• 25.08.2010, 11:37:24
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WK: Aus für EKZ auf der grünen Wiese

Kärnten weist die größte Verkaufsfläche pro Einwohner und die geringste Kaufkraft im Bundesländervergleich auf. WK-Pacher: "Wirtschaftliche Landesverteidigung ist in Gefahr!"

Klagenfurt (OTS) - Ausgestorbene Stadtzentren, verwaiste
Einkaufsstraßen, leere Schaufenster: Sie sind oft die Folge
verfehlter Raumordnung. Anonyme Konsumtempel an den Peripherien der
größeren Städte entziehen den Innenstädten und Talschaften Kunden und
Kaufkraft - die Citys veröden, die Regionen verlieren Arbeitsplätze,
Infrastruktur und letztlich ihre Bewohner. Wider besseres Wissen der
zuständigen Kommunalpolitik und trotz jahrelanger Kritik der
Wirtschaftskammer geht das Wachstum der Verkaufsflächen munter
weiter: Allein im Zeitraum von 2005 bis 2009 stieg die
Verkaufsflächendichte im Einzelhandel in Kärnten um neun Prozent und
beförderte das (gemeinsam mit Tirol) kaufkraftschwächste Bundesland
mit einer Verkaufsfläche von 1,94 Quadratmeter pro Einwohner vor
Niederösterreich (1,89 m2/EW), der Steiermark (1,80 m2/EW) und
Salzburg (1,72 m2/EW) an die Spitze des Bundesländerrankings. Pacher:
"Das ist eine falsche Raumordnungspolitik, die die Kärntner
Wirtschaftskammer seit Jahren aufzeigt und die durch die aktuelle
Entwicklung noch potenziert wird. Ich sehe die wirtschaftliche
Landesverteidigung gefährdet, denn allein die zunehmenden
Umweltkatastrophen auf der Welt zeigen die Bedeutung einer
dezentralen Grundversorgung der Bevölkerung."

Blinde Schaufenster, leere Läden
Möbelhäuser, Baumärkte und Fachmarktzentren an der Peripherie sind
dabei die großen Flächentreiber. Zu viele Quadratmeter drücken auf
die Flächenproduktivität, die negative Bevölkerungsentwicklung in
Kärnten und die unterdurchschnittliche Kaufkraftentwicklung werfen
weitere Fragen auf. Sicher ist allerdings, dass die
Großflächenanbieter auf der grünen Wiese die Innenstädte und
Ortskerne wirtschaftlich aushöhlen: Die dort meist ansässigen
Fachhändler sind beschäftigungsintensiver und müssen allein durch die
eingeschränkten Parkmöglichkeiten massive Standortnachteile
hinnehmen. Die Folge: Leere Geschäftsflächen nicht nur in
Seitengassen, sondern auch an prominenten Standorten in der
Landeshauptstadt - wie dem ehemaligen Woolworth-Gebäude am
Heiligengeistplatz oder dem früheren Gerngross-Kaufhaus in der
Paulitschgasse - oder in Villach, wo das ehemalige
Kastner&Öhler-Sportfachgeschäft seit Jahren leer steht. "Die Citys
stehen am Scheideweg zwischen einer lebendigen, bunten Innenstadt
oder einem ausgestorbenen Stadtkern", warnt Handelssprecher
Spartenobmann Jürgen Mandl.

Sünden- und Sonderfall Villach
Trotz ähnlicher Kaufkraft und der halben Einwohnerzahl weist
Villach mit 128.500 m2 sogar ein Viertel mehr an
EKZ-I-sondergewidmeter Verkaufsfläche auf als Klagenfurt (100.000
m2). Dies ist auf den weit überdurchschnittlichen Bestand an
Sonderwidmungen vor Einführung des Entwicklungsprogramms
zurückzuführen. "Bezogen auf Kaufkraft, Einwohnerzahl und regionale
Strukturen hätten es max. 80.000 bis 90.000 m2 sein dürfen",
kritisiert Mandl. Nun hat die Draumetropole einen weiteren Sündenfall
begangen und rund 36.000 m2 nicht benötigter EKZ I - Flächen im
Stadtkern zurückgewidmet, die nunmehr als freies EKZ I-Kontingent für
"die grüne Wiese" zur Verfügung stehen. Pacher: "Damit ist einer
weiteren Zerstörung der Handelsstruktur in der Innenstadt Tür und Tor
geöffnet. Warum widmet die Stadt Villach diese EKZ I-Flächen nicht
zurück, wenn man dieses freie Kontingent angeblich ohnehin nicht
verwenden will?" Auch andere Bezirksstädte würden dem Villacher
Beispiel folgen und beginnen, ihre brachliegenden EKZ I-Widmungen im
Ortskern rückzuwidmen.

Keine neuen EKZ auf der grünen Wiese!
Aktuelle Studien belegen, dass die bestehenden raumordnerischen
Regelungen in den ver-gangenen 20 Jahren (!) keine Eindämmung des
extensiven Verkaufsflächenwachstums bewirkt haben: Der Druck privater
Umwidmungswerber (Grundbesitzer, Projektentwickler, Handelsketten)
war zu groß, die Politik auf kommunaler und Landesebene zu schwach.
Handelssprecher Mandl: "Wir fordern ein neues Regelwerk für EKZ mit
möglichst engen Grenzen, um Politik, Verwaltung und Projektentwickler
endlich im Zaum zu halten." Sonst sei der Kahlschlag an Nahversorgern
mit allen Folgen für die ländlichen Strukturen abseits der
Zentralräume nicht mehr aufzuhalten.
Deshalb will die Wirtschaftskammer das sofortige Aus für neue EKZ auf
der grünen Wiese an den Peripherien, darüber hinaus sollen die
bestehende Flächenkontingente deutlich reduziert werden. Im Gegenzug
sollen auch "Unterzentren" wie etwa Eberndorf oder Radenthein die
Möglichkeit erhalten, EKZ im Stadtkern zu errichten. Mandl: "Und jede
Widmung, die nicht innerhalb von fünf Jahren genutzt wird, verfällt!"
Ein Programm, mit dem Pacher die regionalen Infrastrukturen schützen
will: "Alles andere bedeutet einen gezielten politischen Anschlag auf
die Innenstädte bzw. Ortskerne und die dort teils seit Generationen
tätigen Unternehmer!"

Rückfragehinweis:
Wirtschaftskammer Kärnten
Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 05/90 90 4-660
mailto:[email protected]

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