• 14.10.2010, 10:53:19
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NEWS: Opfer von Frauenhandel soll abgeschoben werden

Nigerianerin zeigte Menschenhändler an und steht unter Morddrohung, Ermittlungen wurden abgebrochen

Wien (OTS) - Vor dem EU-Tag gegen Menschenhandel deckt das
Nachrichtenmagazin NEWS einen aktuellen Fall von Frauenhandel in
Österreich auf, in dem nach einer Anzeige des Opfers die Ermittlungen
gegen die Täter ohne Einvernahme der Zeugen abgebrochen wurden. Die
22-jährige Nigerianerin wurde mit falschen Papieren 2008 von Nigeria
nach Österreich geschleppt, wo sie ein Menschenhandels-Ring zur
Prostitution zwingen wollte. Die junge Frau weigerte sich und zeigte
die Täter an, nachdem die Menschenhändler sie wiederholt bedroht und
im September 2009 körperlich attackiert hatten. Seither steht sie
unter Morddrohung, ihre Familie in Nigeria wurde bereits Opfer von
tätlichen Angriffen und einer Entführung.

Die Polizei musste die Ermittlungen allerdings abbrechen, weil die
Staatsanwaltschaft das Verfahren niederlegte. Ein
Wiederaufnahme-Antrag wurde im April eingebracht, die Entscheidung
des Landesgerichts steht aus. Die Zeugen wurden nicht einvernommen.
Die junge Frau wurde mit einem Aufenthaltsverbot belegt und steht vor
der Abschiebung nach Nigeria.

"Ich habe den Fall überprüft und glaube die Geschichte auf Punkt
und Beistrich", sagt Joana Reiterer vom Verein Exit, der auf die
Betreuung von Frauenhandels-Opfern aus Nigeria spezialisiert ist, in
News. "Es heißt immer, dass die Justiz nicht an die Täter herankommt,
weil Opfer von Menschenhandel zu große Angst haben, auszusagen. Hier
bringt sich nun ein Opfer in Lebensgefahr und nennt alle Namen - und
niemand ermittelt weiter. Das ist ein Skandal. Ihr droht bei einer
Abschiebung nach Nigeria der Tod", so Reiterer. "Drohende Abschiebung
statt Ermittlung ist ein schlechtes Signal an Opfer, die zur Aussage
bereit sind und spielt Menschenhändlern in die Hände."

Major Gerald Tatzgern, Leiter des Büros für Menschenhandel und
Schlepperwesen im Bundeskriminalamt, erklärt in News: "Einzelfälle
kann ich nicht kommentieren. Grundsätzlich gilt: Wenn die
Staatsanwaltschaft das Verfahren einstellt, dürfen wir nicht
weiterermitteln. Da sind uns die Hände gebunden." Die
Staatsanwaltschaft kommentiert den Fall wegen des laufenden
Wiederaufnahme-Verfahrens nicht. Die Frau soll während dieses
Verfahrens abgeschoben werden.

Rückfragehinweis:
Sekretariat NEWS
Chefredaktion
Tel.: (01) 213 12 DW 1103

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