- 15.10.2010, 09:05:07
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Ärztliche Nahversorgung vor dem Aus?
Wenn keine rasche Einsicht der Politik kommt, muss das zumindest für Niederösterreich befürchtet werden
Wien (OTS) - In Niederösterreich werden 55 Prozent aller
Hausärztinnen und Hausärzte im Laufe der kommenden zehn Jahre in
Pension gehen. Dadurch wird es demnächst zu einem gewaltigen
Generationenwechsel im Bereich der Allgemeinmedizin kommen. Doch
woher sollen die Nachfolger von Kassenstellen kommen? "Die zunehmende
Unattraktivität als niedergelassener Allgemeinmediziner mit
Kassenvertrag zu arbeiten, könnte rasch dazu führen, dass sich
Stellen nicht mehr besetzen lassen. Die Problematik der ärztlichen
Hausapotheken wird diesen Umstand sicherlich noch verschärfen", so
Dr. Christoph Reisner, Präsident der NÖ Ärztekammer.
Die Zukunft der ärztlichen Nahversorgung unter diesem Aspekt war
Gegenstand einer Diskussionsrunde in Rabenstein an der Pielach,
veranstaltet durch NÖ Ärztekammer in Kooperation mit dem Forum Land
(einer Initiative des NÖ Bauernbundes) sowie der Marktgemeinde
Rabenstein selbst. "Rabenstein ist eine der zahlreichen Gemeinden,
die aufgrund der bestehenden Gesetzgebung bei Übergabe der
Kassenplanstelle an einen Nachfolger die ärztliche Hausapotheke
verlieren wird. Mit allen negativen Konsequenzen für die
Bevölkerung", so Präsident Dr. Reisner.
Zwitl.: Politik schiebt Verantwortung gerne auf andere ab
250 Bürgerinnen und Bürger sind der Einladung gefolgt, sich die
Situation vor Ort und die Konsequenzen für die ärztliche
Nahversorgung darstellen zu lassen. Auch zahlreiche Bürgermeister von
anderen betroffenen Gemeinden waren anwesend. "Von den in
Niederösterreich etwa 100 Standorten mit mittelfristig gefährdeten
ärztlichen Apotheken ist bei etwa 60 Stück realistisch damit zu
rechnen, dass durch den Wegfall dieser Hausapotheken mit allen
Konsequenzen auch keinerlei wirtschaftliches Interesse mehr für einen
potenziellen Übernehmer an der Planstelle vorhanden ist", so Dr.
Wolfgang Geppert, Medikamentenreferent der NÖ Ärztekammer. "Diese
Stellen lassen sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr
besetzen", so Dr. Geppert.
Er beklagte sich vehement über die Einstellung vieler politischer
Mandatare, welche - wie in zahlreichen Bereichen - die Verantwortung
gerne auf andere schieben: "Wir brauchen unsere Standpunkte und
Lösungsvorschläge nicht zu verstecken. Die übliche Ausrede,
Apothekengesetzgebung sei Bundessache, kann ich schon nicht mehr
hören. Auch die Landespolitik muss in dieser Angelegenheit in die
Pflicht genommen werden. Zusätzlich ist über die betroffene
Bevölkerung der notwendige Druck aufzubauen. Die Frequenzen der
Spitalsambulanzen explodieren, nicht weil wir Ärztinnen und Ärzte in
der Niederlassung zu faul sind, sondern weil wir Landärzte über
Jahrzehnte zu Einzelkämpfern verdammt worden sind, während in
Spitalsambulanzen Teamarbeit seit jeher Gang und Gebe ist. Unabhängig
davon werden Kassenordinationen von der Gesundheitsbürokratie derzeit
nahezu erdrückt", machte Dr. Geppert seinem Unmut Luft.
Zwitl.: Derzeitige Gesetzgebung wird ein Aussterben der ländlichen
Regionen zur Folge haben
"Wenn wir die wohnortnahe medizinische Versorgung mittelfristig
sichern wollen, brauchen wir vor allem Anreize für junge Ärztinnen
und Ärzte, sich noch auf dem Land niederzulassen. Dies beginnt bei
der Überarbeitung der Apothekengesetzgebung und der Förderung der
Lehrpraxen. Woran die Politik jedoch dringend arbeiten muss, ist die
Attraktivität der Ausübung des ärztlichen Berufs. Studienplätze im
Fach Medizin sind sehr begehrt, aber Kassenverträge könnten sehr
rasch nicht mehr begehrt sein", so Dr. Geppert.
Präsident Dr. Reisner brachte abschließend die Konsequenzen für
die betroffenen Orte und deren Bürgerinnen und Bürger auf den Punkt,
wenn eine Hausapotheke in einem Ort wie Rabenstein geschlossen werden
muss und sich zusätzlich die ärztliche Stelle nicht mehr besetzen
lässt: "Ein Verlust der ärztlichen Nahversorgung würde die Menschen
am härtesten treffen, welche die Versorgung am notwendigsten
brauchen. Nämlich junge Familien mit kleinen Kindern, sowie alte und
schwer kranke Menschen. Wo sich aufgrund der Rahmenbedingungen keine
Ärztinnen und Ärzte mehr niederlassen können, wird die Landflucht der
jungen Menschen weiter beschleunigt und die Versorgung der alten und
kranken Menschen erschwert. Dies wird am Ende ein Aussterben der
ländlichen Regionen zur Folge haben."
Rückfragehinweis:
Pressestelle der Ärztekammer für Niederösterreich
Michael Dihlmann
Tel.: 0664/144 98 94
mailto:[email protected]
www.arztnoe.at
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