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DER STANDARD-Kommentar "Häupls Bumerang" von Alexandra Föderl-Schmid
Wiens Bürgermeister muss auf Debakel der Steirer-SP zwecks Mobilisierung hoffen //Ausgabe vom 9.9.2010
Wien (OTS) - Michael Häupl sollte möglichst rasch die Agentur der
Wiener ÖVP engagieren. Seit dieser Woche hängen die Plakate der SPÖ,
auf denen das Konterfei des Bürgermeisters prangt, der für "ein
lebenswertes Wien" wirbt. Sie sind schlicht und fad. Um wie viel
größer, dynamischer und deutlich verjüngt - sogar mit leichter
Sturmfrisur - kommt der bullige Bürgermeister auf Plakaten der ÖVP
daher. Sogar der Hintergrund - leuchtendes Gelb - wirkt frischer als
das Rot auf den SP-Sujets. Vom "frischen Wind", den die ÖVP
propagiert, profitiert optisch die Konkurrenz.
Die FPÖ hat inzwischen erkannt, dass man den Spitzenkandidaten einer
anderen Partei nicht groß ins Bild rücken soll. Sie hat diesmal auf
Häupl-Werbung verzichtet und sich wieder aufs Reimen verlegt. Und da
die ÖVP offenbar nicht darauf vertraut, dass der "frische Wind" bei
jungen Wählerinnen und Wählern ankommt, schickt sie "Geilmacher" in
"Geilo_mobilen" unters Wahlvolk, die "geil auf Politik" machen
sollen. Eine Partei, die es nötig hat, sich auf ein derartiges Niveau
zu begeben, läuft Gefahr, als peinlich wahrgenommen zu werden. Oder
als anbiedernd.
Aber die ÖVP hofft offenbar, in jüngeren Wählerschichten zu punkten
und aus der derzeitigen Schwäche der Grünen politisches Kapital
schlagen zu können. Doch Spitzenkandidatin Christine Marek hat im
Wahlkampf ihr bisheriges Image als Politikerin mit liberalen
Positionen durch Forderungen wie Zugangskontrollen bei der _U-Bahn
oder den Einsatz von Militärpolizisten in Wien aufs Spiel gesetzt.
Die Lähmung der Grünen ist auf hausgemachte Probleme zurückzuführen:
abgesprungene Spitzenkandidaten im Bezirk Josefstadt und die
Parteispaltung in Mariahilf. Auch wenn der Wechsel von Stefan
Schennach vor allem in der gekränkten Eitelkeit eines Politikers in
der zweiten Reihe begründet ist, so war dieser Schritt ein herber
Rückschlag nur wenige Wochen vor dem Wahltermin. Nicht zuletzt
deshalb, weil der Konvertit internes Wissen zur Konkurrenz mitnimmt.
Die personellen Querelen werden jetzt auf die Basisdemokratie
zurückgeführt. Aber der Kardinalfehler ist der grünen
Spitzenkandidatin Maria Vassilakou viel früher passiert: Sie hat die
Grünen der Wiener SPÖ als Koalitionspartner angedient. Wer in die
Regierung will, führt einen Wahlkampf, der auf den Wunschpartner
Rücksicht nimmt. Einen eindeutigen Oppositionswahlkampf führt dagegen
Heinz-Christian Strache. Aber bisher scheint der FP-Wahlkampf in Wien
nicht recht auf Touren zu kommen. Offenbar reichen in Zeiten der
Wirtschaftskrise flotte Sprüche nicht mehr.
Häupl könnte sich angesichts des Wahlkampfes der Opposition
zurücklehnen und abwarten. Versprechen wie die Nacht-U-Bahn oder der
Kampfhundeführschein werden just vor dem Wahltermin umgesetzt.
Die eigentliche Herausforderung für Häupl ist, die SP-Sympathisanten
überhaupt an die Urne zu bekommen. Das von der SPÖ vermittelte Gefühl
der Saturiertheit kann sich zum Bumerang entwickeln. Insofern muss
Häupl heimlich darauf hoffen, dass sein Parteifreund Franz Voves in
der Steiermark zwei Wochen vor dem Wiener Urnengang die Wahl
verliert. Das wäre ein Weckruf für die SP-Wähler in Wien. Die
Schwäche der Opposition verdeckt bisher auch, dass die SPÖ _in der
Bundeshauptstadt ziemlich alt daherkommt und einen Erneuerungsprozess
dringend nötig hat.
Rückfragehinweis:
Der Standard, Tel.: (01) 531 70/445
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