OTS0061 / 27.08.2010 / 10:11 / Channel: Chronik / Aussender: Welldone Werbeagentur GmbH
Stichworte: Gesundheit / Medizin / Patienten / Wissenschaft / Ärzte


Alpbach: Psychische und körperliche Erkrankungen - Wechselwirkungen werden zu wenig erkannt und nicht ganzheitlich therapiert! =


   Alpbach (OTS) - Psychische Erkrankungen nehmen dramatisch zu,
bereits jeder Vierte läuft Gefahr, im Laufe seines Lebens an einer
Depression oder einer Angststörung zu erkranken. Das Europäische
Forum Alpbach trug diesem wichtigen Thema Rechnung und stellte im
Rahmen der Gesundheitsgespräche zur Diskussion, wie psychiatrischen
Erkrankungen und deren Folgen für die Betroffenen nachzukommen sei.
Ein wichtiger Aspekt ist, dass in der medizinischen Praxis die
eigentliche Grunderkrankung oft nicht als solche erkannt und
therapiert wird - es fehlt nach wie vor an einer ganzheitlichen
Sichtweise. Ganz im Leben - die österreichische Plattform für
seelische und körperliche Gesundheit hat sich zum Ziel gesetzt,
dieser Problematik entgegen zu wirken.
   Im österreichischen Gesundheitssystem mangelt es nach wie vor an
einer ganzheitlichen Sichtweise und Behandlung von psychischen und
körperlichen Erkrankungen. Dieses Fazit ist anlässlich der
Gesundheitsgespräche des Europäischen Forum Alpbach festzuhalten. 
   Bereits jeder Vierte ist einmal in seinem Leben von einer
psychischen Erkrankung wie Depression, Angststörung oder
Schizophrenie betroffen. Gleichzeitig haben Menschen mit psychischen
Erkrankungen ein erhöhtes Risiko für metabolische Abnormitäten wie
Bluthochdruck, Diabetes oder Adipositas, einer damit verbundenen
verkürzten Lebenserwartung sowie Herz-Kreislauferkrankungen zu
entwickeln. Entgegen der herkömmlichen Meinung ist die häufigste
Todesursache von psychisch Erkrankten aber nicht Suizid, sondern
meist eine Herz-Kreislauferkrankung. Betroffene mit einer psychischen
Erkrankung haben ein zwei- bis dreimal höheres Risiko an Diabetes zu
erkranken beziehungsweise sind sie auch einem zwei- bis dreimal
höheren kardiovaskulären Risiko ausgesetzt. Jeder Vierzehnte
Österreicher leidet an Diabetes und jeder Vierte an einer psychischen
Erkrankung. In der täglichen Praxis werden diese Tatsachen aber
selten in Zusammenhang gebracht und den Ursachen der einzelnen
Krankheitsbilder oder Symptome kaum auf den Grund gegangen.
Verbesserte interdisziplinäre ärztliche Zusammenarbeit nötig
   "In den heimischen Praxen herrscht noch immer eine sehr starke
Einzelsicht und eine viel zu isolierte Betrachtung dieser Thematik.
Initiativen wie 'Ganz im Leben' erachte ich daher als äußerst
unterstützenswert. Als Fachärztin für Psychiatrie ist es mir also ein
großes Anliegen, dieses Projekt weiter voran zu treiben", erläuterte
Univ.-Prof. DDr. Gabriele Sachs von der Wiener Universitätsklinik für
Psychiatrie und Psychotherapie bei den Gesundheitsgesprächen in
Alpbach. Ein großes Problem sei, dass psychische Erkrankungen in
unserer Gesellschaft leider mit einer Stigmatisierung einhergehen und
dementsprechend tabuisiert werden. Alle Bemühungen, die zu einer
Entstigmatisierung beitragen, seien daher wünschenswert. Dieses Tabu
könne nur gebrochen werden, wenn es gelinge sowohl die Angst vor den
unmittelbar Betroffenen auszuräumen als auch die Akteure im
Gesundheitssystem dahingehend zu sensibilisieren, dass psychische
Erkrankungen gleichwertig mit organmedizinischen Erkrankungen zu
betrachten sind. 
   Das Erkennen und die Behandlung von somatischen Erkrankungen bei
Patienten mit einer psychischen Erkrankung sind besonders wichtig.
Eine ganzheitliche Betrachtung von mentaler und physischer Gesundheit
ist daher vonnöten. "Im ärztlichen Alltag ist der Zeitdruck oft enorm
und eine intensivere Betreuung der Patienten kaum möglich. Gerade für
psychisch Erkrankte sind vertrauensvolle Gespräche mit ihrem
behandelnden Arzt für einen erfolgreichen Heilungsverlauf wichtig.
