- 21.09.2010, 13:03:21
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Fischler: Mehr Öffis für ländliche Räume und leistbares "Österreichticket" statt Klima-Strafzahlungen
Taktfahrplan nach Schweizer Vorbild, auch für ländliche Gebiete, ist ein notwendiges Fundament für eine erfolgreiche Klimaschutz-Politik.
Wien (OTS) - "Wir müssen den Menschen am Lande sinnvolle
Alternativen bieten, wenn sie ihr Auto in der Garage stehen lassen
und damit mithelfen sollen, eines der dringendsten
Klimaschutz-probleme Österreichs zu lösen", betont Franz Fischler,
der Präsident des Ökosozialen Forums, anlässlich der Veranstaltung
"Nachhaltige Mobilität im ländlichen Raum" (20.9.2010, Wien). "Wir
müssen auch abseits von Ballungsräumen öffentliche Mobilität
bereitstellen. Bahn und Bus müssen je nach Siedlungsdichte auf einen
Stunden- und Halbstundentakt ausgebaut bzw. alternative Modelle wie
Rufbusse oder Sammeltaxis angeboten werden. Es muss ein
Gesamtverkehrskonzept für Österreich erarbeitet werden. Außerdem sind
leistbare Angebote, wie z. B. ein 'Österreichticket' notwendig, das
für alle öffentlichen Verkehrsmittel gültig ist. Nur dann können wir
die Bevölkerung dazu motivieren, auf die individuelle und meist
klimaschädlichere Mobilität stärker zu verzichten", sagt Fischler.
Ausbau der Bahn nach Schweizer Vorbild
Am Podium der Veranstaltung des Ökosozialen Forums zum Thema
nachhaltige Mobilität im ländlichen Raum diskutierte auch Benedikt
Weibel, der "Erfinder" des Schweizer-Bahn-Modells. In der Schweiz
wird nach erfolgreichem Ausbau der Bahn und aufgrund attraktiver
Abo-Angebote fast doppelt so viel Bahn gefahren wie in Österreich.
Mehr als die Hälfte der Bevölkerung besitzt ein Abo für den
öffentlichen Verkehr. Seit im Jahr 2000 ein dichter Fahrplan zwischen
den städtischen Zentren und gute Verbindungen in die ländlichen
Gebiete umgesetzt worden sind, haben die Fahrgastzahlen stark
zugenommen.
"In der Schweiz ist es auch gelungen, das Schienennetz weiter
auszubauen, während in Österreich massiv Regionalbahnen still gelegt
werden", kritisiert Fischler. Positive Beispiele wie die Pinzgauer
Lokalbahn in Salzburg zeigen, dass durch die Umstellung auf einen
konsumentInnenfreundlichen Taktfahrplan nach dem Eigentümerwechsel
ein Neustart mit besserer Auslastung möglich ist. "Anstatt künftig
Millionen an öffentlichen Geldern in Kyoto-Strafzahlungen zu pumpen,
könnte man dieses Geld in den sinnvollen Ausbau des Streckennetzes
investieren", so Fischler.
Keine weiteren Raumplanungssünden mehr
Weiters fordert der Präsident des Ökosozialen Forums: "Es darf
keine weiteren Sünden bei der Raumplanung mehr geben. Bevor neues
Bauland großflächig gewidmet wird, muss die Mobilitätsfrage geklärt
und eine klimafreundliche Anbindung an den öffentlichen Verkehr
garantiert sein." Die Raumplanung sei neben der Verbesserung des
öffentlichen Verkehrs in Österreich der wichtigste Knackpunkt im
Kampf gegen den Klimawandel. "Die Raumplanungssünden der vergangenen
Jahrzehnte haben es zugelassen, dass der Wohnraum gerade in
ländlichen Gebieten stark zersiedelt ist und die
Einkaufsmöglichkeiten ebenfalls an die Peripherie der Orte verlagert
wurden. Das muss sich ändern."
Klimaproblem Verkehr
Um den Klimawandel einzudämmen, hat sich die EU zum Ziel gesetzt,
ihre CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 gegenüber 2005 um 20 Prozent zu
verringern. Für Österreich ist in diesem Zeitraum eine
Emissionsminderung von 16 Prozent in den Bereichen vorgesehen, die
nicht dem EU-Emissionshandel unterliegen, im Verkehrssektor eine
Emissionsminderung von 19 Prozent. Der Verkehrssektor ist in
Österreich zuletzt wieder der Sektor mit der größten Abweichung vom
Klimaziel gewesen. Der Energieeinsatz im Verkehr ist zwischen 1990
und 2005 um über 80 Prozent gestiegen. "Die vorgegebenen Klimaziele
können nur erreicht werden, wenn es zu einer totalen Trendumkehr hin
zu mehr nachhaltiger Mobilität kommt", betont Fischler.
Rückfragehinweis:
Ökosoziales Forum, Martina Baumeister
Tel. 01/253 63 50-22 u. 0676/64480 41
baumeister@oekosozial.at, www.oekosozial.at
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