- 16.11.2010, 11:23:46
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Beatrix Karl: Wir stellen die Förderung für außeruniversitäre Forschung auf neue Beine
Wissenschafts- und Forschungsministerin skizziert neue Strukturen bei Finanzierung der außeruniversitären Forschung - künftig drei thematische Säulen
Wien (OTS) - Wissenschafts- und Forschungsministerin Dr. Beatrix
Karl hat heute in einem gemeinsamen Pressegespräch mit dem stv.
Forschungsrat-Vorsitzenden Rektor Dr. Peter Skalitzky die neue
Struktur der künftigen Forschungsfinanzierung skizziert. "Wir stellen
die Förderung für außeruniversitäre Forschung auf neue Beine", so die
Ministerin. Anstelle der seit den 1970er Jahren bestehenden
Basissubvention für außeruniversitäre Einrichtungen und Vereine
sollen künftig drei thematische Säulen stehen:
- Anreizbildung zur Integration von Forschungsexzellenz in bestehende
Strukturen (Universitäten, ÖAW)
- Sicherung der EU-Rückflüsse
- Stärkung der Forschungsinfrastruktur im Bereich Geistes-, Sozial-
und Kulturwissenschaften (GSK)
Die Eckpfeiler des Budgets des Wissenschafts- und
Forschungsministeriums (Universitäten, Fachhochschulen,
Wissenschaftsfonds FWF, Österreichischen Akademie der Wissenschaften,
Ludwig Boltzmann Gesellschaft, Institute of Science and Technology
Austria, Studienförderung) bleiben von den notwendigen
Konsolidierungsmaßnahmen unberührt. In anderen Bereichen sind aber
Einsparungen und damit zum Teil schmerzliche Einschnitte notwendig,
begründet die Ministerin das Einstellen der Basissubvention für
außeruniversitäre Einrichtungen und Vereine (ab 2012; für 2011 stehen
noch Mittel in Höhe von vier Millionen Euro für begleitende Maßnahmen
zur Verfügung). "Es ist allerdings keine reine Budgetmaßnahme - es
ist vor allem auch eine Strukturreform, die seit längerem von
mehreren Seiten empfohlen wird und wo es zweifelslos Handlungsbedarf
gibt", verweist Beatrix Karl auf Empfehlungen des Wissenschaftsrates,
des Rates für Forschung- und Technologieentwicklung sowie des
Rechnungshofes. "Österreich ist geprägt von einer kleinteiligen, sehr
fragmentierten außeruniversitären Forschungslandschaft. Künftig gilt
es die Exzellenz zu bündeln und damit auch die internationale
Sichtbarkeit sowie die Inter- und Transdisziplinarität zu stärken",
so das Ziel des Ministerin.
Die Basissubventionen wurden in den 1970er Jahren und damit in einer
Zeit eingeführt, als die Universitäten keine Möglichkeit hatten,
rasch auf Veränderungen wie etwa neue Forschungsfelder zu reagieren.
"Die Basissubvention entstand aus der Grundidee der
`Anschubfinanzierung` und war nicht als Daueranspruch konzipiert",
betont Karl. Mit dem Universitätsgesetz 2002 haben die Universitäten
nun die notwendigen und flexiblen Instrumente in der Hand und somit
wird auch eine Änderung des bisherigen Finanzierungssystems, das
stärker auch den Charakter von "Wettbewerb statt Gießkanne" haben
soll, ermöglicht. Neben den drei institutionellen Säulen der
außeruniversitären Forschungslandschaft (ÖAW, LBG und IST Austria)
soll es künftig drei thematische Säulen geben:
(1) Anreizbildung zur Integration von Forschungsexzellenz in
bestehende Strukturen (Universitäten, ÖAW)
Die auch auf europäischer Ebene voranschreitende Entwicklung zur
stärkeren Konzentration in der Forschungslandschaft macht vor
Österreich nicht halt. 2002 hat etwa die Ludwig Boltzmann
Gesellschaft (LBG) erfolgreich begonnen, ihre kleinteilige Struktur
in effiziente und wirkungsorientierte Institute umzuwandeln und auch
in der ÖAW läuft ein Prozess, der kleine Forschungseinrichtungen zu
größeren Einheiten zusammenfasst. Ziel der Ministerin ist es,
außeruniversitäre Forschungseinrichtungen verstärkt in bestehende
Strukturen wie die Universitäten und ÖAW zu integrieren. "Die
Aufnahmebereitschaft der Universitäten ist gegeben", verwies die
Ministerin auf erste Schritte an der Universität Graz und der TU
Wien. "Damit können wir aufgebaute Exzellenz dieser Einrichtungen an
den Universitäten und der ÖAW nachhaltig sichern", dies sei
insbesondere im sehr fragmentierten Bereich der Geistes-, Sozial- und
Kulturwissenschaften notwendig. Es gebe daher eine Einladung mit
einem entsprechenden Angebot und (finanziellen) Anreizen an
Institutionen und Universitäten, entsprechende Verhandlungen
miteinander und mit dem Ressort zu führen. Kriterien sind aus Sicht
der Ministerin unter anderem eine starke kompetitive Einwerbung von
Drittmitteln (FWF, FFG, private Unternehmen), Rückflüsse aus den
EU-Rahmenprogrammen, Einwerbung von hohen Preisen und Auszeichnungen
(z.B. ERC, Wittgenstein, START), wissenschaftlichen Publikationen und
die Nachwuchsförderung.
