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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Wie sich die Grünen selbst demontieren" (Von Wolfgang Simonitsch)
Ausgabe vom 02.09.2010
Graz (OTS) - Wenn die Grünen einen ihrer Langzeitpolitiker
nicht mehr zur Wahl aufstellen, reagieren diese Altgedienten
klassisch. Sie schnappen ein, nehmen von Herzen übel und sind
gekränkt. Diese Reaktion ist menschlich, nicht unsympathisch und auch
verständlich. Auch in dieser Hinsicht sind die Grünen längst eine
klassische Partei, in denen es von Berufspolitikern nur so wimmelt,
die sich möglichst bis zum Ausgedinge an ihre politischen Ämter
klammern. Die meisten haben ja sonst nichts gelernt.
Doch was sich derzeit im Vorfeld der Wiener Wahl bei den Grünen an
Animositäten abspielt, geht auf keine Kuhhaut mehr. Weil ältere
Grün-Funktionäre von der Basis nicht mehr gewollt wurden, hat es
bereits in zwei Wiener Bezirken Parteispaltungen gegeben. Ehemalige
Spitzengrüne machen jetzt mit eigenen Listen ihren früheren
Parteifreunden Konkurrenz. Noch toller treibt es jetzt der seit 1988
bei den Grünen aktive Stefan Schennach, der seit 23 Jahren für sie
politisiert, seit 2001 im Bundesrat sitzt. Weil der gute Mann von der
grünen Fraktion seines Bezirks Döbling nicht mehr aufgestellt wird,
wechselt er jetzt einfach zur SPÖ, weil die ihn nach der Wahl als
Bundesrat weiter beschäftigen will.
Mehr hat der Stammtisch wohl nicht gebraucht: Lauter Pülcher, die
ihre politische Gesinnung wechseln wie die Hemden, schimpfen
Beobachter dieser blamablen Rochade. Hauptsache sei wohl, Schennach
könne seinen absolut sinnlosen Posten behalten und seine gut 4000
Euro im Monat für seinen dritten Nebenjob weiter kassieren, wird auch
in Internetforen gewettert. Zyniker witzeln, jetzt gäbe es bei den
Grünen wenigstens eine gewisse "Erneuerung durch Parteiübertritt".
Und der 54-jährige Schennach werde wohl einen gründlichen
Charakterwechsel vollziehen müssen, wenn er bald die völlig
andersgeartete SPÖ-Politik etwa in Asylfragen mittragen muss.
Der politischen Glaubwürdigkeit hat der bisher von den Grünen
geschätzte Schennach einen Bärendienst erwiesen. Bei aller
Rechtfertigung, die er darauf konzentriert, ihm ginge es um
Kontinuität in seiner internationalen Arbeit, bleibt der Eindruck:
Das Amt ist wichtiger als die Haltung.
Dass sich solche Kleindramen bei den Grünen jetzt gehäuft abspielen,
kommt nicht von ungefähr. Mit ihrem speziellen Ritual leicht
manipulierbarer Abstimmungen, wer aufgestellt wird, wirken sie nur
basisdemokratisch. Das sind aber keine Wahlversammlungen, sondern
Einladungen zur persönlichen Abrechnung bis hin zum Putsch.****
Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at
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