• 14.09.2010, 11:30:13
  • /
  • OTS0157 OTW0157

Falter-Vorabmeldung: 16jähriger Asylwerber nach Selbstmordversuch in Schubhaft verstorben

Beamte ignorierten Hinweise auf sexuellen Missbrauch

Wien (OTS) - Wie der Falter in seiner kommenden Ausgabe berichtet,
ist der 16-jährige Asylwerber Reza Haidari am 19. Juli 2010 an den
Folgen eines Selbstmordversuchs, den er in der Nacht von 4. auf 5.
Juni im Polizeianhaltezentrum Hernals begangen hatte, verstorben.

Zuvor hatte der Afghane bei seiner Einvernahme im Bundesasylamt
Traiskirchen am 20. Mai 2010 die Beamten zwei Mal darauf hingewiesen,
dass er in Schweden, wo er zuvor um Asyl angesucht hatte, missbraucht
worden war. Wörtlich sagte Haidari: "In Schweden wurde ich mit einem
Afrikaner in ein Zimmer getan, und ein Inder war im Parallelzimmer.
Der Inder hat mich missbraucht". Trotzdem kam der Jugendliche sofort
in Schubhaft.

Das Innenministerium teilte der Öffentlichkeit bislang nicht mit,
dass der minderjährige Asylwerber in einem Pflegeheim in
Niederösterreich seinen schweren Verletzungen erlag.

Alexandra Grabner-Fritz, Stellvertreterin an der für die Schubhaft
zuständigen Bezirkshauptmannschaft Baden, sagt, der Fall Haidari sei
ein "absoluter Standardfall" gewesen: "Es war kein Jugendlicher, und
die Schubhaftgründe lauteten Mittellosigkeit, keine Unterkunft und
ein aufrechtes Aufenthaltsverbot."

Ihre Darstellung widerspricht aber dem polizeilichen
Einvernahmeprotokoll vom 20. Mai 2010, das dem Falter vorliegt. Darin
wird Haidari als 16-Jähriger geführt. Auch in der Schubhaft im
Polizeianhaltezentrum Hernals galt er als Minderjähriger.

Rückfragehinweis:
Falter Redaktion Politik
Marc-Aurel-Strasse 9, 1010 Wien
Nina Horaczek, Tel. 01 536 60 913

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | FAT

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel