- 31.08.2010, 11:07:16
- /
- OTS0130 OTW0130
Forschungsinfrastruktur - ein Ankerpunkt für wissenschaftliche Exzellenz
Forschungsrat ortet Mängel bei internationalen Kooperationen und gemeinsamer Nutzung.
Wien (OTS) - "Spitzenforschungsinfrastruktur ist die Basis für die
Bündelung von exzellenten WissenschafterInnen, verstärkte
Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, exzellente
wissenschaftliche Ausbildung und das Entstehen einer attraktiven
Forschungsumgebung", bestätigt Knut Consemüller, Vorsitzender des
Rates für Forschung und Technologieentwicklung. Aufgrund dieses hohen
Stellenwerts ließ der Rat für Forschung und Technologieentwicklung
die Agentur Austin, Pock & Partners mit der Studie "Erhebung der
Österreichischen Forschungsinfrastruktur" eine Bestandsaufnahme
durchführen
Über 1.000 Infrastrukturen erhoben
Befragt wurden Universitäten, Fachhochschulen und
Privatuniversitäten sowie Unternehmen mit einem hohen
Forschungsanteil. Insgesamt umfasst die Auswertung 1024
Forschungsinfrastrukturen in Form von Großgeräten und
Forschungseinrichtungen, Core-Facilities, Sammlungen (Datenbanken und
Archive) und geschlossener baulicher Infrastruktur, die
ausschließlich für Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten genutzt
werden.
"Nur erstklassige Infrastruktur ermöglicht ForscherInnen an
Hochschulen und in der Wirtschaft Brücken zwischen ihren Bereichen zu
schlagen. Deshalb ist sie ein wesentlicher Faktor für die Qualität in
der Grundlagenforschung und für exzellente Forschung an unseren
Universitäten und in den Unternehmen", erläutert Günther Bonn,
stellv. Vorsitzender des Forschungsrates und innerhalb der
Ratsversammlung zuständig für Forschungsinfrastruktur. Und er
ergänzt: "Die Innovationsstärke hängt dabei entscheidend von einer
modernen Ausstattung ab."
Die Studie bestätigte zwar eine akzeptable Anzahl von
Forschungsinfrastrukturen in Österreich, bei größeren, international
sichtbaren Forschungsinfrastrukturen hat die Alpenrepublik im
Vergleich mit anderen forschungsintensiven EU-Ländern jedoch
deutlichen Aufholbedarf. "Ein Defizit besteht zudem in der
kooperativen Nutzung der Infrastruktur", erklärt Bonn. Rund 75% aller
erhobenen Infrastrukturen werden ausschließlich von der betreibenden
Organisation genutzt. Institutionsübergreifende Nutzung von
Großgeräten und Core-Facilities findet außerhalb des Kooperativen
Sektors kaum statt.
"Eine bessere Vernetzung und der verstärkte Ausbau von Service
Centern sowohl an den Hochschulen als auch in den Unternehmen würden
gleichermaßen die Exzellenz in der Wissenschaft fördern und die
Kosten von Großinfrastrukturen senken", ist Bonn überzeugt.
Bessere Infrastruktur notwendig
Um in der internationalen Forschung auch weiterhin im Spitzenfeld
zu bleiben, wird es für Österreich auch zunehmend wichtiger, sich an
internationalen und europäischen Kooperationen zu beteiligen. Im
Bereich Infrastruktur stellt die Initiative "European Strategy Forum
on Research Infrastructures", kurz ESFRI, den momentan umfassendsten
Plan dar, europäische Infrastrukturzentren zu bilden, gemeinsam zu
führen und zu finanzieren. In den 44 geplanten Projekten im Rahmen
der ESFRI-Roadmap 2008 ist bei der derzeitigen Finanzierungslage nur
eine sehr eingeschränkte Teilnahme österreichischer Organisationen
möglich. Nur bei 4 Projekten ist die Teilnahme gesichert.
"Dies gefährdet laufende internationale Kooperationen ebenso wie
die Anbindung der österreichschen Spitzenforschung an strategisch
wichtige, überregionale Forschungsinfrastrukturen. Eine Steigerung
des Budgets für internationale Kooperationen ist daher dringend
nötig", appelliert Bonn. Immerhin ergab die Bedarfserhebung an den
Forschungsorganisationen für den Zeitraum 2010 bis 2014 notwendige
Investitionen in der Höhe von ca. 1.2 - 1.5 Mrd. Euro für die
Erneuerung der Forschungseinrichtungen sowie der Errichtung neuer
Infrastruktureinheiten. Alleine die staatlichen Universitäten weisen
in diesem Zeitraum rein für Forschungsinfrastrukturen einen Bedarf
von rund 660 Mio. Euro aus.
Vorsitzender Consemüller betont: "Die vorliegenden Studiendaten
bestätigen eindrucksvoll, dass wir mehr Geld in die österreichische
Forschungsinfrastruktur investieren müssen. Um eine effiziente
Leistungssteigerung zu garantieren, brauchen wir dazu ein
Hochschulinfrastrukturprogramm." Neben einer verstärkten Bildung von
"Awareness" für Forschungsinfrastruktur, verbesserter Kooperation und
einer substanziellen Beteiligung und Teilnahme an internationalen
Projekten - mit dem Ziel, vermehrt Führungsrollen zu übernehmen -,
werden durch die Studie auch die Notwendigkeit einer verbesserten
strategischen Planung, einer zielorientierten Profilbildung und der
Initiierung eines tragfähigen Informationsmanagements aufgezeigt.
Studie:
Austin, Pock & Partners (2010); Ergänzende Erhebung Österreichischer
Forschungsinfrastruktur
http://www.rat-fte.at/index.php/publikationen.html
Rückfragehinweis:
DI Dr. Ludovit Garzik
Geschäftsführer des Rates für Forschung und Technologieentwicklung
Tel. 01 - 7131414 E-Mail: [email protected]
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | EUP






