• 16.12.2010, 11:27:55
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Bücher, Leistung und Disziplin

Konzeptlosigkeit und Umsetzungsschwächen fatal

Wien (OTS) - "Wir können von den schockierenden Pisa-Ergebnissen
unserer 15-Jährigen vor allem eines lernen: In allen bei Pisa
erfolgreichen Ländern spielen Leistung, Wettbewerb und Disziplin in
den Schulen eine viel wichtigere Rolle als in Österreich. Aber auch
die Familien wissen dort viel besser Bescheid, dass die künftigen
Erfolge ihrer Kinder im Leben zu einem hohen Ausmaß von den
Anstrengungen in Kindheit und Jugend abhängen." Margarete
Kriz-Zwittkovits, die Präsidentin des Österreichischen
Gewerbevereins, verlangt aus diesem Grund ein grundlegendes Umdenken
in der Schul- und Erziehungsdebatte. Dabei solle auch die Sicht der
künftigen Arbeitgeber dieser Jugendlichen wieder verstärkt
eingebracht werden.

Denn in den letzten Jahren und Jahrzehnten sei durch eine Unzahl von
irregeleiteten Reformen und gesellschaftlichen Entwicklungen der Weg
in die falsche Richtung gegangen. Kriz-Zwittkovits:
"Aufnahmsprüfungen wurden abgeschafft; Lehrer wurden unter Druck
gesetzt, Noten herzuschenken; es wurden zusätzliche Möglichkeiten
geschaffen, Zeugnisse zu beeinspruchen; Schülern wurde erlaubt, auch
mit Fünfern problemlos aufzusteigen; die Schulzeit wurde ständig
verkürzt, sei es durch Verlängerung der Ferien, sei es durch
Stundenkürzungen; Minister aller Parteischattierungen polemisierten
gegen Hausaufgaben; unreife Jugendliche mit 16 Jahren wurden mit dem
Wahlrecht ausgestattet und damit heillos überfordert; in den Schulen
wurde aus einem seltsamen Modernismus heraus sogar darauf verzichtet,
Kindern Kulturtechniken wie das Grüßen beizubringen; Politik und
Medien haben keinerlei Aufklärungsarbeit gegen die Ersetzung von
Büchern in Kinderzimmern durch den Fernsehapparat und elektronische
Spiele geleistet; die Arbeit von Eltern - Müttern, wie Vätern - mit
ihren Kindern wurde oft verächtlich gemacht, statt sie als wichtigste
Zukunftsinvestition anzusehen."

Der Zeitgeist, so konstatiert die ÖGV-Präsidentin, habe lange
geglaubt, dass man jungen Menschen den Erfolg erleichtert, indem man
ihnen alle Steine und Anstrengungen aus dem Weg räumt. "Jetzt
erkennen alle, dass das Gegenteil der Fall ist. Gerade an den
Herausforderungen reifen junge Menschen."

Die Gewerbevereins-Chefin betont, dass alle jene Arbeitgeber, die
sich die oft unbedankte Mühe der Lehrlingsausbildung machen, schon
längst sehr genau um die Probleme der Schulabsolventen wissen. Immer
öfter waren und sind sie mit Jugendlichen konfrontiert, die weder
einen Text mit Verständnis lesen können noch die Grundrechnungsarten
beherrschen, von grundlegenden sozialen Fähigkeiten ganz zu
schweigen.

Kriz-Zwittkovits fragt kritisch: "Wurden unsere Schulen vor lauter
Projekten, verfrühter Politisierung und Selbsterfahrungsgruppen zu
reinen Kuschelecken? Oder haben die Lehrer angesichts der massenweise
unkonzentrierten und vor allem unmotivierten Kinder und angesichts
einer überbordenden Bürokratie schon resigniert? Wie auch immer: Wir
müssen die Lehrer wieder ermutigen und ihnen den Rücken gegen alle
politischen Einflüsse stärken, damit sie sich wieder auf ihre
Hauptaufgaben konzentrieren können." Die Gesellschaft müsse aber auch
viel intensiver mit den Eltern über ihre wichtige Aufgabe reden - was
freilich keineswegs dazu führen dürfe, noch mehr junge Menschen zu
entmutigen, Kinder in die Welt zu setzen.

Das alles, so die Gewerbevereins-Präsidentin, solle auch mit einigen
sinnvollen organisatorischen Maßnahmen wie genügend echten
ganztägigen Angeboten verbunden werden. Sie denkt dabei auch an die
Einführung eines Modul-Unterrichts, bei dem ein "Nicht genügend"
nicht zur Wiederholung einer ganzen Klasse, sondern zur
konzentrierten Wiederholung des betreffenden Gegenstandes führt.

"Die von der Politik derzeit geführten Diskussionen sind hingegen
kontraproduktiv und teuer. So ist der Streit, ob die Lehrer dem Bund
oder den Ländern unterstehen, völlig unsinnig. Weder die Einführung
einer Gesamtschule, noch die Abschaffung der Gymnasien bringen etwas,
wenn die Kinder nach neun Jahren nicht Lesen und Schreiben können",
schliesst Präsidentin Kriz-Zwittkovits.

Rückfragehinweis:

Österreichischer Gewerbeverein
   Generalsekretär Mag.(FH) Stephan Blahut
   Tel: 01/587 3633
   Fax: 01/587 0192
   mailto: [email protected]
   http://www.gewerbeverein.at

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