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"OÖNachrichten"-Leitartikel: "Wer unter mir dient, bestimme ich", von Gerald Mandlbauer
OÖNachrichten vom 6. Oktober 2010
Linz (OTS) - Für die Abschaffung der Wehrpflicht und die Bildung
eines Berufsheeres lassen sich eine Menge guter Argumente finden.
Allen voran steht die Tatsache, dass die Welt heute eine andere ist
als bei Gründung der Bürgerarmee. Russische Panzer liegen nicht in
Tagesreichweite vor unserer Grenze. Kein Staat macht Anstalten, das
Liebkind Neutralität zu vergewaltigen.
An die Stelle eines simplen Freund-Feind-Schemas ist eine
komplizierte geopolitische Lage getreten. Armeen werden heute in
viele kleine, lokal begrenzte Sonderaufträge geschickt.
Hochspezialisierte Kräfte treten an die Stelle eines "Bürgers im
Waffenrock", dem sich die notwendigen technischen Fertigkeiten in
einem Grundwehrdienst gar nicht mehr vermitteln ließen. Trotzdem
hatte Österreich nicht den Realitätssinn gehabt, dieses veränderte
Rollenbild zu erkennen. Bis gestern. Die Wiener Wahl macht dieser
Verleugnung der Wirklichkeit ein Ende.
Alle, vom Verteidigungsminister bis zum Kanzler aufwärts, mussten
sich gestern pflichtschuldigst beeilen, den neuen, von Michael Häupl
ausgegebenen Kurs zu verlautbaren. Er will eine Volksabstimmung über
die Wehrpflicht, sein Zeitungs-Zentralorgan, das er mit unserem
Steuergeld bei Laune hält, durfte es exklusiv melden (der ORF
übernahm pflichtgemäß zitierend volley, wer Inszenierung vermutet,
ist ein Schelm). Der Rest der Republik sitzt auf Beobachtungsposten
und stellt sich einige Fragen: Können sich Kanzler und
Verteidigungsminister als reine Meldegänger des Wiener Bürgermeisters
überhaupt noch in den Spiegel schauen?
Wieweit ist es mit dem Aufbau der staatlichen Ordnung vereinbar, dass
zwar Michael Häupl sich einen Kanzler und eine Partei hält,
Rest-Österreich aber am Sonntag den Wiener Bürgermeister gar nicht
wählen darf, damit ausgeschlossen bleibt?
Und wer löst diese Gleichung Wien = Republik, Bürgermeister größer
Kanzler für uns Nicht-Wiener endlich schlüssig auf? Die "Krone" wird
es nicht tun.
Rückfragehinweis:
Oberösterreichische Nachrichten
Chef vom Dienst
Tel.: +43-732-7805-401, 434 od. 422
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