- 24.08.2010, 15:11:05
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Alpbach - Alter und Arbeit: Zusätzliche Lebensjahre für ein längeres Arbeitsleben nutzen
WKÖ-Vizepräsidentin Römer für Modelle zur Beschäftigung Älterer auf KV-Ebene - Ex-WIFO-Chef Kramer sieht Herausforderungen durch vielerlei notwendige Reformen
Alpbach/Wien (OTS/PWK636) - "Wir haben ein längeres Leben.
Lasst es uns besser ausnutzen - für uns selber und die Gesellschaft",
forderte Ursula Staudinger, Vizepräsidentin der Jacobs University
Bremen und Dekanin des Centers on Lifelong Learning dort, bei den
Reformgesprächen des Forum Alpbach. Die Podiumsdiskussion stand im
Zeichen des Themas "Arbeit in einer alternden Gesellschaft". Vor der
Tatsache, dass die Lebenserwartung in den vergangenen 100 Jahren um
ganze 30 Jahre gestiegen ist", müsse das Ziel eine Steigerung der
Erwerbsbeteiligung der über-55-Jährigen sein. Die Wissenschafterin
führte aus, dass die heutige Generation der 60-Jährigen biologisch um
fünf bis acht Jahre jünger ist als die 60-Jährigen der
Vorgängergenerationen. Und sie verdeutlichte anhand von
Forschungsergebnissen, "dass Altern bedeutet, was wir daraus machen."
So gelinge es, naturgesetzliche Zeitabläufe zu überwinden, quasi
auszutricksen. Der Abbau der kognitiven Leistungsfähigkeit etwa lasse
sich durch körperliche Bewegung hinauszuzögern. Das könnte auch ein
Anknüpfungspunkt für die Gestaltung der Arbeitswelt durch den
Arbeitgeber und des Arbeitslebens arbeitnehmerseitig sein.
Sie stehe zu der Verpflichtung von Unternehmen, in Mitarbeiter zu
investieren, sagte Renate Römer, Vizepräsidentin der
Wirtschaftskammer Österreich und Obfrau der AUVA. Unternehmen in
Österreich bieten Aus- und Weiterbildungs-, gesundheitsbildende
Maßnahmen sowie Vorsorgeaktivitäten an: "Viele tun in vielen
Bereichen vieles", hob sie hervor. Und Römer zeigte sich überzeugt:
"Die Mehrheit der Betriebe in Österreich, wo es überwiegend kleine
und mittlere Unternehmen sowie Familienbetriebe gibt, trennen sich
nicht aus Altersgründen von Mitarbeitern." Sie stellte beispielsweise
das mögliche Langsamerwerden im Alter anderen Qualitäten gegenüber:
"Dann nehmen andere Assets zu, etwa die Erfahrung oder die
Loyalität", zeigte sie sich überzeugt. Bezüglich der Beschäftigung
älterer Arbeitnehmer plädierte Römer dafür, in den
Kollektivvertragsverhandlungen für die jeweiligen Branchen geeignete
Modelle zu erarbeiten.
Jede Menge Reformbedarf im Zusammenhang mit Aus- und Weiterbildung
sowie dem viel beschworenen lebenslangen Lernen machte Helmut Kramer
aus. Der Wirtschaftswissenschafter war bis 2005 Leiter des
Wirtschaftsforschungsinstitutes (WIFO) und ist derzeit
Vorstandsvorsitzender der Plattform für Interdisziplinäre
Altersfragen in Österreich: Als "große Herausforderung, die jetzt vor
uns liegt" bezeichnete er die Änderungen, die sich auf die
Lebenseinkommenskurve auswirken. "Außerdem werden wir das
Bildungssystem in kurzer Zeit sehr wesentlich ändern müssen", so
Kramer. Er erachtet eine verpflichtende quasi "Nachschulung" nach 15,
20 und 25 Jahren nach Schulabschluss als unumgänglich, und zwar für
alle Schultypen. Zudem plädierte er für verbesserte Angebote im
Bereich Lebenslanges Lernen. Dazu komme die Sache mit der Denkhaltung
und Einstellung: "Der Ruhestand wird landläufig als Bonus gesehen,
wohingegen weiter zu arbeiten als Arbeitenmüssen empfunden wird."
Und: " Derzeit will die Mehrheit der Bevölkerung in Österreich nicht
länger arbeiten", so Kramer.
Peter Faulstich, Professor für Erwachsenenbildung an der
Universität Hamburg, berichtete von Erhebungen bei 65-Jährigen
Männern und Frauen, die mehrere Modelle im Umgang mit dem Alter und
der Erreichung des Rentenalters erkennen lassen: Dazu gehören etwa
das Resignations-, das Kontinuitäts oder das Expansionsmodell.
Darüber hinaus sei in Gesprächen deutlich zu erkennen, "dass die
Menschen arbeiten wollen." Er trat vehement dafür ein,
Arbeitsumfelder und Bedingungen zu schaffen, in denen Arbeiten Spaß
macht. Faulstich spricht übrigens bewusst von den Älteren oder
älteren Menschen, nicht jedoch von alten Menschen. Denn: "Wir alle
werden älter. Aber alt werden will niemand." (JR)
Rückfragehinweis:
Wirtschaftskammer Österreich, Stabsabteilung Presse
Mag. Rupert Haberson
Tel.: T:(+43) 0590 900-4362, F:(+43) 0590 900-263
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