• 16.10.2010, 12:37:49
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Kardinal Schönborn: Mission ist das wichtigste

Wiener Erzbischof stellte zum Abschluss der Initiative "Apostelgeschichte 2010" Grundzüge eines kirchlichen Reformprogramms vor

Wien (OTS) - Wien, 16.10.10 (PEW) An der Spitze eines kirchlichen
Reformprogramms muss das Prinzip "Mission zuerst" stehen: Dies
betonte Kardinal Christoph Schönborn am Samstagvormittag im
Stephansdom in seiner Schlussbotschaft bei der 3. Diözesanversammlung
im Rahmen der Initiative "Apostelgeschichte 2010". Die Mission, die
Verkündigung des Evangeliums im Dialog, sei das wichtigste. Die
Berichte von den vielen kreativen Ideen bei der ersten
"Missionswoche" im Mai bezeichnete der Wiener Erzbischof als
vielversprechenden Anfang. An zweiter Stelle stehe die "Schulung" der
Menschen, die Jüngerinnen und Jünger Jesu sein wollen. Hier könne die
katholische Kirche viel von den Evangelikalen lernen, auch von der
Art, wie dort Jugendliche angesprochen werden. Erst an dritter Stelle
gehe es um die eigentliche Strukturreform. Kardinal Schönborn wurde
in diesem Zusammenhang sehr konkret: Im Bereich der Bundeshauptstadt
gebe es 172 Pfarren für 740.000 Katholiken, aber nur drei
Pfarrkirchen für mehr als 150.000 serbisch-orthodoxe Christen. Das
sei ein "Unrecht gegenüber Mitchristen". Hier werde man katholische
Gotteshäuser an orthodoxe Schwesterkirchen übereignen müssen, auch
wenn das für die Betroffenen ein schmerzlicher Prozess sei. Ein gutes
ökumenisches Miteinander von katholischen und orthodoxen Christen sei
im übrigen auch im gesellschaftlichen Interesse.

Die Struktur-Vorgänge müssten mit Transparenz und Sensibilität
durchgeführt werden, betonte Kardinal Schönborn. Konzepte für
"Downsizing" - für den Umgang mit schmäler werdenden Ressourcen -
gebe es auch in Politik und Wirtschaft nicht, wie sich in den letzten
Monaten in vielen Gesprächen mit Verantwortlichen dieser Bereiche
herauskristallisiert habe. Immer noch sei das Denken überall auf
"Wachstum" eingestellt, auch wenn die Einsicht unvermeidbar sei, dass
das Wachstum "Grenzen" haben muss. Die Kirche könne in diesem Bereich
eine "Vorreiter-Rolle" einnehmen und zeigen, wie man eine lebendige
Gemeinschaft bleiben kann, auch wenn die Ressourcen kleiner sind.

Eingangs hatte der Erzbischof von Wien daran erinnert, dass viele mit
Recht zum Abschluss des Vorgangs "Apostelgeschichte 2010" die Frage
stellen: Wie geht es weiter? Als Antwort nannte Kardinal Schönborn
ein Vier-Punkte-Programm. Es werde eine "Steuerungsgruppe" für die
Verwirklichung des von ihm zum Auftakt der 3. Diözesanversammlung
skizzierten "Masterplans" für den weiteren Weg der Erzdiözese Wien
gebildet werden. Diözesanversammlungen sollen alle zwei bis drei
Jahre stattfinden; die Erfahrung habe gezeigt, dass dieser Weg gut
ist: "Es ist ein synodales Element von Kirche". Ähnliche Vorgänge
sollen auch auf den anderen Ebenen - Vikariat, Dekanat, Pfarrgemeinde
- stattfinden. Eine Diözesanwallfahrt soll zu jenen Orten im
kleinasiatisch-ägäischen Raum führen, wo der Heilige Paulus Gemeinden
begründet hatte

Kardinal Schönborn erinnerte daran, dass das Zweite Vatikanische
Konzil die Kirche als "komplexe Wirklichkeit aus göttlichen und
menschlichen Elementen" bezeichnet hatte. Das mache die Kirche
spannend. Der Wiener Erzbischof verwies aber auch auf die Aussage von
Johannes XXIII. bei der Eröffnung des Konzils, dass man zwischen
"Wandelbarem" und "Unwandelbarem" unterscheiden müsse. Diese
Unterscheidung sei eine "bleibende Aufgabe". Zum Beispiel gehöre es
zu den unwandelbaren Wesenselementen, dass die Eucharistiefeier
"Mitte und Höhepunkt" des kirchlichen Lebens sei; die Vielzahl der
Messfeiern dagegen gehöre nicht zur Wesensgestalt der Kirche. Im
weltkirchlichen Vergleich gehöre die Erzdiözese Wien auch heute zu
den Kirchengebieten mit der höchsten Dichte an Messfeiern.

Ausdrücklich unterstrich Kardinal Schönborn seine Hoffnung, dass es
in Zukunft in der Erzdiözese Wien viel mehr "Gemeinden" geben wird
als heute; gemeint seien nicht Pfarrgemeinden, sondern Gemeinschaften
von Menschen, die sich um Christus sammeln. Solche Gemeinschaften
könnten auch von Laien geleitet werden. Dadurch werde das wesentliche
Prinzip, dass Pfarrgemeinden von Priestern geleitet werden müssen,
nicht in Frage gestellt. Aber auch der Priester, der eine
Pfarrgemeinde leitet, "soll nicht allein sein", auf jeden Fall stehe
ihm der Pfarrgemeinderat zur Seite. Es gebe aber auch "besondere
Formen" der Leitung von Pfarrgemeinden, die dem Kanon 517, Absatz 2
des Kirchenrechts (CIC) entsprechen: Demnach kann der Bischof einen
Diakon "oder eine andere Person, die nicht die Priesterweihe
empfangen hat, oder eine Gemeinschaft von Personen" an der
Wahrnehmung der Seelsorgsaufgaben einer Pfarre beteiligen, wenn er
einen Priester bestimmt, der die Seelsorge letztverantwortlich
leitet, aber nicht im Ort wohnen muss.

Insgesamt lud Kardinal Schönborn dazu ein, bei aller Notwendigkeit
des Planens immer daran zu denken, dass "nicht alles von unseren
Plänen abhängt". In der Kirchengeschichte zeige sich immer wieder,
dass Gott Situationen grundlegend verwandle, ohne "sich an
Pastoralpläne" zu halten. (forts)

Rückfragehinweis:

Erzdiözese Wien, Öffentlichkeitsarbeit & Kommunikation
   Erich Leitenberger
   1010 Wien, Stephansplatz 4/7/1
   Tel: 01/51552-3591
   E-Mail: [email protected]
   http://presse.stephanscom.at

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