OTS0171   14. Okt. 2010, 12:52

Zinggl: "Tibetische Zustände im Völkerkundemuseum"

Grüne: Ein Direktor muss gehen, weil er die Interessen seines Hauses vertritt


"Ein vergleichsweise kleines Museum kämpft um seine Unabhängigkeit und wird von seinem übermächtigen Nachbarn einfach überrollt, und der Direktor muss gehen: Man fühlt sich angesichts der Vorgänge zwischen Völkerkunde- und Kunsthistorischem Museum unweigerlich an das Verhältnis zwischen Tibet und China erinnert", erklärt der Kultursprecher der Grünen Wolfgang Zinggl. "Kulturministerin Claudia Schmied und KHM-Direktorin Sabine Haag haben offensichtlich in einer Nacht-und-Nebel-Aktion den Direktor des Völkerkundemuseums Christian Feest unverblümt zum Rücktritt gedrängt, nachdem dieser in einem offenen Brief massive Sorgen um die Zukunft seines Hauses geäußert hatte. Zugleich wurde über die MitarbeiterInnen des KHM-Komplexes ein kollektiver Maulkorb verhängt", wundert sich Zinggl. "Die Ministerin hat zwar bereits am Dienstag im parlamentarischen Kulturausschuss ihren Unmut über Feests offenen Brief geäußert und von 'Konsequenzen' gesprochen, die dieses Verhalten nach sich ziehen könnte - aber dass die Abberufung des VKM-Direktors erfolgt, ist eigentlich kaum zu fassen."

Christian Feest habe nichts weiter getan, als die legitimen Interessen seines Hauses vertreten, nachdem zu Wochenbeginn die Verhandlungen zur Ausgliederung des VKM aus dem KHM-Verbund und zur Fusion mit dem Museum für Volkskunde gescheitert waren. "Der eigentliche Skandal ist das Verhalten von Claudia Schmied. Christian Feest warnt in einem öffentlichen Hilferuf vor der Zerstörung seines Hauses und wird nun gefeuert. Die Ministerin setzt in gnadenlosem Gleichschritt mit Sabine Haag den unheilvollen Gehrer-Seipel-Kurs fort, der seit 2001 das VKM in den Abgrund gedrängt hat. Vor allem aber setzt sich Claudia Schmied mit atemberaubender Chuzpe über eine Entschließung des Gesetzgebers hinweg." Denn in der Nationalratssitzung vom 7. Juli dieses Jahres war die Ministerin von SPÖ, ÖVP und Grünen aufgefordert worden, "alle Vorkehrungen zu prüfen, die eine Zusammenführung des Museums für Völkerkunde und des Österreichischen Volkskundemuseums zum Museum NEU als eigenständige Einrichtung ermöglichen". Dazu Zinggl: "Claudia Schmied sollte eigentlich wissen, dass sie nicht das Gesetz ist, sondern Beschlüsse des Gesetzgebers auszuführen hat."

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OTS0171 2010-10-14 12:52 141252 Okt 10 FMB0006 0328



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