- 14.10.2010, 12:58:53
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"profil-online": Ehemaliger OGH-Präsident erhebt schwere Vorwürfe gegen die Staatsanwaltschaft im Ermittlungsfall Kampusch
Justiz soll Hinweise auf Mittäter ignoriert haben - Befangenheit im Verfahren gegen Ludwig Adamovich
Wien (OTS) - Wie "profil-online" exklusiv berichtet, erhebt Josef
Rzeszut, ehemaliger Präsident des Obersten Gerichtshofes und später
Mitglied der 2008 installierten Evaluierungskommission zum Fall
Kampusch, schwere Vorwürfe gegen das Justizministerium und die Wiener
Staatsanwaltschaft. Die Staatsanwaltschaft habe nach dem Auftauchen
von Natascha Kampusch 2008 klare Hinweise auf einen Mittäter von
Entführer Wolfgang Priklopil ignoriert, Widersprüche nicht aufgeklärt
und wäre lediglich an einer schnellen Einstellung des Falles
interessiert gewesen. Wörtlich schreibt Rzeszut von einer
"unverständlich beharrlichen Resistenz der staatsanwaltschaftlichen
Ermittlungsleitung" und einer "konsequent ... fortgesetzten
Vernachlässigung entscheidender polizeilicher Ermittlungsergebnisse".
Gleichzeitig ortet Rzeszut Befangenheit im Zusammenhang mit dem
von Kampuschs Mutter angestrengten Verfahren wegen übler Nachrede
gegen Ludwig Adamovich. Der ehemalige Präsident des
Verfassungsgerichtshofes ist dafür am 24. Dezember 2009 in erster
Instanz schuldig gesprochen worden, das Urteil ist nicht
rechtskräftig. Die damalige Richterin Birgit Schneider, die das
Verfahren gegen Adamovich geleitet hatte, ist die Tochter des
ehemaligen Leiters der Wiener Staatsanwaltschaft, Otto Schneider.
Dieser hatte, wie Rzeszut schreibt, neben Oberstaatsanwalt Werner
Pleischl, "führende Mitverantwortung im Ermittlungsverfahren zum Fall
Kampusch". Die Richterin wäre im Interesse der Objektivität
"verpflichtet gewesen", eine Befangenheitserklärung abzugeben.
Details auf www.profil.at.
Rückfragehinweis:
"profil"-Redaktion, Tel.: (01) 534 70 DW 3501 und 3502
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