- 18.10.2010, 11:35:56
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Ärztekammer warnt: Medizinuniversitäten "finanziell ausgedünnt"
Katastrophale Auswirkungen für die Zukunft - Erste Versorgungsprobleme in Anästhesiologie, Innere Medizin und Chirurgie
Wien (OTS) - "Die Universitätskliniken tragen die Hauptlast der
Ausbildung junger Ärztinnen und Ärzte. Die Effizienz ihrer
Ausbildung, sowohl während des Studiums als auch danach im Turnus
oder der Facharztausbildung, entscheidet über die zukünftige Qualität
der medizinischen Versorgung in Österreich." Versäumnisse im Jetzt
würden daher katastrophale Auswirkungen für die Bevölkerung in zehn
oder mehr Jahren haben. Darauf verwies der Präsident der
Österreichischen Ärztekammer, Walter Dorner, in einer Stellungnahme
anlässlich des Protesttages der österreichischen Universitäten am 18.
Oktober 2010. ****
Schon derzeit seien die Budgets der medizinischen Universitäten in
Österreich "äußerst knapp bemessen". Dies schlage sich sowohl in der
Forschung als auch in der Patientenbetreuung und der Ausbildung
nieder. Erste "Warnsignale" gebe es bereits. "Vor allem in den
Fächern Anästhesiologie, Innere Medizin und Chirurgie könnten schon
bald ernste Versorgungsprobleme entstehen", warnt der Ärztechef.
Dazu komme, dass in etwa ein Viertel der Fachärzteschaft mehr als
55 Jahre alt sei. Und die Alterspyramide schiebe sich immer weiter
nach oben. Zahlreiche Facharztstellen und leitende Positionen, die
derzeit von über 55-Jährigen besetzt sind, würden in den kommenden
zehn Jahren vakant werden. Dorner: "Wenn nun die Universitätskliniken
aus finanziellen Gründen nicht in der Lage sind, genügend Ärztinnen
und Ärzte auszubilden, dann droht in zehn bis 20 Jahren ein
eklatanter Ärztemangel in Österreich."
Negatives Beispiel sei hier die Situation in Deutschland. Dort
hätten die Verantwortlichen jahrzehntelang den Mängeln in der
Ausbildung sowie den schlechten Rahmenbedingungen des Arztberufs
untätig zugesehen, "und nun gibt es ganze Landstriche mit einem so
eklatanten Ärztemangel, dass aus allen Regionen Europas Mediziner
abgeworben werden müssen".
Mehr Geld für Lehre, Forschung und Patientenbetreuung
Eine direkte Folge der "finanziellen Ausdünnung der
Medizinuniversitäten sowie aller weiteren Spitäler Österreichs" sei
die hohe Belastung der im Gesundheitswesen tätigen Personen. Dorner
erinnert hier an aktuelle Studien, wonach bis zu 50 Prozent der
Ärztinnen und Ärzte burn-out-gefährdet seien. Bis zu ein Fünftel
zeige bereits erste manifeste Symptome von Burn-out. Und bis zu ein
Drittel der Befragten würde den Arztberuf rückblickend nicht mehr
ergreifen wollen.
"Was mich besonders erschreckt ist der Umstand, dass
Entmutigungserscheinungen sich häufig schon bei jungen Kolleginnen
und Kollegen finden", betont der Ärztekammerpräsident. Besonders
gefährdet seien gerade die Besten: "Ärztinnen und Ärzte mit hoher
Einsatzbereitschaft, hoher Kompetenz und ausgeprägter Empathie, die
sich besonders für die Patienten einsetzen."
Nicht immer sei die mangelnde finanzielle Bedeckung der alleinige
Grund für die Überbeanspruchung so vieler Ärztinnen und Ärzte. Meist
aber spiele das fehlende Geld "eine nicht unwesentliche Rolle".
Deswegen schließt sich die Ärztekammer auch "vollinhaltlich" den
Forderungen der drei medizinischen Universitäten Österreichs an.
Dorner: "Was wir brauchen ist mehr Geld für die Forschung, mehr Geld
für die Patientenbetreuung, und vor allem mehr Geld für die ärztliche
Ausbildung." Nur so könne eine flächendeckende Ausbildung an den
Universitäten, abseits von bürokratischen Aufgaben, erfolgen. (hpp)
Rückfragehinweis:
Ärztekammer für Wien - Pressestelle
Dr. Hans-Peter Petutschnig
Tel.: (++43-1) 51501/1223, 0664/1014222, F:51501/1289
mailto:[email protected]
http://www.aekwien.at
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