Wien (OTS) - Es war einmal vor langer Zeit, da dividierte
Finanzminister Ferdinand Lacina die Zahl der Landeslehrer mit jener
der Schüler, die sie unterrichteten. Er kam auf den sagenhaften
Durchschnitt von weniger als 15 Schüler je Lehrer. Die Klassen aber
waren viel größer. Das Mysterium löste sich auf: Viele Lehrer
unterrichteten gar nicht, sondern waren in der Schulverwaltung
eingesetzt. Unzählige Landes- und Bezirksschulinspektoren tingelten
durchs Land. Warum sie das in so großer Zahl taten, blieb ein
Mysterium. Landespolitiker und Lehrergewerkschaft gaben ihr Wissen
nicht wirklich preis.
Dekaden später führt das glückliche Österreich immer noch diese
Diskussion. Eine Kontrolle durch den (bezahlenden) Bund wurde auf
später verschoben, die Frage der Lehrerarbeitszeit in eine
systemische Struktur-Watte eingelegt, wo sie noch lange weich liegen
wird. Dafür wollen die Länder die alleinige Kompetenz für sämtliche
Lehrer, der Bund soll künftig nur noch zahlen. Ach ja, er soll noch
"bildungspolitische Vorgaben" machen. Dies zeigt, dass den Ländern an
der von ihnen nach dem Zweiten Weltkrieg neu gegründeten Republik
wenig liegt. Neun verschiedene Pflichtschulsysteme in einem Land, das
weniger Einwohner hat als Bayern, das kann doch niemand ernsthaft
wollen.
Nun wird die ganze Debatte in die kommenden
Finanzausgleichsverhandlungen verschoben, was einer gefährlichen
Drohung gleichkommt. Denn die Verhandlungen zwischen Bund und Ländern
zeichnen sich durch ihre Bazar-Methodik aus, an deren Ende immer die
Länder gewinnen. Zudem ist die Verknüpfung finanzpolitischer Ziele
mit Bildungspolitik nicht besonders einleuchtend. Bei all dem ist das
Parlament verdächtig ruhig. Wenn Kompetenzen in die Länder verschoben
werden, verliert der Nationalrat welche. Warum er dies so stoisch
hinnimmt, ist unklar - und auch beängstigend.
Und dann wäre da noch die EU. Europa stärker zu integrieren, steht
der österreichischen Variante von Kleinstaaterei diametral entgegen.
Die Landeshauptleute kämpfen um ihre schwindende Macht, das ist
politisch verständlich. Sachpolitisch dagegen ist es Gift - vor allem
für die Steuerzahler, die dies aufrechterhalten dürfen und für die
der Schluss jedes Märchen gilt: Und wenn sie nicht gestorben sind,
dann leben sie noch heute...
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