• 17.12.2010, 13:26:13
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Französischer Analyst: 2011 hält knappe Weizenversorgung der EU an

Preistendenz weiter nach oben weisend - Preissprung am heimischen Kassamarkt

Wien (OTS/aiz) - "Die angespannte Situation der Bilanz zeigt, dass
die gesamte europäische Preislandschaft noch ein Anstiegspotenzial
hat." So kommentiert die am Donnerstag dieser Woche erschienene
französische Getreidemarktanalyse "Strategie Grains" die knappe
Versorgungslage in der EU mit Weizen im laufenden Wirtschaftsjahr
2010/11. Trotz einer prognostizierten 7%igen Zunahme der Weizenernte
2011 in der EU auf 136,5 Mio. t werde sich auch im Wirtschaftsjahr
2011/12 nichts an der prekären Situation ändern, dass sich die
Endbestände nicht auf ein Ausmaß für einen reibungslosen Anschluss an
die nächstfolgende Ernte erholen könnten. Daher erwartet Strategie
Grains, dass die Weizenpreise der kommenden Ernte 2011, die zurzeit
noch rund EUR 30,- pro t unter jenen der aktuellen Ernte 2010 liegen,
in Richtung des aktuellen Preisniveaus ansteigen werden. In
Österreich vollzogen die Kassamarktnotierungen für Weizen am Mittwoch
dieser Woche an der Wiener Produktenbörse die Rallye an den
internationalen Terminbörsen während der vergangenen 14 Tage nach und
machten gewaltige Preissprünge zwischen EUR 19,- und 24,50 pro t
beziehungsweise fast 11% nach oben.

An den internationalen Warenterminbörsen kam es diese Woche in den
USA zu Gewinnmitnahmen und trotz anhaltend bullisher fundamentaler
Marktdaten zu Kursverlusten, wobei der Sojakomplex wegen tatsächlich
schwächerer US-Exporte nach China einen Dämpfer bekam. Die
US-Entwicklung drückte letztlich auch auf die Notierungen an der
Euronext in Paris. "Einiger spekulativer Kapitaleinsatz wird bis
Jahresende aus dem Markt abgezogen, aber die Auswirkung wird gering
sein, weil die fundamentalen Marktdaten weiterhin die selben
bleiben", kommentierte ein Pariser Futureshändler laut Reuters.
Tatsächlich steigen auch auf den Kassamärkten die Preise weiterhin
aus Angst vor der knappen Versorgung. So zogen die Weizenpreise für
physisch gehandelte Ware in Italien, einem wichtigen Exportmarkt für
österreichischen Aufmischweizen, diese Woche um weitere EUR 12,- bis
15,- pro t an.

Preissprung bei Weizen und Raps in Österreich

Premiumweizen notiert an der Börse für landwirtschaftliche
Produkte in Wien nunmehr bei EUR 268,- pro t, Qualitätsweizen bei EUR
257,- pro t und Mahlweizen bei EUR 251,- pro t. Preissprünge von bis
zu EUR 24,50 pro t wie beim Mahlweizen oder von EUR 20,- beim
Premiumweizen beziehungsweise EUR 19,- beim Qualitätsweizen sind an
der Wiener Produktenbörse äußerst selten. In der Branche wird aber
darauf hingewiesen, dass in der Vorwoche die Notierungssitzung wegen
des Feiertages ausgefallen war und während des nunmehr 14-tägigen
Beobachtungszeitraumes auch die Notierungen an den internationalen
Warenterminbörsen wie an der Euronext in Paris in die Höhe geschossen
wären.

Bemerkenswert sei weiters, dass so knapp vor Weihnachten noch
immer Nachfrage nach Brotweizen herrsche und - wenn auch nicht
kontinuierlich, aber doch fallweise - immer wieder Abschlüsse
getätigt werden. Mit den punktuellen Abschlüssen über einen Zeitraum
von zwei Wochen mit einer starken Veränderung des internationalen
Preisniveaus erklären Beobachter auch das "Zusammenschieben" der
Preisbänder, wobei etwa der Mahlweizen mit seiner oberen Notierung
die untere von Qualitätsweizen übertrifft.

