• 17.11.2010, 11:36:55
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Wiener Frauenhäuser 2009: Schutz für 583 Frauen und 571 Kinder

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Wien (OTS) - 583 Frauen und deren 571 Kinder wurden 2009 in einem
der vier Wiener Frauenhäuser stationär betreut. Sie mussten in ein
Frauenhaus flüchten, weil sie in ihren eigenen vier Wänden häuslicher
Gewalt ausgesetzt waren. Gegenüber 2008, wo 557 Frauen und 514 Kinder
in einem Frauenhaus Schutz fanden, ist somit neuerlich eine leichte
Zunahme der Aufnahmezahlen zu verzeichnen. Zusätzlich fanden in der
ambulanten Beratungsstelle des Vereins Wiener Frauenhäuser 8.516
Beratungskontakte statt, davon 1.474 persönliche Kontakte. Hier
erhalten die Frauen kostenlos - bei Bedarf auch anonym - Beratung und
Begleitung zu Polizei und Gerichten.

Diese Bilanz präsentierten Wiens Frauenstadträtin Sandra
Frauenberger, die Vorsitzende des Vereins Wiener Frauenhäuser Martina
Ludwig-Faymann und die Geschäftsführerin des Vereins Andrea Brem am
Mittwoch in einer Pressekonferenz. Anlass der Bilanz sind die
bevorstehenden "16 Tage gegen Gewalt", eine internationale Kampagne
für die Anerkennung von Frauenrechten als Menschenrechte. Während
dieser Zeit wird Gewalt an Frauen weltweit mit verschiedenen
Veranstaltungen und Projekten thematisiert. Die "16 Tage gegen
Gewalt" starten jährlich am 25. November, dem Internationalen Tag
gegen Gewalt an Frauen. Sie enden am 10. Dezember, dem
Internationalen Tag der Menschenrechte.

Frauenstadträtin Sandra Frauenberger: "Die Zahlen sind bedrückend,
denn jede einzelne Frau, die Gewalt erleben muss, ist eine zuviel.
Die Zahlen zeigen aber auch, dass unsere Bemühungen, die
Gewaltschutzeinrichtungen der Stadt bekannt zu machen, Früchte
tragen. Immer mehr Gewaltopfer wagen sich aus der Anonymität und
suchen Schutz und Hilfe." Mit der Kampagne "Standpunkte gegen Gewalt"
habe die Stadt mit Unterstützung zahlreicher prominenter Testimonials
zuletzt ihre Gewaltschutzeinrichtungen massiv beworben und Frauen
ermutigt, sich Hilfe zu holen. Sandra Frauenberger: "Die zentrale
Botschaft an die Wienerin lautet: Gewalt ist niemals zu erdulden. Du
bist nicht allein. Es gibt Schutz und Hilfe."

Für ihre neue Funktionsperiode als Wiener Frauenstadträtin
kündigte Frauenberger den weiteren Ausbau des Wiener
Gewaltschutznetzes an. Auch mit Phänomenen, die zwar nicht
körperlicher Gewalt zuzurechnen sind, diese aber begünstigen - will
sich Frauenberger in den nächsten fünf Jahren intensiv beschäftigen.
Als Beispiele nannte sie in diesem Zusammenhang Sexismus in der
Werbung oder Pornografie.

Zum Thema "Sexualisierte Gewalt" avisierte die Frauenstadträtin
eine eigene Fachkonferenz im nächsten Jahr. Eine kürzlich vom Verein
Wiener Frauenhäuser veröffentlichte Studie zum Thema sexualisierter
Gewalt macht deutlich, dass viele Frauen, die von körperlicher und
psychischer Gewalt betroffen sind, auch sexualisierte Gewalt
erfahren, darüber aber kaum sprechen. "Vergewaltigungen oder sexuelle
Übergriffe werden kaum angezeigt und es kommt - auch in Folge der in
diesen Fällen sehr schwierigen Beweisführung - kaum zu
Verurteilungen. Hier ist noch viel Sensibilisierungsarbeit zu leisten
und Frauen müssen ermutigt werden, sich an Hilfseinrichtungen zu
wenden", so Frauenberger.