Eine der großen Herausforderungen der Gesundheitspolitik wird es
daher sein, wie dem Zusammenhang von körperlichen und seelischen
Erkrankungen im Praxisalltag mehr Aufmerksamkeit beigemessen werden
kann", stellte Univ.-Prof. Dr. Johannes Wancata, Professor an der
Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der
Medizinischen Universität Wien und Vizepräsident der Österreichischen
Schizophreniegesellschaft fest.
Die Rolle des Allgemeinmediziners
   Die Allgemeinmediziner sind für die Patienten die erste
Anlaufstelle bei Anzeichen von Krankheiten, körperlichen Beschwerden
und Vorsorge. Aus diesem Grund haben die Allgemeinmediziner sowohl
bei psychischen als auch bei körperlichen Erkrankungen wie Hypertonie
oder Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen eine große Verantwortung
gegenüber den Patienten. Betroffene einer psychischen Erkrankung sind
auch einem größeren Risiko ausgesetzt, körperlich zu erkranken.
Diesem Umstand muss auch in der allgemeinmedizinischen Praxis
verstärkt Rechnung getragen werden. Allgemeinmediziner sind daher
dazu angehalten, Risikogruppen für die Entwicklung psychischer
Begleiterkrankungen zu "screenen". Zu diesen zählen beispielsweise
Patienten mit Diabetes, Post-Infarkt-Patienten, adipöse Patienten
oder Krebspatienten. Bei diesen Patientengruppen sind seelische
Erkrankungen als Begleiterscheinung ihrer somatischen Beschwerden
sehr häufig.
Psychische Erkrankungen: weit reichende gesundheitsökonomische Folgen
   Neben dem menschlichen Leid, das psychiatrische Erkrankungen bei
den Betroffenen auslösen, stellen diese Indikationen aus
sozialmedizinischer und ökonomischer Sicht einen sehr wichtigen
Themenbereich dar. Psychiatrische Erkrankungen sind inzwischen zu
einem Drittel die Ursache für Frühpensionierungen. "Erkrankungen des
Bewegungsapparates sind zwar nach wie vor die Ursache Nummer eins für
Früh- und Invaliditätspensionierungen, psychiatrische Erkrankungen
liegen aber mit fast 30 Prozent schon beinahe gleich auf", zeigt
Univ.-Prof. Dr. Bernhard Schwarz, Zentrum für Public Health der
Medizinischen Universität Wien und Sprecher der Initiative "Ganz im
Leben", auf. Immer mehr junge Menschen, die mitten im Berufsleben
stehen, sind von psychischen Erkrankungen und damit einhergehend von
Krankenstand und Arbeitsunfähigkeit betroffen, die
volkswirtschaftlichen Folgen sind daher evident. "Wir verzeichnen im
Jahr 2010 so viele Produktivitätsausfälle durch Langzeitkrankenstände
und Frühpensionierungen wie noch nie zuvor. Das beeinträchtigt
wiederum die Beitragszahlungen bei den Sozialversicherungsträgern.
Die Auswirkungen von psychischen Erkrankungen auf die
Gesundheitsökonomie sind also nicht von der Hand zu weisen", so
Schwarz abschließend. 
Über "Ganz im Leben - Österreichische Plattform für seelische und
körperliche Gesundheit":
   Im Jahr 2008 wurde die Initiative "Mental & Physical Health" auf
europäischer Ebene gegründet. Hauptziel der Initiative ist es, Wege
zu mehr Bewusstsein für den Zusammenhang von psychischer Krankheit
und körperlicher Gesundheit einzuschlagen und eine ganzheitliche
Betrachtung des Themas zu erwirken. Dadurch soll auch die
interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Psychiatern, Internisten
und Allgemeinmedizinern gefördert werden. In Österreich trägt die
Initiative den Titel "Ganz im Leben. Österreichische Plattform für
seelische und körperliche Gesundheit". Die Initiative soll daher dazu
beitragen, das österreichische Gesundheitssystem stärker an den
Bedürfnissen einer ganzheitlichen Betrachtung von mentaler und
physischer Gesundheit auszurichten und die Interdisziplinarität zu
fördern. Die Forcierung der öffentlichen Diskussion des Themas sowie
die Information der Ärzte, Apotheker und natürlich der Bevölkerung
unter dem Motto "Gemeinsam Bewusstsein schaffen" sind wichtige
Maßnahmen der Initiative. Zusätzliche Informationen stehen auf
www.ganzimleben.at zur Verfügung.
   Die in diesem Pressetext verwendeten Personen- und
Berufsbezeichnungen treten der besseren Lesbarkeit halber nur in
einer Form auf, sind aber natürlich gleichwertig auf beide
Geschlechter bezogen.
Rückfragehinweis:
   Welldone Werbung und PR
   Mag. Elisabeth Kranawetvogel | Mag. Sabine Sommer | Public Relations
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