Nicht profitieren konnte von der Preishausse Mahlroggen, dessen
Notierung bei EUR 237,- pro t nicht vom Fleck kam und nunmehr
deutlich hinter die neuen Weizenkurse zurückgefallen ist. Dies liege
daran, dass immer wieder punktuell ins Land gelangende ausländische
Roggenpartien den Preisvorstellungen heimischer Anbieter einen Deckel
aufsetzten.

Ähnlich Futtermais, der erstmalig in dieser Saison in Wien
notiert. Die EUR 201,- pro t Großhandelsabgabepreis seien im
Vergleich zu den zuvor bezahlten Nassmaispreisen eher enttäuschend,
entsprächen aber dem, was für Importmais bezahlt wird. Auf
schwindelerregende Höhen katapultierte sich die Wiener Rapsnotierung
mit einem Plus von EUR 25,- pro t auf EUR 445,- pro t. Der Raps holte
damit zur Sonnenblumennotierung auf, die diesmal mangels neuer
Geschäfte auf "nominell" gesetzt wurde. Dies hat offensichtlich seine
Ursache darin, dass auf dem äußerst hektischen inländischen
Ölsaatenmarkt die Verkäufer aus Verunsicherung, ob sie den richtigen
Verkaufszeitpunkt und damit optimalen Erlös erwischen, noch
zurückhaltender werden und sich die Knappheit an Angebot dadurch
weiter verschärft.

Strategie Grains: Die Bilanz der EU bleibt defizitär - Situation
weiter preistreibend

Unter diesem Titel beschreibt die Dezember-Ausgabe des angesehenen
französischen Analysten "Tallage agri-market forecasting" die Lage
auf dem Weizenmarkt der EU in der laufenden Saison 2010/11. Gegenüber
der November-Prognose reduziert die Analyse die Weizenproduktion der
EU im heurigen Jahr 2010 um nochmals 700.000 t auf 127,4 Mio. t
(2009: 129,2 Mio. t) und den Import um 600.000 t auf 2,8 Mio. t,
während die Weizenexporte der EU mit 19,7 Mio. t nur um 100.000 t
geringer angesetzt werden als vor einem Monat. Den weiteren Rückgang
der Weizenproduktion begründet man mit den schlechter als erwarteten
endgültigen Erntedaten Nordeuropas und die Abnahme der Importe mit
dem Ausfall der Schwarzmeerregion als Billig-Lieferant und die
Verteuerung von Qualitätsweizen aus USA, Kanada und Australien - bei
letzterem wegen der schlechten Ernteaussichten.

Ein um 500.000 t niedriger angesetzter Binnenverbrauch - vor allem
in der Verfütterung wegen der gegenüber Mais und Gerste weniger
wettbewerbsfähigen Weizenpreise - kann das kleiner gewordene Angebot
in der Bilanz aber nicht kompensieren. Damit weitet sich bei
Endbeständen von 8,2 Mio. t Weizen nach Abschluss der Saison 2010/11
der Fehlbestand zur Erreichung des sogenannten Arbeitsbestandes von
10,6 Mio. t im Monatsabstand von 2,2 Mio. auf 2,4 Mio. t aus. Als
Arbeitsbestand definiert Strategie Grains die Differenz des
Endbestandes am freien Markt zum unbedingt erforderlichen
Mindestlagerbestand, der notwendig ist, um die Übergangsperiode bis
zur Folgeernte überbrücken zu können.