Stadt Wien investiert laufend in die Aufstockung der
Wohnplätze

Die Stadt Wien und der Verein Wiener Frauenhäuser reagieren auf
die steigende Nachfrage durch laufende Ausweitung der
Betreuungsplätze. Fand man im Jahr 1999 noch mit 96 stationären
Betreuungsplätzen sein Auskommen, so gibt es derzeit bereits 166
Wohnplätze für Frauen und Kinder. "2012 wird ein neues Frauenhaus in
Betrieb genommen. Es löst ein altes Frauenhaus ab, das nicht mehr den
erforderlichen Standards entspricht. Insgesamt wird es in Wien dann 9
zusätzliche Plätze - insgesamt also 175 Plätze für von Gewalt
betroffene Frauen und ihre Kinder geben", so Sandra Frauenberger.

Zusätzlich betreibt der Verein sogenannte Übergangswohnungen, wo
Frauen nach dem Aufenthalt im Frauenhaus eine Zeit lang wohnen können
und rechtlich sowie psychosozial betreut werden, um sich eine
eigenständige Existenz aufzubauen. Auch die Zahl dieser Wohnungen
wurde in den letzten Jahren kontinuierlich aufgestockt. Waren es 2005
noch 26 Wohnungen, sind es seit Herbst dieses Jahres bereits 52, zwei
davon wurden von der BUWOG zur Verfügung gestellt. Damit hat Wien ein
im europaweiten Vergleich hervorragendes Gewaltschutznetz, das die
quantitativen Empfehlungen von EU und Europarat übererfüllt.

Rund 60 Prozent der Frauen bleiben ein halbes Jahr oder länger

"Rund 41 Prozent der Frauen nutzten das Frauenhaus 2009 für einen
kurzen Aufenthalt von bis zu zwei Wochen, 49 Prozent blieben ein
halbes Jahr und etwa 10 Prozent mussten die Sicherheit des
Frauenhauses länger in Anspruch nehmen", berichtet Martina
Ludwig-Faymann, die Vorsitzende des Vereins.

In den Übergangswohnungen lebten im Vorjahr 87 Frauen mit ihren 83
Kindern. 36 Prozent der Frauen lebten bis zu einem halben Jahr in
einer der Übergangswohnungen, 44 Prozent nutzten das Angebot bis zu
1,5 Jahren und 20 Prozent blieben länger als 1,5 Jahre.

Rund 76 Prozent der Frauen kamen das erste Mal ins Frauenhaus, 17
Prozent das zweite Mal und 7 Prozent kamen drei Mal oder öfter. Vor
fünf Jahren waren es noch 20 Prozent, die ein zweites Mal kamen und
10 Prozent die noch öfters Schutz im Frauenhaus suchten.

2009 gaben bei ihrem Auszug 28 Prozent der Frauen an, wieder zu
ihrem Mann zurückzukehren. Mehr als zwei Drittel der Frauen
entschieden sich zu einer Trennung.

Mehr als die Hälfte der Klientinnen findet Weg über Behörden
und Institutionen

"Auch wenn immer mehr Frauen selbst den Weg in ein Frauenhaus
finden, wurden 2009 mehr als die Hälfte der Frauen von Behörden oder
Institutionen an den Verein Wiener Frauenhäuser verwiesen, 14 Prozent
sogar von der Polizei direkt", meint Martina Ludwig-Faymann. Weitere
12 Prozent wurden durch die Interventionsstelle ans Frauenhaus
vermittelt. Dort sind die Frauen in Betreuung, nachdem durch die
Polizei gegen den Gewalttäter eine Wegweisung bzw. ein
Betretungsverbot ausgesprochen worden ist. 6 Prozent wurden durch
ÄrztInnen oder Spitäler, weitere 31 Prozent der Gewaltopfer durch
andere soziale Institutionen, wie das Jugendamt, vermittelt.

