• 12.11.2010, 11:32:34
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GesundheitssprecherInnen der Parlamentsparteien diskutierten über Generationengerechtigkeit im Gesundheitswesen

Bedarf nach Veränderung erkannt

Wien (OTS) - Um die Zukunft des österreichischen
Gesundheitssystems ging es bei der gestrigen Diskussionsrunde
"Gesundheit im Dialog", die in diesem Jahr zum dritten Mal von Bayer
Austria Ges.m.b.H. und der Industriellenvereinigung (IV) organisiert
worden ist. Die Diskutanten waren VertreterInnen der österreichischen
Parlamentsparteien: Dr. Sabine Oberhauser (SPÖ), Dr. Erwin Rasinger
(ÖVP), Dr. Andreas Karlsböck (FPÖ), Dr. Wolfgang Spadiut (BZÖ) und
Dr. Sigrid Pilz (Die Grünen). Zum Auftakt der Diskussion referierte
der Bevölkerungswissenschaftler und Leiter des Bereichs Forschung und
Entwicklung der Erste Group Bank AG über demographische Veränderungen
und die daraus erwachsenden Herausforderungen für unser Sozialsystem.

Nach der letzten Volkszählung 2001 war laut Statistik Austria ein
Fünftel der Bevölkerung über 60 Jahre alt. Über einen Zeitraum von
fünf Jahrzehnten, 1951 bis 2001, ist die Generation 60+ um 25 %
angestiegen. Heute ist in Österreich bereits knapp ein Viertel der
Bevölkerung 60 Jahre und älter. Tendenz weiter steigend.

Ein Alarmsignal ist der Blick in die Zukunft: Demographische
Prognosen (1) zeigen, dass in Österreich der Anteil der Generation
60+ im Jahr 2050 um die Hälfte größer sein wird als jetzt.
Statistisch betrachtet, stehen dann nur mehr eineinhalb 15-60jährige
einem Über-60jährigen gegenüber. Zum Vergleich: 2001 kamen auf einen
Über-60jährigen noch fast drei 15-60jährige - Statistiken, die
aufhorchen lassen.

Mag. Markus Beyrer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung,
legte in seinen einleitenden Begrüßungsworten besonderen Stellenwert
auf die Nachhaltigkeit der Absicherung des Gesundheitssystems. Er
betonte, dass eine stärkere Stimme der jungen Generation in der
politischen Diskussion als Ergänzung zur bereits sehr starken
Positionierung der SeniorInnen wünschenswert wäre.

Prof. Dr. Rainer Münz, Bevölkerungswissenschaftler und Leiter des
Bereichs Forschung und Entwicklung der Erste Group Bank AG, wartete
mit plakativen Zahlen auf: 50 % der Gesundheitskosten entfallen auf
Menschen, die sich in den letzten 24 Monaten ihres Lebens befinden.
Jedes Jahr steigt unsere Lebenserwartung um 6 Stunden pro Tag - das
sind 90 Tage pro Jahr. Gleichzeitig mit dem Lebensalter wächst aber
auch die Pflegebedürftigkeit. Gesellschaftliche Veränderungen wie
eine sinkende Geburtenrate und eine steigende Anzahl von Scheidungen
bringen jedoch einen Wegfall von potenziellen Pflegekräften mit sich:
wo früher Kinder die Eltern pflegten bzw. die Ehepartnerinnen ihre
Männer, muss die Gesellschaft einspringen, was wiederum zusätzliche
finanzielle Belastungen für das Sozialsystem mit sich bringt. Um den
jetzigen Standard im Gesundheitswesen zu erhalten, müssten künftige
Generationen länger arbeiten und höhere Beiträge einzahlen, so Münz.

Laut einer IMAS-Umfrage vom Juni dieses Jahres halten bereits
jetzt 66 Prozent aller ÖsterreicherInnen den Generationenvertrag,
nach dem die Jüngeren die Pensionen der Älteren finanzieren, als
Grundlage der gesetzlichen Rente nicht mehr für umsetzbar. (2)
Finanziert werden müssen jedoch bekanntlich nicht nur die Pensionen,
sondern auch das Gesundheitssystem. Empirische Daten zeigen, dass die
Generation 60+ den überwiegenden Teil der Gesundheitsleistungen in
Anspruch nimmt. In Anbetracht dessen, dass der Anteil der
Über-60jährigen in den nächsten Jahrzehnten drastisch steigt, führt
dies zu einem systemimmanenten Anstieg der Gesundheitsausgaben.
Darüber hinaus wird mit zusätzlichen Ausgaben aufgrund des weiterhin
zu erwartenden medizinischen Fortschritts zu rechnen sein. Ohne
Änderungen im System stellt sich die Frage, ob das derzeitige
Leistungsniveau im Gesundheitswesen auch für die heute junge
Generation im selben Ausmaß aufrecht erhalten werden kann.

Bei "Gesundheit im Dialog" diskutierten Vertreterinnen und
Vertretern der fünf Parlamentsparteien darüber, mit welchen Ideen sie
an die Lösung dieses potentiellen Generationenkonfliktes herangehen
und wie sichergestellt werden kann, dass das hohe Leistungsniveau des
österreichischen Gesundheitssystems auch für zukünftige Generationen
gewährleistet bleibt.

Hier die Stellungnahmen/ Positionen der Diskutanten:

Dr. Sabine Oberhauser, Gesundheitssprecherin SPÖ

Das Problem der Generationengerechtigkeit wird in vielen
Politikbereichen aufgeworfen, vor allem aber in der Sozialpolitik.
Der demographische Wandel in Folge anhaltend niedriger Geburtenraten
führt in umlagefinanzierten Sozialsystemen dazu, dass die erworbenen
Ansprüche der Älteren durch immer kleinere Generationen
Erwerbstätiger bedient werden müssen.

Selbstverständlich betrifft dies auch gesundheitspolitische
Agenden. Medizinische Versorgung ungeachtet von Alter, Herkunft und
finanziellen Möglichkeiten muss dabei das Ziel sein und bleiben. Im
Hinblick auf die anstehenden Budgetverhandlungen ist es daher unsere
gemeinsame Aufgabe, die beste medizinische Versorgung für alle
Menschen in unserem Land sicher zu stellen und die Entwicklung hin zu
einer Zwei-Klassen-Medizin unter allen Umständen zu verhindern. Das
ist gelebte Solidarität zwischen den Generationen und die Garantie
für eine solidarische und nachhaltige Gesundheitspolitik

Dr. Erwin Rasinger , Gesundheitssprecher ÖVP

Österreich hat eines der besten Gesundheitssysteme der Welt und
gilt in Europa als beispielhaft. Der Gewinn an Lebensjahren - alle 10
Jahre etwa 2,5 Jahre, die Fortschritte in der Medizin und die
wachsenden juristischen Anforderungen werden zwingend zu
Mehrleistungen und Mehrkosten führen. Bei den Bürgerwünschen rangiert
Gesundheit ganz oben. Es gilt das Motto: sparen ja - rationieren
nein. Dies allein erfordern oberstgerichtliche Urteile. Je mehr
Prävention und Versorgung außerhalb des Spitals stattfindet umso
kostengünstiger das Gesamtsystem. Alles andere führt letztendlich zu
Zweiklassenmedizin.

Dr. Andreas Karlsböck (FPÖ)

Den Föderalismus im Gesundheitswesen werden wir uns auf Dauer
nicht leisten können. Es benötigt eine tiefgreifende Strukturreform,
bei der die Bundesländer die Hauptlast zu tragen haben werden. Es
kann nicht sein, dass diejenigen die das Geld ausgeben, keinerlei
Möglichkeit zur Steuerung haben. Der Vorstoß von BM Stöger, die
Spitalsagenden im Bund zusammen zu fassen, steht die FPÖ daher auch
positiv gegenüber. Das alleine wird jedoch nicht ausreichen um die
Strukturschwächen auszugleichen. Zusammenlegung der Krankenkassen,
Vereinheitlichung der Leistungskataloge und Abgabe der
versicherungsfremden Leistungen sind notwendig, um ohne zusätzliche
Beiträge oder Steuermittel den gewohnt hohen Standard, aufrecht
erhalten zu können.

