• 23.09.2010, 11:37:12
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Respekt.net: Neue Online-Börse für gesellschaftspolitisches Engagement - BILD

Gründungsinvestorin und Vorstandsmitglied von Respekt.net Maria Baumgartner und Martin Winkler, Gründungsinvestor und Präsident von Respekt.net.

Wien (OTS) - Wenn die Politik sich um ein brennendes Thema nicht
kümmert, dann schreiten Bürgerinnen und Bürger oft selbst zur Tat: In
Bürgerinitiativen und anderen Projekten. Damit solche Initiativen
leichter zu Geld kommen, wurde von Privatleuten die Online-Börse
Respekt.net gegründet. Auf ihr können engagierte Österreicher in
genau jene Projekte investieren, die ihre Anliegen vertreten. Bis
Ende 2011 sollen 200 Projekte mit einer halben Million Euro
finanziert werden.

Die Österreicherinnen und Österreicher gelten als
politikverdrossen - gerade in Wahlzeiten ein häufig verwendetes
Argument. Eine repräsentative Studie des Instituts meinungsraum.at
unter 1.000 Österreichern zeigt jedoch, dass die Verdrossenheit
vorwiegend die Parteien betrifft: Nur jeder Zehnte kann sich die
Mitarbeit bei einer Partei oder einer parteinahen Organisation
vorstellen.

Die Bereitschaft zum Engagement in privaten Initiativen ist
hingegen hoch: Mitarbeit in einer Bürgerinitiative ist für ein
Drittel der Bevölkerung vorstellbar, gesellschaftspolitisches
Engagement in Vereinen sogar für jeden Zweiten. Immerhin können sich
15 Prozent der Bevölkerung die Gründung eigener Initiativen
vorstellen.

Was solchen Initiativen hauptsächlich fehlt, ist Geld, denn
öffentliche Förderungen werden meistens von den etablierten
Strukturen abgeschöpft. Um diesen Bedarf abzudecken, hat eine Gruppe
von Privatleuten eine Online-Projektbörse eingerichtet, auf der
jedermann und jede Frau gesellschaftspolitische Projekte finanzieren
kann. "Die Web-Plattform Respekt.net ist ein Marktplatz, auf dem
Engagement und Geld zusammen gebracht werden", so der Gründer von
Respekt.net, Martin Winkler.

Das Potenzial für Geldgeber scheint hoch zu sein: Laut der
meinungsraum-Studie wollen zwei von drei Österreichern private
Politik-Initiativen mit Geld unterstützen, wenn diese das gewünschte
Ziel verfolgen.

Dass sich mit 86 Prozent die meisten Österreicher mehr
zivilgesellschaftliches Engagement wünschen, liegt an der Kluft
zwischen den Themen der Tagespolitik und den Anliegen der
Bevölkerung: 98 Prozent meinen, dass wichtige Probleme von der
Politik einfach ignoriert werden, die Hälfte stimmt dieser Aussage
sogar "vollkommen" zu. Für Winkler ein deutliches Signal: "Der Mangel
in der Politik bringt viele Möglichkeiten für die Zivilgesellschaft.
Heute muss jeder selbst dafür sorgen, dass sein Anliegen gehört wird.
Mit Wählen alleine erreicht man das nicht mehr."

Bei den Themen gibt es klare Spitzenreiter: Von allen
Fehlentwicklungen in der österreichischen Gesellschaft werden
besonders die steigende Armut (36 Prozent), steigende
Gewaltbereitschaft (34 Prozent) und die Korruption (25 Prozent)
bedauert.

Zu diesen und anderen Themen kann jede Studentengruppe, jede
Bürgerinitiative und jede Privatperson auf Respekt.net ein Projekt
einreichen. Finanziert werden nur jene Projekte, die ausreichend
zahlungswillige "Investoren" finden. Winkler: "Bei Respekt.net
regiert das Prinzip von Angebot und Nachfrage. Jeder kann ein Projekt
einreichen, jeder kann mitfinanzieren. Zusätzlich zum Geld stellen
wir den Initiativen auch Know-how für die Projekteinreichung zur
Verfügung."

