- 10.11.2010, 17:00:17
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"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Einfacher und viel gerechter" (Von Kurt Horwitz)
Ausgabe vom 11.11.2010
Wien (OTS) - Alles könnte so einfach sein: Vom Bruttogehalt
(abzüglich einem Freibetrag von zehntausend Euro jährlich) werden 44
Prozent an den Fiskus abgeführt. Das war?s dann: Keine Sozialabgaben
und sonstigen Abzüge mehr, allerdings auch keine Steuerbegünstigung
von Urlaubs- und Weihnachtsgeld und kein Gewinnfreibetrag für
Unternehmer. Ob das Jahresgehalt in zwölf oder 14 Teilbeträgen
ausgezahlt wird, würde steuerlich keinen Unterschied machen.
44 Prozent: Das hört sich brutal an, entspricht aber recht genau der
derzeitigen Belastung eines Monatseinkommens von 2000 Euro (brutto)
mit Steuern und Abgaben. Bei 4000 Euro würde man sich 1033 Euro im
Jahr ersparen, hat Wirtschaftsprüfer Karl Bruckner ausgerechnet.
Oben würde es teurer: Ab einem Brutto-Jahreseinkommen von 80.000 Euro
beträgt die Gesamtbelastung derzeit "nur" 43,71 Prozent. Das liegt an
den Segnungen der Höchstbeitragsgrundlagen in der Sozialversicherung.
Das jetzige System ist kompliziert und ungerecht. Das neue wäre
transparenter und gerechter. Begünstigungen für Sonderausgaben oder
Überstundenzuschläge würden wegfallen, eine einzige Behörde -
Finanzamt oder Krankenkassa - wäre für Einhebung und Prüfung
zuständig.
Das würde die Unternehmen entlasten; außerdem würden Finanzverwaltung
und Kassen 5000 Mitarbeiter weniger benötigen. Wird das von
bisherigen Aufgaben entlastete Personal zur Bekämpfung von
Steuerbetrug eingesetzt, rentiert sich die Vereinfachung gleich
doppelt.
All das klingt ziemlich exotisch. Zumindest in Grundzügen ist der
Vorschlag aber gar nicht neu: Der Regierung sei ein Blick in die
Finanzarchive empfohlen. Dort findet sich sicher irgendwo der zur
Vorbereitung der Steuerreform 2000 erarbeitete "Bericht der
Steuerreformkommission an Finanzminister Rudolf Edlinger". In der
Kommission sind Professoren, Experten des Finanzministeriums, der
Sozialpartner, der Länder und Wirtschaftstreuhänder gesessen.
Es zahlt sich aus, dort nachzulesen, was die Herren auf 47 Seiten an
"vereinfachenden, strukturbereinigenden und belastungsausgleichenden
steuerpolitischen Maßnahmen" empfohlen haben. Die Vorschläge sind von
geradezu zeitloser Schönheit und würden es verdienen, aus ihrem
Dornröschenschlaf geweckt zu werden.
Rückfragehinweis:
Vorarlberger Nachrichten, Chefredaktion, Tel.: 0664/80588382
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