Utl.: Einigkeit bei Experten: Einstellungs- und Strukturwandel sowie
Aufklärungsarbeit als wichtigste Elemente in der nachhaltigen
Bekämpfung von Korruption =
Wien (OTS) - Anlässlich der Präsentation ihres aktuellen und vor
kurzem mit dem EMAS-Preis 2010 prämierten Nachhaltigkeitsberichtes
veranstaltete die Oesterreichische Kontrollbank Gruppe (OeKB Gruppe) am gestrigen Mittwochabend, 8. September, gemeinsam mit dem UN Global
Compact Netzwerk Österreich eine Podiumsdiskussion mit hochkarätiger
Besetzung zu systemischen und unternehmenspraktischen Fragen der
Korruptionsbekämpfung.
Als zentrale Finanzdienstleisterin wolle die OeKB zu fairem
Wettbewerb beitragen, und dieser sei nur ohne Korruption möglich, so
das Auftakt-Statement von Eveline Balogh,
Nachhaltigkeits-Verantwortliche der OeKB Gruppe. "Daher beschäftigen
wir uns schon seit Jahren in der OeKB Gruppe mit diesem Thema und
arbeiten mit dem Austrian Chapter von Transparency International
zusammen."
Roman Mesicek, Geschäftsführer der Unternehmensplattform respACT
und Mitveranstalter des Themenabends, befand einleitend die Tendenz
einer intensiveren Beschäftigung mit dem Thema Korruption als eine
positive und notwendige Ergänzung zur CSR- und
Nachhaltigkeitsdiskussion, da auch bei der Korruption die
Zivilgesellschaft immer genauer hinschaue.
Helmut Willke, Rechtswissenschaftler und Professor für Global
Governance an der Zeppelin University Friedrichshafen, hielt in
seinem Impulsreferat fest, dass sich Korruption immer auf zwei
Ebenen, jener von Personen und jener von Organisationen, abspiele.
Der Blick auf letztere sei bis dato in Anti-Korruptionsstrategien
jedoch zu kurz gekommen, so Willke: "Unternehmen und Organisationen
bestehen zwar aus Personen, aber diese handeln immer innerhalb eines
Sozialsystems von Strukturen, Prozessen und Regeln." Es müsse daher
bei systemischen Faktoren, wie Anreizprozessen oder Erfolgsregeln
angesetzt werden, um Korruption nachhaltig einzudämmen, betonte
Willke.
Walter Sölle, Cluster Compliance Officer für CEE bei der Siemens
AG, gab in seinem Referat Einblicke in die Entwicklungsgeschichte des
Siemens Compliance Prozesses, welcher nach dem Bekanntwerden der
Korruptionsaffäre 2007 konzernweit aufgesetzt wurde. Um
Verhaltensmaßregeln und ihre Einhaltung in einem Unternehmen
nachhaltig zu etablieren, mache Einzelkämpfertum keinen Sinn.
Vielmehr sei es wichtig gewesen, alle MitarbeiterInnen, inklusive des
Vorstands, kollektiv mit an Bord zu holen, so Sölle. "Training und
Ausbildung waren und sind hier ein Schlüsselelement. Ohne das bringt
ein Compliance Programm sonst gar nichts", betonte Sölle.
Auf Aufklärungsarbeit und Schulung setzt auch Eva Geiblinger,
Vorstandsvorsitzende von Transparency International Österreich. Ein
Allheilmittel gegen Korruption gäbe es zwar nicht und Überregulierung
zeige auch nicht immer den gewünschten Erfolg, so das Fazit
Geiblingers, aber "ein erfolgsversprechender Ansatz ist, ein Umdenken
in der Haltung von Menschen anzustoßen". Ohne erkennbaren
Einstellungswandel werde Korruption andernfalls weiterhin als
Kavaliersdelikt gelten, befürchtet Geiblinger.
Die aktuelle Wirtschafts- und Finanzkrise erschwere die
Korruptionsbekämpfung, so die Einschätzung von Rudolf Scholten,
Vorstandsmitglied der Oesterreichischen Kontrollbank AG. Hinzu komme,
dass Korruption oft stattfinde, wenn auf Nehmerseite strukturelle
Voraussetzungen, wie beispielsweise existentielle Armut, gegeben
seien. "Diese Motivlage muss in der Diskussion um das Wie in der
Korruptionsbekämpfung offen angesprochen werden", forderte Scholten.
Die Geberseite bei Korruptionsdelikten als wesentlicher Faktor dürfe
seiner Ansicht nach auch nicht außer Acht gelassen werden.
Walter Geyer, Leiter der Zentralen Staatsanwaltschaft zur
Verfolgung von Korruption, ortet in der Diskussion um
Korruptionsbekämpfung vor allem einen mangelnden Konsens darüber, was
Korruption überhaupt sei und wo genau sie beginne. Korruption stehe
zudem keineswegs kurz vor der Eindämmung. Ursachen hierfür lägen in
der Gier der Menschen sowie bei dem auf Gewinnmaximierung
ausgerichteten Wirtschaftssystem, so Geyer. Eingrenzung von
Korruption sei jedoch möglich. Hier setze er besonders auf
Rechtsmittel, wobei er beim österreichischen Gesetzgeber
Nachholbedarf sieht. Dieser habe mit seiner Entschärfung des
Bestechungsstrafrechts im Herbst 2009 die falschen Signale gesetzt,
kritisierte Geyer. Positiv beurteilte Geyer hingegen internationale
Entwicklungen, unter anderem beim Unternehmensstrafrecht. "Von heute
auf morgen wird dies zwar nicht viel an den Umständen ändern, aber
solche Entwicklungen tragen zur Bewusstseinsbildung in Bezug auf
Korruption bei", so Geyer abschließend.
Die OeKB Gruppe
Die Oesterreichische Kontrollbank Aktiengesellschaft ist an
Unternehmen beteiligt, die in den Bereichen Kreditversicherung,
Export- und Investitionsfinanzierung, Kapitalmarktinfrastruktur,
Energiemarkt und Spezialsoftware tätig sind. Gemeinsam bilden sie die
OeKB Gruppe.
Den aktuellen Nachhaltigkeitsbericht der OeKB Gruppe finden Sie
als PDF-Download auf der OeKB Website www.oekb.at
Nähere Informationen: http://gruppe.oekb.at
Pressefotos zur Veranstaltung finden Sie in der Pressezone der OeKB:
http://www.ots.at/redirect/oekb
Rückfragehinweis:
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091142 Sep 10
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