In dreimonatiger Testphase bereits zwölf Projekte finanziert

In einer dreimonatigen Testphase wurden erste Projekte eingereicht
und von spendenwilligen Privatpersonen finanziert. Derzeit sind auf
Respekt.net 40 Projekte vertreten, 32 davon zur Finanzierung
freigegeben. Zwölf Projekte wurden schon ausfinanziert, ihre
Umsetzung hat begonnen. In der Testphase wurden von neunzig
Geldgebern mehr als 44.000 Euro "investiert". Insgesamt suchen die
eingereichten Projekte rd. 130.000 Euro.

Das Spektrum der Projekte ist groß, auch aus politischer Sicht:
Von Initiativen für Demokratieförderung und Zivilcourage,
Unterstützung von Scheidungskindern, Integrationsprojekte,
Initiativen für mehr Gleichberechtigung bis zur Simulation einer
UNO-Konferenz an Österreichs Schulen reicht das Angebot.

Eines der finanzierten Projekte nennt sich "Get Active" und ist
ein Jugendforum. Der 28-jährige Josef Kreitmayer hat auf Respekt.net
eine sechstägige Veranstaltung mit Jugendlichen eingereicht: "Uns
haben rund zweitausend Euro gefehlt, um starten zu können", so
Kreitmayer, "zehn Privatpersonen hat unser Projekt gefallen und sie
haben das fehlende Geld zur Verfügung gestellt. Respekt.net ist für
Menschen wie uns, die mit Eigeninitiative etwas auf die Beine stellen
wollen, ein wichtiger Kanal zur Projektfinanzierung."

"Investition" in Zivilgesellschaft via Kreditkarte und Online-Banking

Laut der Gründungsinvestorin Maria Baumgartner soll Respekt.net
nicht bei der Finanzierung von kleineren Projekten stehen bleiben.
Bis Ende 2011 sollen 200 Projekte mit einer halben Million Euro
finanziert werden. 2012 will man eine Million Euro erreichen.

Das nötige Geld dafür soll nicht nur von wohlhabenden
Einzelpersonen kommen, sondern auch von Kleinspendern. "Wir gehen
davon aus, dass in den kommenden Monaten mehrere tausend Personen
sich auf Respekt.net registrieren und mindestens in ein Projekt
investieren werden", so Baumgartner zu den Entwicklungszielen. Um den
Usern das Spenden leicht zu machen, kann Geld an Projekte mit jedem
üblichen Zahlungssystem überwiesen werden: Via Kreditkarte,
Online-Überweisung und PayPal. Respekt.net übernimmt das Controlling
und überprüft stichprobenartig die zweckmäßige Verwendung der Mittel.

"Versteuertes Geld" als Voraussetzung

Bisher sind 41 Privatpersonen in den Kreis der Gründer
eingetreten. Sie haben den Verein Respekt.net gegründet und 350.000
Euro für den Aufbau und den Betrieb der Online-Projektbörse
gespendet. "Die Gründer stellen ausschließlich ihr versteuertes Geld
zur Verfügung", so Winkler. Sie zahlen zwischen 3.000 und 18.000 Euro
über einen Zeitraum von drei Jahren. Da der Aufbau und Betrieb von
Respekt.net bis 2012 rund 500.000 Euro kostet, werden noch weitere
Gründungsinvestoren aufgenommen.

Winkler, Unternehmensberater von Beruf, verweist auf die
weltanschauliche Breite von Respekt.net: "Die Liste der Gründer ist
vielfältig. Unternehmer, Wissenschafter, Künstler, Ärzte und
Arbeitnehmer haben sich hier zusammengefunden, um etwas Neues zu
erschaffen. Ebenso breit ist das Spektrum der politischen Meinungen -
von konservativ bis links ist alles vorhanden." Einzig radikale
Positionen wolle man nicht im Kreis von Respekt.net aufnehmen:
"Brandstifter lehnen wir ab, egal von welcher Seite sie kommen. Wir
sind für die Brückenbauer da. Das erklärt auch unseren Namen", so
Winkler abschließend.

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM/Original Bild
Service, sowie im OTS Bildarchiv unter http://bild.ots.at

Rückfragehinweis:
Andrea Hiller
Generalsekretärin Respekt.net
0664 3841768
[email protected]
http://www.respekt.net

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