160 Anzeigen wegen Körperverletzung, 101 wegen gefährlicher
Drohung

Frauen, die ins Frauenhaus flüchten, tun dies, weil sie zu Hause
massiver Gefahr augesetzt waren, viele von ihnen sind traumatisiert.
"Zur Anzeige des Gewalttäters kommt es manchmal erst, wenn die Frauen
im Frauenhaus in Sicherheit sind", so die Vorsitzende Martina
Ludwig-Faymann. 2009 haben 160 Frauen im Frauenhaus Anzeige wegen
Körperverletzung erstattet, 101 wegen gefährlicher Drohung, 37 wegen
Nötigung und 15 wegen sexueller Gewalt. Einige Frauen hatten darüber
hinaus auch schon vor der Aufnahme ins Frauenhaus Anzeige erstattet.
Es gibt aber auch viele Frauen, die, trotzdem sie massive Gewalt
erlebten, keine Anzeige erstatten wollen.

Auch zwangsverheiratete Frauen finden Hilfe

7 Prozent der Frauen, die 2009 aufgenommen wurden, gaben an, dass
sie von Zwangsheirat bedroht oder bereits zwangsverheiratet wurden.
Auch für diese Form der Gewalt sind die Frauenhäuser Anlaufstelle.
"Diese Frauen sind in der Regel sehr jung und werden meist auch von
ihren Familien bedroht. Sie benötigen daher auch eine spezifische
Form der Betreuung. In Kooperation mit anderen Beratungsstellen, wie
dem Verein Orient Express, beraten und unterstützten wir auch diese
Gewaltopfer", so Geschäftsführerin Andrea Brem.

Gewalt ist keine Frage des Alters

Gewalt macht auch vor älteren Frauen nicht Halt. 2009 lebten
immerhin 9 Frauen, die älter als 61 Jahren waren, in den Wiener
Frauenhäusern. Bei älteren Frauen ist die Scham, Opfer von Gewalt zu
sein, in der Regel noch größer und die Hemmschwelle, sich Hilfe zu
holen oft noch höher als bei jüngeren. Mit dem Gewalttäter verbindet
ältere Gewaltopfer oft eine lange gemeinsame Lebenszeit und die
Angst, nach der Trennung keinen Partner mehr zu finden, ist besonders
groß. Einige der Frauen gaben auch an, von ihren Söhnen oder
Enkelsöhnen bedroht oder misshandelt worden zu sein. Andere Frauen
erzählten, dass der Mann in Folge von Altersdemenz immer
gewalttätiger wurde. "Dies macht deutlich, dass es in der Arbeit mit
älteren Frauen unterschiedlicher Konzepte und Herangehensweisen
bedarf, um die Frauen optimal zu unterstützen. Manchmal benötigt die
Arbeit mit älteren Menschen auch mehr Geduld, da sie oft mehr Zeit
benötigen, um Entscheidungen zu treffen. Wir werden uns vermehrt
bemühen, auch ältere Frauen zu ermutigen, sich Unterstützung in der
schwierigen Situation zu holen, zum Beispiel auch in Form einer
anonymen Beratung", so Andrea Brem.

Finanzielle Unabhängigkeit entscheidend

Ökonomische Unabhängigkeit ist eine wichtige Voraussetzung für ein
unabhängiges Leben. Frauen bei der finanziellen Absicherung zu
helfen, ist daher eine der wichtigsten Aufgaben der Mitarbeiterinnen
des Vereins Wiener Frauenhäuser. 2009 waren beim Einzug ins
Frauenhaus 25 Prozent der Frauen berufstätig, beim Auszug waren es
immerhin schon 28 Prozent der Frauen. "Viele Frauen verlieren gerade
in Zeiten der Trennung ihre Arbeit oder können aus Sicherheitsgründen
ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen. Daher kann es als Erfolg gewertet
werden, wenn Frauen während ihres Aufenthaltes im Frauenhaus eine
neue Arbeit finden bzw. ihre Berufstätigkeit aufrecht erhalten
konnten", erläutert Andrea Brem. "Erfreuliche 68 Prozent der Frauen
waren beim Auszug aus den Übergangswohnungen in einem laufenden
Angestelltenverhältnis. Durch die längere Betreuung im Rahmen unseres
Vereins ist es wirklich möglich Frauen auch zu einer gesicherten
Existenz zu verhelfen", freut sich Geschäftsführerin Andrea Brem.
(Schluss) lac

Rückfragehinweis:
Büro Stadträtin Sandra Frauenberger
Mediensprecherin Mag.a Marianne Lackner
Tel.: +43 1 4000 81853
mailto:[email protected]

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