- 19.10.2010, 16:54:25
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"Die Reputation der Republik Österreich ist in Gefahr!"
Klagenfurt (OTS) - 19. Oktober als Startschuss für weitere
Aktionen gegen den Bildungsabbau. Heute fanden an der
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt und an allen österreichischen
Hochschulstandorten Universitätsversammlungen statt, um die prekäre
Situation der tertiären Bildungslandschaft in Österreich zu
verdeutlichen.
Nun sei es an der Zeit, dass alle Universitätsangehörigen auf die
Politik Einfluss nehmen, so Rektor Heinrich C. Mayr zu Beginn seines
Statusberichtes. Darin zeichnete er ein tristes Bild der Zukunft
Österreichs, sofern die Bundesregierung ihre jetzige Haltung
gegenüber der Universitätenfinanzierung nicht ändert und damit "die
Zukunft des Landes verschläft".
Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sind die
österreichischen Universitäten seit Jahren chronisch unterfinanziert.
Politisch kolportierte Begriffe wie "österreichische
Weltklasseuniversitäten", seien angesichts der realen
Finanzierungslage schon lange eine Farce. Nimmt die Bundesregierung
nicht endlich ihre Verantwortung für die Zukunft Österreichs
gewissenhaft wahr, so wird dies mittelfristig dazu führen, dass der
Wissenschafts- und damit Wirtschaftsstandort Österreich gegenüber den
Ländern mit einer zukunftsorientierten Bildungspolitik an Boden
verliert. Schon 2005 hat das EU-Parlament den Mitgliedstaaten
empfohlen, die Ausgaben für die tertiäre Bildung bis spätestens 2020
auf 2% des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts anzuheben. Österreich
verfehlt dieses Ziel deutlich, solange die Bundesregierung die
notwendige Verantwortung alleine auf die Universitäten und die
Industrie abschiebt. Für die Universitäten ist dies nicht akzeptabel,
bemühen sie sich doch schon seit Jahren um verstärkte
Drittmittelfinanzierung in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld.
Die Bundesregierung kann und darf sich ihrer Pflicht gegenüber den
jungen Menschen Österreichs und einer Obsorge für die prosperierende
Entwicklung des gesamten Wirtschaftsstandortes nicht mehr entziehen.
Konkret fordert Mayr im Einklang mit der Universitätenkonferenz
eine Roadmap bis zum Jahr 2016/17, um das 2%-Ziel realistisch zu
erreichen. Jährlich bedeutet dies eine zusätzliche Summe von 500 bis
600 Millionen Euro für die österreichischen Universitäten. Wird
dagegen, wie vom Finanzminister beabsichtigt, das Budget eingefroren,
so fehlen allein der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt 4 bis 4,5
Millionen Euro jährlich, um den laufenden Betrieb zu gewährleisten.
Da die Alpen-Adria-Universität aufgrund der schon erfolgten
budgetären und strukturellen Sanierung sehr effizient und
kostengünstig arbeitet, sind die verbleibenden Handlungsspielräume
äußerst gering. Damit wären reale Kürzungen und Auswirkungen auf
Studienbetrieb und Personal unausweichlich. Die Betriebsräte Ernst
Kotzmann und Erich Schauer sind sich einig, dass weiterer Druck auf
die Bundesregierung ausgeübt werden muss, damit die
Budgetkonsolidierung nicht auf dem Rücken der Universitäten
ausgetragen wird, auch Streiks werden in Betracht gezogen.
Der Wissenschaftsstandort Österreich wird zwangsläufig einen
"Brain Drain" erleiden, da Laufbahnmodelle für WissenschaftlerInnen
nicht umsetzbar sind, so Vizerektorin Sabine Kanduth-Kristen. Die
wissenschaftliche Konkurrenzfähigkeit werde damit weiter sinken.
Stefan Sagl von der Österreichischen HochschülerInnenschaft
Klagenfurt weist besonders auf die Dringlichkeit der
Finanzierungsproblematik hin. "Jetzt werden die Weichen in den
Hinterzimmern der Politik gelegt", so Sagl. Wenn das Budget erst
einmal fixiert sei, dann seien Verschiebungen so gut wie unmöglich.
Sagl fordert alle Studierenden und MitarbeiterInnen zu einem
gemeinsamen Schulterschluss auf und weist vor allem auch auf die
Notwendigkeit hin, die breite Bevölkerung von einer zukunftsfähigen
Bildungspolitik zu überzeugen.
Für den Senatsvorsitzenden Oliver Vitouch geht es inzwischen
buchstäblich um das "letzte Hemd". Die Probleme seien nicht mehr mit
der so typischen "österreichischen Gemütlichkeit" zu lösen. Im
Gegenteil, die Situation sei kritisch, sogar der Generationenvertrag
würde mit der jetzigen politischen Tatenlosigkeit aufs Spiel gesetzt.
Vizerektorin Friederike Wall und Vizerektor Hubert Lengauer sind
sich besonders über die internationalen Auswirkungen einer
Mangelfinanzierung einig. Österreich wird in Rankings weiter
zurückfallen, hochwertige Forschungsleistungen werden in einem stark
konkurrierenden Wettbewerbsumfeld kaum mehr zu erbringen sein.
Offensiven zur dringend notwendigen und politisch auch geforderten
Internationalisierung sind damit unmöglich. Die Universitäten werden
seitens der Politik dazu verdammt, nur mehr zu reagieren, anstatt
offensiv an der Zukunft Österreichs mitwirken zu können.
Die Universitätsversammlung ist sich einig, dass der 19. Oktober
erst der Anfang einer Reihe von vielseitigen Aktionen seitens der
Universitätsangehörigen ist, um die Bundesregierung dazu zu bringen,
ihre Verantwortung wahrzunehmen. Aktionen der Alpen-Adria Universität
in Wien und Streiks sind dabei nicht ausgeschlossen. Die
Universitätsleitungen, die Universitätsangehörigen und die
Österreichischen HochschülerInnenschaften werden den Druck auf die
Bundesregierung weiter verstärken. Konkret bildet sich nun an der
Alpen-Adria-Universität ein Krisenteam, um die weiteren Aktionen zu
planen. Die Universitäten sehen es als ihre gesellschaftliche Pflicht
an, alles zu tun, um eine positive wissenschaftliche und
wirtschaftliche Entwicklung der Republik Österreich zu garantieren.
Rückfragehinweis:
Dr. Annegret Landes, Kommunikation & Presse, Tel.: 0644 / 8398856
Stefan Sagl, Vorsitzender der ÖH Klagenfurt, Tel.: 0676 / 4888118
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