- 29.09.2010, 14:47:38
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Kapellari: Faires Miteinander von Christen und Muslimen nötig
Muslime so integrieren, dass Parallelgesellschaften nicht weiter anwachsen
Klagenfurt, 29.09.10 (KAP) Zu einem fairen Miteinander von Christen
und Muslimen in Europa hat der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari
aufgerufen. Die wachsende Präsenz des Islam in Europa erwecke
"inmitten einer schrumpfenden und überalterten angestammten
Bevölkerung rational begründete Sorgen, aber auch irrationale
Ängste", stellte Kapellari bei einem Vortrag am Dienstagabend auf
Einladung des Europahauses Klagenfurt an der Universität Klagenfurt
fest. Diese Sorgen und Ängste seien durch lange Zeit von manchen
europäischen Eliten in Politik und Medien ignoriert und als
"political non correct" eingestuft worden. "Eine solche Verdrängung
löst aber keine Probleme, sondern vermehrt sie und liefert Wasser
auf die Mühlen von Populisten, die sich schrecklicher
Vereinfachungen bedienen", so der Bischof.
Abseits "eines solchen Populismus einerseits und eines naiven
Optimismus andererseits" müsse aber ein Weg gesucht werden, "Muslime
so zu integrieren, dass muslimische Parallelgesellschaften nicht
weiter anwachsen können". Diesbezüglich sei in Jahrzehnten viel
versäumt worden, und ungelöste Probleme kehrten auch in diesem
Bereich der Gesellschaft verstärkt zurück. Es gebe in Europa keine
Alternative zu einem Zusammenleben mit Muslimen, und "wir sollten
das Unsere tun, um daraus nicht bloß ein Nebeneinander oder gar ein
Gegeneinander, sondern ein Miteinander werden zu lassen", hob der
Bischof hervor.
Die christlichen Kirchen und zumal auch die katholische Kirche "tun
in Europa auf vielen Ebenen viel, um ein friedliches Zusammenleben
mit anderen Religionen und besonders auch mit dem Islam zu fördern",
hielt Kapellari fest. Sie könnten daher glaubwürdig "ohne falsche
Tabus mit islamischen Verbänden in Europa auch darüber reden, ob
diese nicht gegen grobe Menschenrechtsverletzungen und
-beschränkungen z. B. der Religionsfreiheit in ihren
Herkunftsländern öfter und deutlich ihre Stimme erheben sollten, um
Misstrauen bei der hiesigen angestammten Bevölkerung abzubauen".
Die Frage einer solchen Reziprozität sei bisher von den europäischen
Eliten immer wieder tabuisiert worden. "Ein solches Tabu ist aber
meines Erachtens rational nicht überzeugend begründbar", unterstrich
Kapellari, der in seiner Zeit als Grazer Hochschulseelsorger und
Leiter des Afro-Asiatischen-Instituts (und Hochschulseelsorger)
zahlreiche Kontakte zu Muslimen besonders aus dem Iran, aus
arabischen Ländern und aus der Türkei pflegte und auch heute noch
pflegt. "Mein kritischer Blick auf den Islam ist daher differenziert
und sollte einer oberflächlichen Kritik standhalten können", so der
Bischof. Seine Argumentation im Blick auf den Islam müsse als ganzes
gesehen werden, sie lasse keine Einseitigkeiten und Vereinfachungen
zu.
Herausforderung für Christen
Die Herausforderung durch den Islam stelle aber auch den Christen
hier in Europa besonders die Frage, wie stark ihr eigener Glaube ist
und warum so viele Getaufte dieses Glaubens offenbar müde geworden
sind. "Die Provokation durch diese Frage könnte sehr fruchtbar
werden", sagte der Bischof in seinem Vortrag zum Thema "Hat Europa
noch christliche Werte?".
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