- 03.01.2011, 10:35:23
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Rektor Bast fordert intelligentes Hochschulausbauprogramm statt phantasieloser Studentenabschreckungspolitik
Wien (OTS) - Mehr aber andere Studienplätze statt defensiver
Studienplatzfinanzierung und "creative skills" als universitäre
Allgemeinbildung des 21. Jahrhunderts wünscht sich Gerald Bast,
Rektor der Universität für angewandte Kunst und Vizepräsident der
Österreichischen Universitätenkonferenz
"Es geht darum, die Politik und letztlich die Bevölkerung davon zu
überzeugen, dass Österreich mehr Hochschulbildung braucht und nicht
weniger", sagt Bast anlässlich des Jahreswechsels. Das Motto eines
Österreichischen Hochschulausbauplans kann aber nicht "Mehr vom
Gleichen!" sein, sondern es gilt, neue Studienprogramme zu
entwickeln. Dabei müssten nach Ansicht von Bast insbesondere neue
Formen der universitären Grundbildung angeboten werden - in
Fortsetzung bzw. teilweise anstatt der traditionellen gymnasialen
Allgemeinbildung, die für die Bedürfnisse der Gesellschaft und
Wirtschaft des 19. und 20. Jahrhunderts angemessen war.
Kommunikationsfähigkeit, Analysefähigkeit sowie die Fähigkeit zum
Denken und Handeln in interdisziplinären Zusammenhängen müssen im
Mittelpunkt einer neuen universitären Grundbildung stehen, die den
gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Erfordernissen des 21.
Jahrhunderts gerecht werden. Nicht isoliertes Spezialwissen ist die
Basis für späteren Erfolg in Wissenschaft und Wirtschaft, sondern
Kreativität und Flexibilität. Die Berufsfelder ändern sich rapide,
viele gestern noch attraktive Berufsfelder wandern in der
globalisierten Wirtschaft ab in andere Weltregionen oder verschwinden
ganz, während neue entstehen. In einer "Kreativ- und
Innovationsgesellschaft", zu der sich Europa entwickelt, muss
Bildung - insbesondere auch universitäre Bildung - in die Lage
versetzen, selbst neue Berufsfelder zu entwickeln und bestehende zu
verändern! Das macht nicht eine anonyme "Wirtschaft", das können
kreative Menschen. Eine besondere Rolle kommt dabei den
Kunstuniversitäten zu. Die Entwicklung und Erprobung von "creative
skills" wird in zunehmendem Ausmaß unverzichtbares Element
universitärer Grundbildung sein: die Fähigkeit, unkonventionell zu
denken, das Gewohnte in Frage zu stellen, sich neue Szenarios
auszudenken und mit der eigenen Arbeit Staunen hervorzurufen. Das
wird die "Allgemeinbildung" des 21. Jahrhunderts sein. Und das
Bildungssystem wird auf allen Ebenen auf diese Erfordernisse der
künftigen Wirtschaft und Gesellschaft reagieren müssen. Auf
universitärer Ebene wird die Integration künstlerisch-gestalterischer
Inhalte zum Standard für neue, interdisziplinäre Studienprogramme im
Bereich universitärer Grundbildung werden müssen. Nicht alle Menschen
werden weltberühmte KünstlerInnen - ebenso wie nicht alle Menschen
weltberühmte PhysikerInnen werden. Aber alle Menschen der nächsten
Generation werden diese creative skills zum beruflichen und privaten
Überleben mehr denn je brauchen.
Zusätzliches Geld - mindestens 150 Mio. Euro in den nächsten 4
Jahren - sollte also in die Stimulierung neuer universitärer
Studienprogramminitiativen investiert werden, meint Bast und fordert
dafür konsequenterweise ein nationales Hochschulausbauprogramm. "Das
wäre sicher effektiver, als der Versuch, StudienwerberInnen von
bestehenden, spezialisierten Studienrichtungen (Publizistik etc.) zu
anderen bestehende Studienrichtungen (Mathematik etc.) umzuleiten."
Bast kritisiert auch die Fixierung auf die Einführung der
Studienplatzfinanzierung an Universitäten: Die bloße Einführung von
Modellen für Studienplatzfinanzierung bei unverändertem
Studienangebot sei eine defensive und strukturkonservative Maßnahme.
Die Flächendeckende Einführung der Studienplatzfinanzierung (auf
international üblichen Standards) erfordere entweder eine
Vervielfachung des Universitätsbudgets oder eine Halbierung unserer
Studierendenzahlen - ohne am Grundproblem des österreichischen
Universitätssystems etwas zu ändern: überproportionale Konzentration
auf einige wenige, hoch spezialisierte Studienrichtungen bei geringer
Abschlussquote.
"Angesichts des dramatischen Ausbaus des Hochschulsektors in Asien
wäre ein quantitativer und qualitativer Rückbau des österreichischen
Hochschulsystems, wie er derzeit von der österreichischen
Bundesregierung und der Mehrheit der Abgeordneten im Nationalrat
geplant wird, der direkte Weg in den Status eines Entwicklungslandes.
Nicht bis zu den nächsten Wahlen, aber innerhalb der nächsten 20
Jahre: also rechtzeitig für ein Desaster in der nächsten Generation!
Eine Gesellschaft mit den Bildungsstandards von heute wird sicher
nicht in der Lage sein, die Arbeitsplätze und Pensionen der nächsten
Generation zu sichern, weil die Wirtschaft, die Berufswelt und die
gesamte Gesellschaft in einem dramatischen Wandel begriffen sind. Die
Bildungsreform kann keineswegs aufgeschoben werden, widerspricht Bast
dem Vorsitzenden der Beamtengewerkschaft. Mit einer an die Wurzeln
gehenden inhaltlichen Bildungsreform von den Volksschulen bis zu den
Universitäten muss sich Österreich JETZT fit machen für das Zeitalter
der Kreativ- und Innovationsgesellschaft!" mahn Bast mehr Mut ein.
Ungenügende Bildung produziert Arbeitslosigkeit. Und Arbeitslose
zahlen weder Steuern noch Pensionsbeiträge. Das trifft jetzt die
Pflichtschulabgänger. Aber das Karussell dreht sich weiter und wird
immer schneller.
Gerade weil PolitikerInnen lieber an die nächsten Wahlen und damit
an ihr eigenes Schicksal, als an die nächste Generation denken,
fordert Bast die Regierungsmitglieder und die Volksvertreter im
Parlament zu konsequentem Egoismus auf: "Die PolitikerInnen von
heute sind die Pensionistinnen von morgen. Die Veränderungen der
globalisierten Wirtschafts- und Arbeitswelt können unsere
PolitikerInnen nicht aufhalten, aber sie können die Voraussetzungen
zur Modernisierung unseres Bildungssystems schaffen. Tun sie das
nicht, werden in 20 Jahren nicht einmal die Politikerpensionen
gesichert sein!"
Rückfragehinweis:
Universität für angewandte Kunst Wien
Mag. Anja Seipenbusch-Hufschmied
Leitung Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungsmanagement
T: 01-711 33 2160, MT: 0664-5268528
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