- 15.10.2010, 14:59:14
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Pirklhuber: Internationale Gemeinschaft hat bei Bekämpfung des weltweiten Hungers versagt
Agrosprit, Spekulationen mit Grundnahrungsmitteln und Landraub gefährden Ernährungssicherheit
Wien (OTS) - "Mehr als eine Milliarde Menschen hungern. Von den
Millenniumszielen, die Zahl der Hungernden bis 2015 zu halbieren,
sind wir weiter denn je entfernt. Die internationale Gemeinschaft hat
bisher bei der Bekämpfung des weltweiten Hungers völlig versagt",
kritisiert der Landwirtschaftssprecher der Grünen, Wolfgang
Pirklhuber, anlässlich des morgigen Welternährungstages. Zu den
vielfältigen Ursachen für Hunger, wie strukturelle Armut, fehlender
Zugang zu Land oder Kriege kommen noch neue, höchst bedenkliche
Entwicklungen dazu: Der forcierte Einsatz von Agro-Treibstoffen,
"Land-Raub" durch Investoren und Börsenspekulationen mit
Agrarrohstoffen.
"Die Beimischungszwänge von Agrartreibstoffen verschärfen die
Nahrungsmittelkrise noch. Weder die EU noch Österreich verfügen über
die notwendigen Flächen zur Produktion der Agrarrohstoffe, um die
Beimischungsziele (10% bis 2020) zu erreichen, sondern man ist
weitgehend auf Importe angewiesen. Für die Substitution von zehn
Prozent Agrartreibstoffen in europäischen Tanks werden daher in
anderen Ländern noch mehr Wälder vernichtet, geht noch mehr
Ackerfläche für die Nahrungsmittelerzeugung verloren, werden noch
mehr Menschen in Hunger und Elend gedrängt. Wir fordern daher
dringende Korrekturen in der Pflanzentreibstoff-Politik der EU", so
Pirklhuber. "Auch die an den Rohstoffbörsen betriebenen Spekulationen
mit Agrarrohstoffen, die die Preise für Grundnahrungsmittel in die
Höhe treiben, müssen sofort abgestellt werden. Denn was für
Spekulanten ein lukratives Geschäft ist, treibt die Ärmsten in die
Hungersnot. Eine weltweit gültige Regulierung des
Agrar-Rohstoffhandels ist daher ein Gebot der Stunde".
Eine weitere höchst bedenkliche Entwicklung ist eine neue Art der
Landnahme, die als "Land Grabbing" oder "Landraub" bezeichnet wird.
Dabei sichern sich Länder wie Saudi Arabien, Korea oder China riesige
Flächen im Ausland, um sie für die heimische Nahrungsmittel- oder
Agrartreibstoffproduktion zu nutzen. Auch private Investoren
entdecken Land zunehmend als eine gewinnbringende Anlage. Die Kauf-
oder langjährigen Leasing-Verträge werden meist ohne Rücksicht auf
die dort lebende Bevölkerung abgeschlossen. Menschen, die ohnehin
meist zu den Ärmsten der Welt gehören, werden oftmals
entschädigungslos vertrieben und in ihren Rechten grob verletzt.
Allein in Afrika, so schätzt die FAO, wurden in den letzten drei
Jahren 20 Millionen Hektar Land durch ausländische Investoren
akquiriert. In einem Entschließungsantrag fordern die Grünen die
österreichische Bundesregierung auf, in ihrem Einflussbereich auf
nationaler und internationaler Ebene den neuen Formen der Landnahme
("Land Grabbing") aktiv und konsequent entgegen zu treten.
Rückfragehinweis:
Die Grünen
Tel.: +43-1 40110-6697
mailto:[email protected]
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