Fischler: Mehr Öffis für ländliche Räume und leistbares "Österreichticket" statt Klima-Strafzahlungen

Taktfahrplan nach Schweizer Vorbild, auch für ländliche Gebiete, ist ein notwendiges Fundament für eine erfolgreiche Klimaschutz-Politik.

Wien (OTS) - "Wir müssen den Menschen am Lande sinnvolle Alternativen bieten, wenn sie ihr Auto in der Garage stehen lassen und damit mithelfen sollen, eines der dringendsten Klimaschutz-probleme Österreichs zu lösen", betont Franz Fischler, der Präsident des Ökosozialen Forums, anlässlich der Veranstaltung "Nachhaltige Mobilität im ländlichen Raum" (20.9.2010, Wien). "Wir müssen auch abseits von Ballungsräumen öffentliche Mobilität bereitstellen. Bahn und Bus müssen je nach Siedlungsdichte auf einen Stunden- und Halbstundentakt ausgebaut bzw. alternative Modelle wie Rufbusse oder Sammeltaxis angeboten werden. Es muss ein Gesamtverkehrskonzept für Österreich erarbeitet werden. Außerdem sind leistbare Angebote, wie z. B. ein 'Österreichticket' notwendig, das für alle öffentlichen Verkehrsmittel gültig ist. Nur dann können wir die Bevölkerung dazu motivieren, auf die individuelle und meist klimaschädlichere Mobilität stärker zu verzichten", sagt Fischler.

Ausbau der Bahn nach Schweizer Vorbild

Am Podium der Veranstaltung des Ökosozialen Forums zum Thema nachhaltige Mobilität im ländlichen Raum diskutierte auch Benedikt Weibel, der "Erfinder" des Schweizer-Bahn-Modells. In der Schweiz wird nach erfolgreichem Ausbau der Bahn und aufgrund attraktiver Abo-Angebote fast doppelt so viel Bahn gefahren wie in Österreich. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung besitzt ein Abo für den öffentlichen Verkehr. Seit im Jahr 2000 ein dichter Fahrplan zwischen den städtischen Zentren und gute Verbindungen in die ländlichen Gebiete umgesetzt worden sind, haben die Fahrgastzahlen stark zugenommen.

"In der Schweiz ist es auch gelungen, das Schienennetz weiter auszubauen, während in Österreich massiv Regionalbahnen still gelegt werden", kritisiert Fischler. Positive Beispiele wie die Pinzgauer Lokalbahn in Salzburg zeigen, dass durch die Umstellung auf einen konsumentInnenfreundlichen Taktfahrplan nach dem Eigentümerwechsel ein Neustart mit besserer Auslastung möglich ist. "Anstatt künftig Millionen an öffentlichen Geldern in Kyoto-Strafzahlungen zu pumpen, könnte man dieses Geld in den sinnvollen Ausbau des Streckennetzes investieren", so Fischler.

Keine weiteren Raumplanungssünden mehr

Weiters fordert der Präsident des Ökosozialen Forums: "Es darf keine weiteren Sünden bei der Raumplanung mehr geben. Bevor neues Bauland großflächig gewidmet wird, muss die Mobilitätsfrage geklärt und eine klimafreundliche Anbindung an den öffentlichen Verkehr garantiert sein." Die Raumplanung sei neben der Verbesserung des öffentlichen Verkehrs in Österreich der wichtigste Knackpunkt im Kampf gegen den Klimawandel. "Die Raumplanungssünden der vergangenen Jahrzehnte haben es zugelassen, dass der Wohnraum gerade in ländlichen Gebieten stark zersiedelt ist und die Einkaufsmöglichkeiten ebenfalls an die Peripherie der Orte verlagert wurden. Das muss sich ändern."

Klimaproblem Verkehr

Um den Klimawandel einzudämmen, hat sich die EU zum Ziel gesetzt, ihre CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 gegenüber 2005 um 20 Prozent zu verringern. Für Österreich ist in diesem Zeitraum eine Emissionsminderung von 16 Prozent in den Bereichen vorgesehen, die nicht dem EU-Emissionshandel unterliegen, im Verkehrssektor eine Emissionsminderung von 19 Prozent. Der Verkehrssektor ist in Österreich zuletzt wieder der Sektor mit der größten Abweichung vom Klimaziel gewesen. Der Energieeinsatz im Verkehr ist zwischen 1990 und 2005 um über 80 Prozent gestiegen. "Die vorgegebenen Klimaziele können nur erreicht werden, wenn es zu einer totalen Trendumkehr hin zu mehr nachhaltiger Mobilität kommt", betont Fischler.

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