• 03.12.2010, 10:27:09
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Erholung der österreichischen Wirtschaft setzt sich fort

Gesamtwirtschaftliche Prognose der OeNB für Österreich 2010 bis 2012 vom Dezember 2010

Wien (OTS) - Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) geht in
ihrer Prognose vom Dezember 2010 von einem Wachstum der
österreichischen Wirtschaftsleistung im Jahr 2010 von 1,9% aus,
nachdem diese im Jahr 2009 um 3,7% geschrumpft war. In den Jahren
2011 und 2012 wird sich das Wachstum weiter beschleunigen (2,1% bzw.
2,3%). "Im Vergleich zu unserer Prognose vom Juni 2010 stellen sich
die Konjunkturaussichten auch unter Berücksichtigung der Maßnahmen
zur Budgetkonsolidierung nun günstiger dar", kommentiert
OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny die aktuelle Prognose.

Die Wachstumsprognose wurde im Durchschnitt um 0,25 Prozentpunkte p.
a. angehoben. Der Aufschwung wird im Wesentlichen von den Exporten
getragen. Die Inlandsnachfrage bleibt verhalten. Aufgrund der
geplanten Steuer- und Abgabenerhöhungen wird sich der Preisauftrieb
2011 vorübergehend auf 2,2% beschleunigen. Das Budgetdefizit dürfte
im Jahr 2010 auf 4,1% des BIP steigen, allerdings angesichts der
guten Wachstumsaussichten und der Konsolidierungsmaßnahmen bis 2012
wieder unter die 3-Prozent-Grenze fallen.

Die Erholung der Weltwirtschaft wird sich im Prognosezeitraum
fortsetzen. Mit dem Abklingen des Lagerzyklus, dem Auslaufen der
fiskalischen Stimuli und den gleichzeitig einsetzenden verstärkten
Konsolidierungsbemühungen wird die Dynamik in den kommenden Monaten
aber nachlassen. Dabei verläuft die Erholung mit unterschiedlichen
Geschwindigkeiten - das gilt für die Weltwirtschaft im Allgemeinen
und für Europa im Besonderen. Aufgrund dieser zunehmenden globalen
Heterogenität bleiben die außenwirtschaftlichen Risiken für die
Wachstumsaussichten Österreichs hoch.

Exporte erreichen Ende 2011 wieder Vorkrisenniveau
Die wichtigsten Impulse für die österreichische Wirtschaft gehen von
der Erholung der Weltwirtschaft und insbesondere vom starken Wachstum
von Österreichs größtem Handelspartner Deutschland aus. Österreichs
Exportwirtschaft wurde zwar aufgrund der überdurchschnittlichen
Bedeutung des Maschinen- und Fahrzeughandels von der Krise des
Welthandels besonders stark getroffen, konnte allerdings auch von der
aktuellen Erholung in hohem Maß profitieren. Für 2010 wird daher ein
kräftiges Wachstum der gesamten Exporte (Güter plus Dienstleistungen)
von real 10,5% erwartet. Der Aufschwung wird sich im Einklang mit der
Abkühlung des Welthandels in den nächsten Jahren auf das langfristige
Vorkrisenniveau von rund 7% verlangsamen.

Verhaltene Inlandsnachfrage
Das Wachstum der Ausrüstungsinvestitionen drehte angesichts der im
Zuge der Krise gesunkenen Kapazitätsauslastung erst zur Jahresmitte
2010 wieder ins Plus und damit deutlich später als in vergangenen
Aufschwungphasen. Mit kapazitätserweiternden Ausrüstungsinvestitionen
ist erst in den Jahren 2011 und 2012 zu rechnen. Der Ausblick für die
Bauinvestitionen bleibt über den gesamten Prognosehorizont verhalten.
Die gesamten Bruttoanlageinvestitionen werden für das Gesamtjahr 2010
weiter abnehmen. Erst in den Jahren 2011 und 2012 werden die
Unternehmen ihre Investitionstätigkeit wieder ausdehnen, im
historischen Vergleich bleibt das Tempo der Expansion aber gering.

Angesichts einer schwachen Reallohnentwicklung blieben die privaten
Haushalte im Jahr 2010 trotz der Konjunkturerholung bei ihren
Konsumausgaben zurückhaltend. In den beiden kommenden Jahren werden
die verschiedenen Einkommensarten der privaten Haushalte
(Arbeitnehmerentgelte, Vermögenseinkommen, Selbstständigeneinkommen
und Betriebsüberschüsse) zwar wieder kräftiger wachsen, die
Konsolidierungsmaßnahmen werden sich jedoch auf das real verfügbare
Haushaltseinkommen und in weiterer Folge den privaten Konsum
auswirken. In Summe werden diese Maßnahmen den privaten Konsum in den
Jahren 2011 und 2012 um jeweils 0,25 bis 0,5 Prozentpunkte dämpfen,
sodass das Konsumwachstum zwischen 1% und 1,5% verharren wird.

Krise hinterlässt keine dauerhaften Spuren am Arbeitsmarkt
Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat angesichts der Tiefe des
Konjunktureinbruchs nur relativ schwache Spuren auf dem
österreichischen Arbeitsmarkt hinterlassen. Die Arbeitslosenquote
laut Eurostat-Definition ist von 3,8% (2008) auf 4,8% (2009)
gestiegen. Auch im aktuellen Aufschwung überrascht der Arbeitsmarkt
positiv. Im bisherigen Verlauf des Jahres 2010 hat die anziehende
Konjunktur bereits zu einer kräftigen Ausweitung der Beschäftigung
geführt; für das Gesamtjahr 2010 wird mit einem Zuwachs von 35.000
Personen gerechnet - ein Trend, der sich in den nächsten beiden
Jahren fortsetzen sollte. Aufgrund des stark prozyklischen Verhaltens
des Arbeitsangebots wird die Arbeitslosenquote aber nur geringfügig
auf 4,3% zurückgehen.

Die am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) gemessene
Inflation wird 2010 1,7% betragen und 2011 auf 2,2% ansteigen. Dieser
Anstieg ist zum erheblichen Teil durch Einmaleffekte im Rahmen der
Budgetkonsolidierung bedingt, für 2012 wird wieder ein Rückgang der
Inflationsrate auf 1,8% erwartet.

Der gesamtstaatliche Budgetsaldo wird, begünstigt durch die
Konjunkturerholung sowie unter der Annahme, dass das
Konsolidierungspaket wie geplant umgesetzt wird, bis 2012 auf 2,6%
des BIP zurückgehen.

Rückfragehinweis:

Oesterreichische Nationalbank 
   Mag. Oliver Huber
   Pressesprecher
   Tel.: +43-1 404 20/6622
   mailto:[email protected]
   www.oenb.at

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