Wien (OTS) - Bergbauernförderung für burgenländische
Flachland-Agrariern; Industriekonzerne wie der Vorarlberger
Fruchtsaftproduzent Rauch oder Kraft Foods (Milka, Benco), die sich
von der EU alljährlich Millionen-Subventionen holen; dazu noch Julius
Meinl, Dietrich Mateschitz (Red Bull) oder Schwemberger-Swarovski,
die gleichfalls die europäischen Fördertöpfe anzapfen: Das ist der
Stoff, mit dem sich Neid schüren und politisches Kleingeld wechseln
lässt.
Tatsache ist, dass unter den Subventionsempfängern
überdurchschnittlich viele Agrarfunktionäre zu finden sind. Das ist
wenig überraschend: Um an die Futtertöpfe zu kommen, muss man sich im
Subventionsdschungel sehr gut auskennen; und wer sollte sich besser
auskennen als Agrarfunktionäre und Experten der
Lebensmittelindustrie?
Wer das System gerechter machen will, muss es erst einmal verstehen:
Der Fruchtsaftproduzent Rauch verwendet EU-Rübenzucker statt deutlich
billigeren Weltmarkt-Zucker. Als Ausgleich kassiert er 6,8 Millionen
Euro. Ähnlich verhält es sich bei Kraft Foods: Die Fabrik in Bludenz
kauft Zucker und Milchpulver in der EU und bekommt 1,3 Millionen;
gefördert werden in beiden Fällen weniger die Konzerne als Rüben- und
Milchbauern.
Mit punktuellen Maßnahmen wie einem Förderverbot für
Industriekonzerne oder Milliardäre ist deshalb nichts zu erreichen
außer neuen Ungerechtigkeiten. Generell stellt sich natürlich die
Frage, ob man die österreichische Zuckerproduktion (vom Rübenbauern
bis zur Verarbeitungsindustrie) oder die industrielle Milchwirtschaft
tatsächlich mehr oder weniger üppig fördern muss.
Die kleinen (Berg-)Bauern, die ohne Subventionen kaum überleben
können, profitieren relativ am wenigsten. Ihr Verdienst ist weniger
die Produktion als die Landschaftspflege. Dabei gilt es als
Nebeneffekt zu verhindern, dass Bauern durch das üppige (und oft
vorschriftswidrige) Ausbringen von Gülle und die Überdüngung von
Agrarflächen zu Umweltverschmutzern werden.
Das müssten auch Agrarfunktionäre endlich zur Kenntnis nehmen, statt
das System reflexartig und blindwütig zu verteidigen. Dass
Milliardäre wie Meinl oder Mateschitz für ihre Hobby-Landwirtschaften
ein paar Tausend Euro kassieren, ist zwar ärgerlich, aber insgesamt
irrelevant.
Rückfragehinweis:
Vorarlberger Nachrichten, Chefredaktion, Tel.: 0664/80588382
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OTS0222 2010-09-02/17:00
021700 Sep 10
PVN0001 0310