• 09.11.2010, 19:49:12
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Wer Ältere hinausdrängt, soll auch dafür zahlen" (Von Wolfgang Simonitsch)

Ausgabe vom 10.11.2010

Graz (OTS) - Das hat er sich aber fein ausgedacht, der Präsident
der Wirtschaftskammer. Völlig unzufrieden mit der halbherzigen
Kosmetik der Regierung am viel zu teuren Pensionssystem hat er ein
Anreizmodell entwickelt, das auf den ersten Blick so übel nicht
wirkt: Christoph Leitl will jene, die über ihr reguläres
Antrittsalter für die Pension hinaus weiter werken, mit einer Prämie
von 25 Prozent der fiktiven Pension belohnen.

Leitls Kalkül: Wer später in Rente geht, erspart dem Staat Geld. Dass
er aber gleichzeitig verlangt, diese Sonderprämie ohne Gegenleistung
auch den Arbeitgebern - seiner Kammer-Klientel - zu schenken, trübt
das Bild. Und wenn man mitkalkuliert, dass jetzt schon an die 45
Prozent der Berechtigten über den Tag hinaus arbeiten, an dem sie in
Pension gehen dürften, wird Leitls Rechnung mehr als zweifelhaft.
Denn diese Leute erhielten plötzlich einen Bonus, den sich die
Sozialkasse jetzt erspart.

Wirklich ärgerlich wird Leitls Vorschlag allerdings erst, wenn man
dessen tiefere Konsequenz überlegt: Wieder einmal soll die
Gemeinschaft, der Staat dafür bezahlen, dass Firmen ältere Leute
lieber früher als später loswerden. Häufig werden "Golden Handshakes"
bezahlt, damit sie frühzeitig ihre Arbeitskluft an den Nagel hängen.
40 Prozent unserer neuen Pensionisten (!) kommen direkt aus der
Arbeitslosigkeit.

In Österreich haben bisher kaum Firmen wie die Voestalpine begriffen,
wie wertvoll ältere Wissensträger für die Firma sein können. Deshalb
gibt es eigene Programme, die Ältere im Job schonen, damit sie dem
Betrieb möglichst lange erhalten bleiben. Die Linzer sind aber weit
und breit eine Ausnahme. Selbst in der Wirtschaftskammer oder in der
Industriellenvereinigung sollen Arbeitnehmer, die älter als 60 Jahre
sind, selbst mit der Lupe kaum bis gar nicht zu finden sein.

Deutschland hebt das Pensionsalter auf 67 Jahre an, weshalb dort
umgedacht wird: So sorgt BMW dafür, dass Schichtarbeiter Turnübungen
und nicht immer dieselbe, eintönige Arbeit machen, etwa Jobs am Band
wechseln.

Über ähnliche Fit-Programme für Ältere nachzudenken, stünde auch
unseren Arbeitgebern ganz gut an. Ebenso dringlich wäre es, die
herkömmlichen Reaktionsmuster zu vergessen und nicht immer gleich
nach Subventionen zu rufen.

Der Staat hätte ohnedies Möglichkeiten, Ältere für ihn kostenlos
länger im Job zu halten. Siehe Holland, Schweden oder Finnland: Dort
ist es für Firmen teuer, Ältere vorzeitig in Früh- oder
Invaliditätspension zu entsorgen. Das wär doch beispielhaft, oder?
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Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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