Dr. Wolfgang Spadiut (BZÖ)

Ohne finanzielle Rückendeckung geht gar nichts, besonders nicht im
Gesundheitssystem. Wir müssen daher erst einmal dafür Sorge tragen,
dass eine generationengerechte Politik nicht auf Schulden
ausgerichtet ist sondern dass eine ausgeglichene Bilanz geschaffen
wird. Nur so ist eine seriöse Basis für alle weiteren
Berechnungsmodelle im Gesundheitssystem überhaupt erst gegeben. Daher
verlangen wir vom BZÖ einen Generationenvertrag als Jugendvertrag,
der in der Verfassung verankert vorsieht, dass alle im Parlament
verabschiedeten gesetzlichen Materien keinesfalls zum Nachteil der
jungen Menschen gereichen dürfen.

Anstatt Spitäler zu schließen und Beiträge zu erhöhen verlangen
wir vom BZÖ eine Zusammenlegung der verbliebenen 22
Sozialversicherungsträger und eine Gesamtreform des
Gesundheitssystems ohne Berücksichtigung der Ländergrenzen.
Insbesondere einheitliche Tarife und Abrechnungsmodelle sowie
einheitliche Qualitätskriterien und die optimale Nutzung und
Auslastung bestehender Strukturen haben hier oberste Priorität.

Dr. Sigrid Pilz, Die Grünen

Gesundheit, Krankheit und Leiden beeinflussen unser Leben
elementar. Wie früh, wie häufig und wie schwer wir erkranken,
entzieht sich vielfach unserem Einfluss. Einkommen, Bildung, Arbeits-
und Wohnverhältnisse, gesellschaftliche Akzeptanz und Umwelteinflüsse
entscheiden letztlich stärker als medizinische Errungenschaften über
unseren Gesundheitszustand.

Es ist belegt, dass Frauen der untersten Schicht im Verhältnis zur
obersten Schicht rund 2,2, und Männern 2,8 Lebensjahre hinsichtlich
ihrer Lebenserwartung zurückliegen. Von der generellen Zunahme der
Lebenserwartung profitieren die höheren sozialen Schichten daher weit
stärker, ihre Lebenserwartung ist im Verhältnis zu den unteren
Schichten stark gestiegen.

Es muss also gesundheitspolitisch vorrangig sein, dafür zu sorgen,
dass ALLE Menschen eine Chance haben, ein hohes Alter in guter
Gesundheit erreichen zu können. Maßnahmen der Gesundheitsförderung
müssen daher künftig Vorrang haben. Wir sind viel zu sehr auf
Krankheitsbehandlung konzentriert und verabsäumen dabei, dass wir in
die Erhaltung der Gesundheit der Menschen in allen Lebensphasen
investieren müssen, damit die ältere Generation ein hohes Alter in
guter Lebensqualität erreichen kann.

Zusammenfassung von Dr. Martin Hagenlocher, Geschäftsführer der Bayer
Austria Ges.m.b.H.

Wenn am jetzigen System nichts geändert wird, so werden zukünftige
Generationen nicht mehr in den Genuss des derzeit hohen
Leistungsniveaus kommen können - darüber herrscht folglich Konsens.
Uneinig sind sich die ParteienvertreterInnen erwartungsgemäß darin,
was genau geändert werden und wie dies konkret umgesetzt werden muss.
Dazu Gastgeber Dr. Martin Hagenlocher, Geschäftsführer der Bayer
Austria Ges.m.b.H.: "Die Diskussion zeigt, dass wir noch sehr weit
von einer Lösung dieser Problematik entfernt sind. Positiv sehe ich
jedoch, dass alle TeilnehmerInnen erkennen, dass Veränderungsbedarf
gegeben ist, um auch für künftige Generationen ein funktionierendes
Gesundheitssystem auf hohem Niveau gewährleisten zu können."

