- 02.12.2010, 10:13:16
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Ärztekammer und Erste Bank prämieren wissenschaftliche Arbeiten
Sechs Forscherteams in Wien mit dem Billroth-Preis der Ärztekammer sowie dem Erste-Forschungsförderungspreis ausgezeichnet
Wien (OTS) - Heute, Donnerstag, wurden sechs medizinische
Forschergruppen aus Wien mit der Verleihung des
Theodor-Billroth-Preises der Ärztekammer für Wien 2010 sowie des
Forschungsförderungspreises der Erste Bank der oesterreichischen
Sparkassen AG 2010 für ihre wissenschaftlichen Anstrengungen der
letzten Jahre belohnt. Alle sechs prämierten Arbeiten kommen aus dem
Bereich der Medizinischen Universität Wien. ****
Mit dem ersten Preis des Theodor-Billroth-Preises wurde Verena
Paulitschke von der Klinischen Abteilung für Allgemeine Dermatologie
der Wiener Universitätsklinik für Dermatologie ausgezeichnet.
Neue Therapiekonzepte für metastasierendes Melanom möglich
In der prämierten Arbeit beschäftigte sich Paulitschke mit der
Analyse und Evaluierung neuer therapeutischer Optionen im
metastasierenden Melanom. mittels innovativen Technologien. Das
Melanom neigt dazu, früh Metastasen über Lymph- und Blutbahnen
auszubilden. Etwa zwei Drittel aller Erstmetastasierungen sind
zunächst auf das regionäre Lymphabflussgebiet beschränkt. Bei
Fernmetastasierung ist die Prognose zumeist schlecht, die
durchschnittliche Überlebenszeit ohne Behandlung beträgt nur sechs
bis neun Monate. Aus diesem Grund sind neue Therapieoptionen
insbesondere beim metastasierenden Melanom von höchster Relevanz.
Paulitschke arbeite mit einem Derivat des Resveratrols, ein in der
Natur vor allem in Weintrauben vorkommendes Polyphenol. Dieses
Resveratrol Derivat M8 hat sich als überaus wirksam auf Melanomzellen
erwiesen, da es signifikant stärker das Wachstum von
Melanomzelllinien und primären Melanomzellen in vitro unterdrückt als
Resveratrol. Zur Analyse des Wirkmechanismus von M8 wendete
Paulitschke eine Vielzahl von Analysesystemen an und konnten zeigen,
dass M8 zu einem p53 mediierten DNA-Schaden sowie zur Unterdrückung
der Zellmigration führt.
Um weitere zugrunde liegende Mechanismen zu analysieren, führte
sie Proteomanalysen mehrerer Melanomzelllinien durch. Sie
analysierten mit einem völlig neuen Ansatz systematisch das Profil
der zytoplasmatischen Proteine der Melanomzellen mittels
Massenspektrometrie ("shotgun proteomics"). Ihre Daten zeigen, dass
M8 vor allem jene Proteine reguliert, die in die Migration,
Proliferation (Gewebswucherung) und Apoptose (Zelltod) von
Tumorzellen involviert sind. Diese in vitro-Ergebnisse wurden in
einem in vivo-Melanom-Modell bestätigt. So inhibiert M8 signifikant
das Tumorwachstum und die Metastasierung zu den regionären
Lymphknoten in einem spontan metastasierenden Melanom-Maus-Modell.
Die umfassende Studie veranschaulicht, dass durch neue
Technologien wie "shotgun proteomics" die Evaluierung und
mechanistische Analyse innovativer Therapieansätze möglich ist. Durch
das Verständnis der molekularen Wirkmechanismen von neu entwickelten
Substanzen wie M8 könnte es damit in Zukunft möglich sein,
verbesserte rationale Therapiekonzepte für das metastasierende
Melanom zu entwickeln.
Die beiden weiteren Billroth-Preisträger sind Florian Kiefer von
der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel der
Wiener Universitätsklinik für Innere Medizin III sowie Stephan Blüml
von der Klinischen Abteilung für Rheumatologie der Wiener
Universitätsklinik für Innere Medizin III.
Ausschaltung von Osteopontin verbessert Insulinwirkung
Kiefer konnte in seiner Arbeit zeigen, dass die Ausschaltung von
Osteopontin die Insulinwirkung deutlich verbessert. Adipositas ist
eine der Hauptursachen für die Entwicklung des Diabetes mellitus Typ
2 und kardiovaskulärer Erkrankungen. Die zugrunde liegenden
pathogenetischen Mechanismen sind aber nur sehr lückenhaft bekannt.
