Wien (OTS) - Noch lachen wir über Christine Mareks Häupl-Plakate,
schon setzen die Grünen personell eins drauf.
Wer erinnert sich noch an die vorwiegend Wiener Charmeure, die vor
ein paar Jahren für Schwarz-Grün als mögliche Koalition im Bund
geschwärmt haben? Diese Kombination, die quasi endlich die Brücke
zwischen mehr oder weniger konservativen Eltern und mehr oder weniger
aufbegehrenden Töchtern und Söhnen bauen könnte. (Die Alten wählten,
so das Klischee, noch Schwarz, die Jungen noch Grün.) Endlich hätte
eine von alten Männern dominierte Partei einen habituell zeitgemäßen
Aufputz erfahren. Vor allem Bürgerliche, die großen Wert auf ihr
Städtertum legten, gerieten in schwarz-grüne Wallung.
Wie die beiden Parteien in Wien so agieren, kann man dieser Tage live
erleben. Sie arbeiten intensiv und hart daran, das bis vor Kurzem
Undenkbare und mit Blick auf die vergangenen Jahre nur schwer
Erträgliche zu ermöglichen: die absolute Mandatsmehrheit der SPÖ zu
halten. Diese erscheint nun klar und deutlich möglich, wie alle
echten Umfragen sagen. Genau die, die Wahlkämpfer der SPÖ so
inständig dementieren, dass man sie schon allein deswegen glauben
muss. ("Das ist der primitive und durchsichtige Versuch des
politischen Gegners, unsere Wähler in falscher Sicherheit zu wiegen
und sie von dem Urnengang abzuhalten.")
Rückblick auf die vergangenen Tage: Die Wiener ÖVP versucht sich in
Negativ Campaigning und will sich über Michael Häupl lustig machen:
ihn also in einem Inserat quasi im Windkanal abbilden, um den
angeblich frischen Wind einer VP-Regierungsbeteiligung darzustellen.
Aber da ÖVP-Chefin Christine Marek ebendiese wirklich will, der
Stadtchef auch schon so immer schnell verärgert ist und man eine
faire, seriöse Partei sein will, wurde Häupl einer grafischen
Verjüngungs- und Verschönerungskur unterzogen, vor der sogar die
Photoshop-Kämpfer im SP-War-Room ihre Skrupel gehabt hätten. Dem
Vernehmen nach sind erste SP-Mitarbeiter schon damit beschäftigt, das
Miniaturlogo der Wiener ÖVP mit einem der Wiener SPÖ zu überkleben.
Nicht, dass das überhaupt notwendig wäre, aber die Leute müssen
schließlich beschäftigt werden. Die Mischung aus unglaublichem
Staunen und Unterhaltung dank dieser unfreiwilligen Komik hätte
vermutlich noch ein paar Tage anhalten können, hätten die Grünen
nicht eins draufgesetzt. Oder besser: ein Grüner.
Mit Stefan Schennach wechselt ein Politiker, dem in jeder Partei
applaudiert würde: einem, der neben seiner Hauptbeschäftigung als
Medienexperte und seiner Nebenbeschäftigung als Bundesrat ständig zum
Telefon griff und in eine Sitzung ging, um in Sachen Döblinger
Kommunalpolitik aktiv zu werden. Obwohl er genau weiß, dass der
Bezirk selbst dann nicht grün wird, wenn die Erbpacht der dort absurd
regierenden ÖVP-Familie Tiller endet und gleichzeitig die Villen- und
Heurigengärten zu Biobauernhöfen umgebaut werden. Also nie. Und nicht
zuletzt einem, der nicht wenige Grün-Politiker trainierte, wie man
mit Medien spricht. Vielleicht hätte er sich coachen lassen sollen,
wie man mit der Basis spricht, aber jetzt ist es zu spät. Frustriert,
von der Wahl im Bezirk ausgeschlossen zu sein, wechselte er nun zur
SPÖ. Dort wird er sicher auch nicht glücklich: Keiner liebt
bekanntlich den Verräter, alle nur den Verrat.
Dem kleinen Schennach-Gau für die Grünen gingen die Selbstdemontagen
zweier aussichtsreicher Bezirksgruppen voran. Dass sich übrigens die
Parteispitze darüber öffentlich wundert, warum die Medien bei den
Grünen jede interne Streiterei auf Bezirksebene ausschlachten, ist
besonders süß. Abgesehen davon, dass es derartiges außerhalb des
dritten Lagers in dieser Häufung nicht gibt: Es waren die Grünen, die
Wien so gerne in für sie potenzielle "Kampfbezirke" einteilten. Dass
viele Journalisten in diesem Land - ohnehin nicht unproblematisch -
den Grünen seit jeher ein bisschen mehr Sympathie als anderen
Parteien entgegenbringen, vergessen Eva Glawischnig und Freunde
gerne. Führungsschwäche orten die Politologen bei ihr, aber vor allem
auch bei Wiens Maria Vassilakou. Stimmt, es ist schwer, einen Verein
zu führen, dessen treffendste Bezeichnung nicht Flohzirkus wäre,
sondern ein anderer - der mit den größeren, rosafarbenen Säugetieren.
Aber wenn das nicht gelingt und garantiert werden kann, sind sie als
Regierungspartner völlig undenkbar.
Die Wiener ÖVP mag das wohl eher sein, aber ein frischer Wind schaut
ganz anders aus. Mit der aktuellen Linie Christine Mareks scheint ein
Gefühl immer stärker zu werden: In dieser Stadt regiert die SPÖ
einfach absolut. Das wird sich nie ändern. Auch nicht mit einem
kleinen Partner.
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