• 11.10.2010, 18:21:02
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Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "G'schichten aus Wien"

Ausgabe vom 12. Oktober 2010

Wien (OTS) - Eine Koalition mit der Volkspartei wäre billiger für
die Wiener SP als eine mit den Grünen. Wenn dies das einzige Argument
dafür bleibt, dann kann HC Strache ab morgen zweieinhalb Jahre auf
bezahlten Urlaub gehen, um 2013 eine Ernte einzufahren, die andere
für ihn in der Zwischenzeit säen.

Die Verbindungen zwischen der (schwarzen) Wirtschaft und dem (roten)
Rathaus sind traditionell gut und eng. Sie werden am Ende den
Ausschlag geben, dass auch in Wien diese beiden Parteien
zusammenkommen. Der endgültige Wahlausgang, der erst mit den
ausgezählten Wahlkarten irgendwann morgen Abend feststehen wird,
könnte noch das eine oder andere Mandat wandern lassen. Es wird wohl
eine überschaubare Wanderung weg von den Freiheitlichen sein. Auch
das begünstigt eine SP/VP-Koalition in Wien.

Viele junge Wähler werden dann ziemlich angefressen sein. Sie sind
experimentierfreudiger und wollen Neues aus der Stadt und der Politik
hören. Rot-Grün wäre etwas Neues.

Da Revolutionen in Wien aber nicht stattfinden, sondern hier
Revolutionäre (wie Lenin und Herzl) nur im Kaffeehaus zu finden sind,
dürfte es wohl die rot-schwarze Sicherheitsvariante werden.

Auf die beiden Stadtparteien kommt aber dann einiges zu. Beide müssen
nämlich ihre jeweilige Partei-Organisation neu aufstellen sowie einen
Teil der Köpfe austauschen. Eine Mammutaufgabe, vor allem für die
Volkspartei.

Die SP wird sich- angesichts des Wahlergebnisses - die Frage stellen
müssen, ob der praktisch vollständige Rückzug der Gemeinde aus dem
Wohnbau hin zu den (teilweise eng verbundenen) gemeinnützigen
Wohnbaugenossenschaften eine gute Idee war. Die Volkspartei wird
daraufhin "Verstaatlichung" schreien. Sie wird mit der Auslagerung
kommunaler Abteilungen wie der Stadtgärtner kommen, die SP wird dies
als "neoliberalen Angriff" brandmarken.

Das Publikum kennt dies alles längst aus der Bundesregierung und wird
sich gähnend anderen Beschäftigungen zuwenden. Wenn sich SP und VP in
Wien zusammenfinden, dann müsste sich dies von den bekannten
Verhaltens-Schablonen deutlich unterscheiden. Bloß: Wer von - und in
- diesen beiden Parteien wird das wollen?

Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/leitartikel

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Tel.: +43 1 206 99-474
mailto:[email protected]
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