• 03.09.2010, 14:01:05
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Müssen AusbildungskandidatInnen die Lücke im Gesundheitssystem füllen?

Wien (OTS) - Der neue psychotherapeutische Bereitschaftsdienst,
gegründet von PsychotherapeutInnen in Ausbildung, bringt die
dahinterstehenden Probleme ans Licht. "So sehr wir das Engagement
begrüßen, es hat einen Januskopf", sagt Dr. Jutta Fiegl, Präsidentin
der Vereinigung Österreichischer Psychotherapeutinnen und
Psychotherapeuten, VÖPP. "Die AusbildungskandidatInnen können nicht
alleine die Lücke im Gesundheitssystem füllen."

Die Lücke besteht darin, dass PatientInnen, die dringend
professionelle Hilfe benötigen, mit langen Wartezeiten konfrontiert
werden. Rasche Hilfe im Akutfall ist oft nicht möglich, weil es zu
wenige Psychotherapieplätze auf Krankenschein gibt. Selbst wenn die
Betroffenen die Wartezeit durchgehalten haben, gibt es viel zu wenige
Behandlungsstunden auf Krankenschein.

Jetzt haben engagierte PsychotherapeutInnen, die noch in
Ausbildung sind, einen Bereitschaftsdienst für akute Fälle
gegründet; in Eigeninitiative. Unter engmaschiger Supervision bei
erfahrenen LehrtherapeutInnen absolvieren sie in diesem
Bereitschaftsdienst ihren "Turnus". Im Zuge dessen bieten sie diese
Stunden zu einem sehr günstigen Tarif an, da sie Teil ihrer
praktischen Ausbildung sind.

Wer eine Psychotherapieausbildung macht, muss neben der langen,
selbstfinanzierten Ausbildung ein unbezahltes Praktikum durchlaufen
und unbezahlte Praxisstunden leisten. In diesen Praxisstunden, die
gesetzlich vorgeschrieben sind, muss bereits qualifizierte Arbeit
geleistet werden. Auch viele Non-Profit-Institutionen, die
psychotherapeutische Hilfe anbieten, können ohne PsychotherapeutInnen
in Ausbildung unter Supervision ihren Betrieb kaum aufrechterhalten.

Damit füllen AusbildungskandidatInnen eine Lücke, die eigentlich
vom Gesundheitssystem geschlossen werden muss. VÖPP fordert deshalb,
dass diese Praktikumsstunden ganz grundsätzlich honoriert werden.

Dieser Bereitschaftsdienst für Akutfälle ist grundsätzlich Aufgabe
der Krankenkassen. Die Kassen profitieren davon, wenn sie psychische
Erkrankungen ernst nehmen und einen Bereitschaftsdienst zur
Verfügung stellen: Denn je kürzer die Wartezeiten dauern, umso kürzer
dauert auch der Krankenstand, umso geringere Kosten verursacht die
Behandlung. Und umso früher kehren die Betroffenen an ihren
Arbeitsplatz zurück. Der Bereitschaftsdienst kann generell eine
Anlaufstelle für weitere kurzfristige Termine zu sozialen Preisen
sein, als Servicestelle für beide Seiten.

Die PsychotherapeutInnen in Ausbildung haben eine wichtige
Möglichkeit zur Erstversorgung geschaffen. "Doch sie können nicht
eine Situation retten, die grundsätzlich nach ausreichender
psychotherapeutische Versorgung ruft. Sie können sie nur verbessern",
so Jutta Fiegl.

VÖPP, die Vereinigung Österreichischer Psychotherapeutinnen und
Psychotherapeuten, wurde 2009 als neue Kraft für die
Psychotherapieentwicklung in Österreich ins Leben gerufen. Der
Verband hat sich zum Ziel gesetzt, bedarfsorientiert für die tätigen
Kolleginnen und Kollegen zu arbeiten, deren Interessen zu vertreten
und dabei Bewährtes mit Neuem zu verbinden. Die VÖPP veranstaltet
Referate zu fachlichen und berufspolitischen Themen und lädt ihre
Mitglieder zum Mitgestalten ein. Neben Fort- und Weiterbildung
komplettieren Rechts- und Praxisgründungsberatung das umfassende
Mitgliederservice.

Die VÖPP ist Veranstalterin der erfolgreichen Psychotherapiemesse
"Seeliges Wien", die am 16.10.2010 zum Thema "Angst in the City"
wieder im Wiener Rathaus veranstaltet wird. www.voepp.at

Das Präsidium:
Dr. Jutta Fiegl, Dr. Heinrich Bartuska, Mag. Eva Schebach, Elisabeth
Töpel

Rückfragehinweis:
Dr. Jutta Fiegl, Mobil: 0664 277 57 37

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