(2) Sicherung der EU-Rückflüsse im Bereich der außeruniversitären
Forschungseinrichtungen der GSK
Um EU-Rückflüsse zu sichern, gewährt das BMWF mit Wirkung vom 1.
Jänner 2011 finanzielle Unterstützung bei der Teilnahme an
genehmigten Projekten im 7. EU-Rahmenprogramm. Mittels
Teilfinanzierung von Projektkosten, die zur Durchführung des Projekts
unabdingbar sind, aber nachweislich nicht durch EU-Förderung gedeckt
werden, sollen so die Rückflüsse und damit wichtige Mittel für die
Einrichtungen gesichert werden. Dieses Instrument steht allen
außeruniversitären Einrichtungen im Bereich GSK zur Verfügung, und
wird - je nach Projekt - zwischen 10 und 25 Prozent der EU-Förderung
betragen. "Diese Maßnahme ist ein wichtiger Hebel zur Stärkung der
Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften", unterstreicht die
Ministerin. Die Abwicklung soll über die
Forschungsförderungsgesellschaft FFG nach dem Prinzip "one-stop-shop"
erfolgen.
(3) Stärkung der Forschungsinfrastruktur im Bereich GSK
Für jene derzeit geförderten Institutionen, die vor allem im Bereich
der Archivierung und Dokumentation von zeitgeschichtlichen
Materialien tätig sind, wird die Möglichkeit eines
"Dokumentationsnetzwerks der politischen Ideengeschichte nach 1918"
überprüft. Dieses Netzwerk bildet als GSK-Infrastruktur eine wichtige
Voraussetzung, die den wissenschaftlichen, interdisziplinären
Austausch ermöglicht. "Wir wollen hier zunächst mit einem virtuelles
Netzwerk beginnen, das dann kontinuierlich wachsen soll", so die
Ministerin. Wichtig ist dabei, dass ein inhaltlicher Diskurs
ermöglicht wird, der interdisziplinär und transdisziplinär gestaltet
ist und durch die Vernetzung auch die internationale Sichtbarkeit
gefördert wird.
Bereits bisher hat das Ministerium mit zahlreichen der betroffenen
Institutionen sehr gute und konstruktive Gespräche geführt. "In das
nun vorliegende Modell sind auch bereits Überlegungen aus den
Gesprächen eingeflossen, es entspricht also den Bedürfnissen der
Einrichtungen aus der Praxis", so die Ministerin. Für die skizzierten
Maßnahmen und Anreizbildungen stehen im kommenden Jahr vier Millionen
Euro aus der bisherigen Basissubvention zur Verfügung, weiters werden
- entsprechend Bedarf und Nachfrage - Mittel aus den 80 Millionen
Euro Offensivmittel zur Verfügung stehen.
Rückfragehinweis:
Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung Minoritenplatz 5, 1014 Wien Presse: Mag. Elisabeth Grabenweger Tel.: +43 1 531 20-9014 mailto:[email protected] www.bmwf.gv.at
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