- 28.09.2010, 10:46:32
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Nahost-Synode: Neue Hoffnung für Christen im Orient
Jesuit und Islamwissenschaftler P. Samir erläutert im "Kathpress"-Gespräch Gründe für Massenexodus der Christen aus Nahost
Wien, 28.09.10 (KAP) Einen neuen Aufbruch für das Christentum im
Nahen Osten erhofft sich der aus Kairo stammende und in Rom und
Beirut lehrende Jesuit und Islamwissenschaftler P. Samir Khalil
Samir von der anstehenden Nahost-Synode in Rom. Auf Einladung von
Papst Benedikt XVI. werden vom 10. bis 24. Oktober Delegierte der
sieben katholischen Kirchen des Orients zusammenkommen. Zusätzlich
werden auch Beobachter der nicht-katholischen Kirchen des Nahen
Ostens sowie auch einige Vertreter von Islam und Judentum an den
Beratungen teilnehmen. Insgesamt werde die Synode rund 230
Delegierte umfassen, so P. Samir, der federführend an der
inhaltlichen Vorbereitung der Synode beteiligt war.
P. Samir war Hauptreferent und Ehrengast der Jahrestagung der
"Initiative Christlicher Orient" (ICO) am Montag und Dienstag in
Salzburg. Im Gespräch mit "Kathpress" wies er auf die dramatische
Situation für die Christen im Nahen Osten hin, für die es um "Sein
oder Nicht-Sein" gehe. Der Exodus der Christen aus dem Nahen Osten
müsse endlich gestoppt werden, sonst sei das Christentum in 50
Jahren so gut wie ganz verschwunden, schlug P. Samir Alarm. Dazu
brauche es aber endlich Frieden. Dabei sei klar, dass es ohne eine
Lösung des Konflikts zwischen Israel und Palästina in der gesamten
Region des Nahen Ostens keinen Frieden geben werde. P. Samir: "Alle
zusammen, Christen, Muslime und Juden, müssen wir am Frieden bauen,
denn der Friede ist die Grundvoraussetzung für jede Entwicklung."
Der Jesuit kritisierte weiters, dass es - mit bedingter Ausnahme im
Libanon - keine wirklich demokratischen politischen Systeme und auch
keine Religionsfreiheit in der Region gebe: "Dass ich meine Religion
frei wählen und auch ändern kann, ist ein grundlegendes
Menschenrecht, das in islamischen Ländern aber nicht gegeben ist."
Zudem sei seit Mitte der 1970er Jahre eine deutliche Radikalisierung
des Islam zu beobachten. Die Folge: Christen seien vielfältigen
Diskriminierungen und auch Verfolgungen ausgesetzt. Vor allem die
Jugend habe keinerlei Perspektiven im eigenen Land. Da die Christen
in der Regel ein höheres Bildungsniveau als die Muslime hätten und
vielfach auch Verwandte im Westen, sei die Auswanderung ein
logischer Schritt.
Die Situation sei dramatisch, die Lösungsmöglichkeiten begrenzt, so
Samir: "Wir können uns in ein christliches Ghetto zurückziehen. Dann
werden wir sterben, wenn auch langsam; oder wir wandern aus in den
Westen - oder aber: Wir bleiben und versuchen dieses Bleiben als
Mission, als Dienst an den anderen zu begreifen."
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