Tiefer im Rot als noch im November sieht Strategie Grains auch die
Gersten- und Maisbilanzen der EU 2010/11: Eine um 300.000 t höher
geschätzte Verfütterung reduziert demnach bei etwas höherer
Ernteschätzung den Endbestand um 100.000 t auf 8,2 Mio. t und
halbiert den gerade noch positiven Arbeitsbestand auf 400.000 t.
Allerdings wäre die Gerstenbilanz eindeutig negativ, hätte die EU im
laufenden Wirtschaftsjahr nicht noch 2,7 Mio. t Interventionsbestände
an Gerste, die den Markt jetzt halbwegs ausgleichen können. Nächstes
Jahr wird dies nicht gehen - denn die EU hat die Gerstenintervention
ja bekanntlich abgeschafft. Beim Mais reduziert der französische
Analyst die Endbestände nach 2010/11 im Monatsabstand von 4,3 auf 3,5
Mio. t, womit der mit einem Defizit von 100.000 t zuvor knapp negativ
geschätzte Arbeitsbestand auf ein Minus von 1 Mio. t ins Rote
rutscht. Auch bei Mais verschlechtert ein höher geschätzter Verbrauch
in der Verfütterung als Folge des hohen Weizenpreises die Bilanz,
zudem bleibt die Ernte mit 54,7 Mio. t hinter der Erwartung vom
November von noch 55,1 Mio. t zurück.

Weizen: Binnennachfrage oder Exporte müssen rationiert werden

Strategie Grains zieht für den Weizenmarkt der EU 2010/11 die
Schlussfolgerung: "Das bedeutet, dass die Binnennachfrage oder die
Exporte noch rationiert werden müssen." Obwohl die europäischen
Weizenpreise zuletzt massiv angestiegen seien, europäischer Weizen
sei aber am Weltmarkt wegen des gesunkenen Euro-Kurses gegenüber in
Dollar verrechnetem US-Weizen noch immer attraktiv. Der Weltmarkt sei
2010/11 stark abhängig von den auf 35 Mio. t geschätzten Exporten aus
den noch bestehenden Weizenreserven der USA. Um die Nachfrage des
Weltmarkts befriedigen zu können, müssten die Preise für
US-amerikanischen Weizen attraktiv bleiben, während aber die Kurse
auf den Terminmärkten die US-Farmer eher anregten, ihre Ware
zurückzuhalten, als sie auf den Markt zu bringen.

Dies lasse vermuten, so die Analyse, dass die notwendige
Rationierung der Weizennachfrage in und aus Europa "nur durch eine
neue Erhöhung der europäischen Preise" erreicht werden könne und
nicht durch den Rückgang der US-Preise. "Unsere Analyse bleibt daher
für die europäischen Weizen derzeit preistreibend."

Aussicht bleibt "preistreibend": EU-Bestände reichen auch 2011/12
trotz größerer Ernte nicht

In einer hypothetischen Weichweizenbilanz der EU-27 für 2011/12
stellt Strategie Grains schließlich dar, dass auch die - mit allen
noch heraufkommenden Unsicherheiten des weiteren Witterungsverlaufs -
möglicherweise um 7% größer als heuer ausfallen könnende Weizenernte
der EU 2011 nicht ausreichen wird, die Endbestände so wieder
aufzupäppeln, dass ein unproblematischer Anschluss an die Ernte 2012
gefunden werden kann. Bei weiterhin regem Export und mehr Importen
(4,1 Mio. t nach 2,8 Mio. t) rechnen die Analysten 2011/12 aber vor
allem mit einer 4,5%igen Steigerung des Binnenmarktverbrauches auf
120,8 Mio. t.

Demnach soll der Endbestand nach 2011/12 zwar von 8,2 Mio. t auf 9
Mio. t anwachsen. Doch auch damit sei der notwendige Arbeitsbestand
von 11,7 Mio. t nicht zu erreichen und es bleibe ein Defizit von 2,1
Mio. t, das um lediglich 300.000 t geringer als 2010/11 ausfalle.

Somit erwartet die Analyse, dass sich in der EU die noch
bestehenden Preisunterschiede zwischen alter Weizenernte 2010 und
neuer Ernte 2001 noch verringern werden, indem die Preise der neuen
Ernte ansteigen werden.
(Schluss) pos/mö/pom

Rückfragehinweis:
aiz.info - Agrarisches Informationszentrum, Pressedienst,
Tel.: 01/533 18 43
mailto:[email protected]
www.aiz.info

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | AIZ

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