Über "Gesundheit im Dialog":

"Gesundheit im Dialog" ist der Titel einer jährlich durchgeführten
Veranstaltung von Bayer Austria Ges.m.b.H., der österreichischen
Landesgesellschaft des Bayer Konzerns in Kooperation mit der
Industriellenvereinigung. Veranstaltungsort ist das "Haus der
Industrie" am Schwarzenbergplatz 4 in Wien, jenes Gebäude, in dem die
Industriellenvereinigung ihren Sitz hat. "Gesundheit im Dialog"
wurde in diesem Jahr zum dritten Mal durchgeführt. Ebenso wie bei den
Podiumsdiskussionen der Vorjahre geht es auch in diesem Jahr um ein
gesundheitspolitisches Thema, nämlich: "Generationengerechtigkeit im
Gesundheitswesen". Im Publikum sitzen VertreterInnen aus Wirtschaft,
Politik, Gesundheitswesen und der Medien.

Bayer: Science For A Better Life

Bayer ist ein weltweit tätiges Unternehmen mit Kernkompetenzen auf
den Gebieten Gesundheit, Ernährung und hochwertige Materialien. Mit
seinen Produkten und Dienstleistungen will das Unternehmen den
Menschen nützen und zur Verbesserung ihrer Lebensqualität beitragen.
Gleichzeitig schafft Bayer Werte durch Innovation, Wachstum und eine
hohe Ertragskraft. Der Konzern bekennt sich zu den Prinzipien des
Sustainable Developments und zur Rolle eines sozial und ethisch
verantwortlich handelnden "Corporate Citizen". Ökonomie, Ökologie und
soziales Engagement sind gleichrangige Ziele innerhalb der
Unternehmenspolitik. Im Geschäftsjahr 2009 erzielte Bayer mit 108.400
Beschäftigten einen Umsatz von 31,2 Milliarden Euro. Die
Investitionen beliefen sich auf 1,7 Milliarden Euro und die Ausgaben
für Forschung und Entwicklung auf 2,7 Milliarden Euro. Weitere
Informationen sind im Internet zu finden unter www.bayer.de.

Zukunftsgerichtete Aussagen

Diese Presseinformation kann bestimmte in die Zukunft gerichtete
Aussagen enthalten, die auf den gegenwärtigen Annahmen und Prognosen
der Unternehmensleitung des Bayer-Konzerns bzw. seiner Teilkonzerne
beruhen. Verschiedene bekannte wie auch unbekannte Risiken,
Ungewissheiten und andere Faktoren können dazu führen, dass die
tatsächlichen Ergebnisse, die Finanzlage, die Entwicklung oder die
Performance der Gesellschaft wesentlich von den hier gegebenen
Einschätzungen abweichen. Diese Faktoren schließen diejenigen ein,
die Bayer in veröffentlichten Berichten beschrieben hat. Diese
Berichte stehen auf der Bayer-Webseite www.bayer.de zur Verfügung.
Die Gesellschaft übernimmt keinerlei Verpflichtung, solche
zukunftsgerichteten Aussagen fortzuschreiben und an zukünftige
Ereignisse oder Entwicklungen anzupassen.

(1) STATISTIK AUSTRIA - Bevölkerungsprognose 2010. Erstellt am 29.
Oktober 2010

(2) IMAS international Report Nr. 16 (Juni 2010): Ein Vertrag ohne
Gültigkeit

Rückfragehinweis:

Dipl.-Journ. Carolin Schairer
   Tel. 01/711 46-2228, Fax 01/711 46-2209
   [email protected]
   
   IV-Newsroom, Tel. 01/711 35-2306 
   [email protected], www.iv-net.at

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