Vor Kurzem wurde entdeckt, dass im Fettgewebe adipöser Patienten eine
chronische geringgradige Entzündung besteht, die wesentlich zur
Entstehung der Insulinresistenz und des Diabetes mellitus Typ 2 sowie
zum kardiovaskulären Risiko beiträgt.
Osteopontin ist ein inflammatorisches Protein, das in einer Reihe
von entzündlichen Erkrankungen einschließlich der Atherosklerose eine
wesentliche Rolle spielt. In vorangegangenen Studien konnte bereits
gezeigt werden, dass die Expression von Osteopontin im Fettgewebe und
in der Leber bei Adipositas deutlich erhöht ist. Um die
pathophysiologische Bedeutung von Osteopontin bei der
Adipositas-induzierten Entzündung und Insulinresistenz einzuordnen,
neutralisierte Kiefer in der Arbeitsgruppe von Thomas Stulnig die
Wirkung von Osteopontin mithilfe spezifischer Antikörper.
Die Neutralisation von Osteopontin verbesserte innerhalb weniger
Tage signifikant die Insulinsensitivität in adipösen Mäusen. Die
Behandlung mit Osteopontin-spezifischen Antikörpern verminderte die
Entzündung in Fettgewebe und Leber, indem die Infiltration durch
Entzündungzellen (Makrophagen) und die Expression inflammatorischer
Gene und Proteine reduziert wurden. Die rasche Abnahme der
Makrophagenzahl war durch vermehrten Zelltod von Entzündungszellen
mitverursacht. Außerdem wurde Osteopontin als ein neuer Regulator des
hepatischen Glukosestoffwechsels identifiziert, da die Neutralisation
von Osteopontin beispielsweise die Expression glukoneogenetischer
Enzyme deutlich verminderte.
Auf Basis dieser Resultate könnte die Ausschaltung von Osteopontin
eine neue Strategie zur Prävention und Therapie des Typ 2 Diabetes
mellitus darstellen.
Blockade des TNFR1 zur Behandlung der rheumatoiden
Arthritis
Um eine Fragestellung hinsichtlich der entzündlichen Arthritis
ging es in der dritten von der Ärztekammer prämierten Arbeit. TNF ist
ein Zytokin, das bei der Entstehung und Perpetuierung von
rheumatoider Arthritis und der damit verbundenen Knochenschäden von
zentraler Bedeutung ist. Die Wirkung von TNF wird von zwei Rezeptoren
vermittelt (TNFR1 und TNFR2), deren respektive Bedeutung in der
Genese der rheumatoiden Arthritis allerdings noch kaum untersucht
wurde.
Blüml konnte jetzt in einem anerkannten Maus-Modell der
rheumatoiden Arthritis zeigen, dass TNFR1 die arthrithogene Wirkung
von TNF mediiert und in den Tieren, denen dieser Rezeptor fehlt, eine
mildere Arthritis entwickelt als Kontrollen. TNFR2 scheint jedoch
einen protektiven Einfluss auf die Entstehung der Arthritis zu haben,
bei einem Fehlen des Rezeptors zeigte sich eine deutlich aggressivere
Arthritis in Hinblick auf lokale Knochendestruktion. Bei Fehlen
beider Rezeptoren war die anti-inflammatorische Komponente des TNFR2
überwiegend, sodass auch in diesem Fall eine schwerere Arthritis
festzustellen war.
In vitro zeigen Makrophagen, die aus den jeweiligen knock-outs
gewonnen wurden, unterschiedliche Fähigkeit, sich zu
knochendestruierenden Osteoklasten zu differenzieren. So ist die
Osteoklastogenese in Zellen, denen der TNFR2 fehlt, deutlich
vermehrt.
Derzeitige therapeutische Ansätze blockieren das Zytokin TNF.
Aufgrund der Studie wäre aber eine selektive Blockade des TNFR1
eventuell eine effektivere Behandlung der rheumatoiden Arthritis.
(hpp)
(Forts.)
Rückfragehinweis:
Ärztekammer für Wien - Pressestelle
Tel.: (++43-1) 51501/1223
mailto:[email protected]
http://www.aekwien.at
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