen
Investitionen von 200 Millionen Euro sind global betrachtet ein
Klacks, für die Region jedoch ein schwerer Rückschlag.

Insofern ist Augenmaß gefragt, wenn es darum geht, den ökologischen
Vorreiter zu geben. Die dutzenden neuen Consulting-Unternehmen, die
im Rahmen des CO2-Handels entstanden sind, können solide
Industriejobs auf Dauer kaum ersetzen.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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