• 24.08.2010, 12:11:29
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Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch werden entschädigt

Bürgermeister Dr. Michael Häupl bittet Opfer um Verzeihung

Wien (OTS) - "Wir sind uns unserer Verantwortung für die
schrecklichen Ereignisse, die einigen Menschen in Heimen der Wiener
Jugendwohlfahrt widerfahren sind, bewusst. Ich weiß, dass das Leid
der Betroffenen nicht mehr gut zu machen ist. Wir werden aber alles
unternehmen, um diesen Menschen zu helfen und werden ihnen und ihrer
Geschichte Gehör verschaffen", bat der Wiener Bürgermeister Dr.
Michael Häupl im heutigen Mediengespräch die Opfer von Gewalt und
Missbrauch in Städtischen Heimen um Verzeihung.

Entschädigungszahlungen und Therapie

Im Rahmen dieser Verantwortung leistet die Stadt Wien auch
Entschädigungszahlungen und Therapiekosten. Die materiellen
Entschädigungen orientieren sich, wie bei der unabhängigen
Opferschutzkommission der Österreichischen Bischofskonferenz
(Klasnic-Kommission), an der gängigen Judikatur für
Schmerzengeldzahlungen. Den Betroffenen steht nach einer
Entschädigung weiterhin der Rechtsweg offen. Zudem übernimmt die
Stadt Wien die Kosten von Therapien und Beratungen, auch wenn sie
nicht durch Einrichtungen der Stadt Wien abgedeckt werden können. Die
Menschen sollen auch bei ihren individuellen Anliegen im Zusammenhang
mit ihrer Leidensgeschichte bestmöglich unterstützt werden.
"Es ist mir sehr wichtig, dass diese Menschen, nach all dem was sie
erleiden mussten, einen höchst kompetenten und erfahrenen
Ansprechpartner haben, der ihnen persönlich und unbürokratisch
hilft", so Häupl. Die Koordination der individuellen Betreuung der
Opfer und der Entschädigungszahlungen wurde deshalb in Wien der
Opferschutzeinrichtung Weisser Ring übertragen.

Kinder- und Jugendanwaltschaft zentrale Anlaufstelle

Primäre und zentrale Anlaufstelle für Opfer aus Heimen unter der
Aufsichtspflicht der Stadt Wien bleibt in Wien weiterhin die Kinder-
und Jugendanwaltschaft (KJA). Im Einverständnis mit den Betroffenen
erfolgt - wie schon bisher - die sofortige Weiterleitung der Akten an
die Staatsanwaltschaft. Auch die Annahme der Angebote des Weissen
Rings beruht auf Freiwilligkeit. Die KJA steht den Betroffenen als
unabhängige Ansprechpartnerin und Vertreterin zur Durchsetzung ihrer
Rechte und Anliegen auch während des Entschädigungsverfahrens zur
Verfügung.

Der Weisse Ring hilft Opfern

Der Weisse Ring ist die größte bundesweit agierende
Opferhilfeorganisation, die allen Opfern krimineller Handlungen
jeglicher Form offen steht. In der Zusammenarbeit mit der Stadt Wien
fungiert die Institution als Clearing-Stelle und sichert durch die
Zusammenarbeit mit spezialisierten Einrichtungen, dass Opfern das
individuell geeignete Hilfsangebot zur Verfügung steht. Über den
Weissen Ring werden auch in Abstimmung mit der KJA etwaige
Entschädigungszahlungen abgewickelt.
"Aus der Erfahrung in der Opferhilfe des Weissen Ringes ist es
wesentlich, Menschen, die in ihrer Kindheit oder Jugend Opfer von
Gewalt und Missbrauch geworden sind, das Gefühl zu geben, dass das
Unrecht, das ihnen geschehen ist, anerkannt wird und dass ihnen eine
Anlaufstelle zur Verfügung steht, bei der sie sich vorbehaltlos
aussprechen können", erklärt Hon.Prof. Dr. Udo Jesionek, Präsident
des Weissen Ringes: "Ebenso wichtig ist es, ihnen allen Hilfe zu
geben - psychologisch, juristisch und auch finanziell -, um sie bei
der Bewältigung der Opfersituation zu unterstützen. Es ist ein
wichtiger Schritt der Stadt Wien, diesen Menschen rasch und
unbürokratisch Entlastung und konkrete Hilfe anzubieten."

Geschichte sichtbar machen

Die Stadt Wien setzt, wie angekündigt, mit Mitte September eine
HistorikerInnenkommission ein. Sie wird die Geschichte der
Heimerziehung und des Fürsorgewesens in Wien aufarbeiten. Die Opfer
erhalten die Möglichkeit, sich und ihre persönliche Geschichte aktiv
einzubringen. Die wissenschaftliche Zielsetzung wird von den
ExpertInnen unter Einbindung der Wünsche der Betroffenen - die damit
auch einen Teil ihrer Menschenwürde wiederhergestellt wissen wollen -
erarbeitet.

Offene Archive in Wien

Alle die in Obsorge des Wiener Jugendamtes waren, haben in Wien
die Möglichkeit, in ihre (Mündel-)Akte einzusehen. "Jeder hat das
Recht auf seine persönliche Geschichte. Das gilt auch für Menschen,
die in Obhut des Jugendamtes waren. Es ist uns wichtig, dass alle
Zugang auch zu diesem Teil ihrer Lebensgeschichte haben", so der
Wiener Jugendstadtrat Christian Oxonitsch. Bei Bedarf wird eine
fachliche Betreuung bzw. Begleitung zur Verfügung gestellt. Die
Akteneinsicht kann bei der MAG ELF, Gruppe Recht, 1030 Wien,
Rüdengasse 11 schriftlich oder per E-Mail [email protected] oder
unter der Tel. 01/4000-90714 beantragt werden. Vor der Vorlage der
Akten wird ein Identitätsnachweis verlangt, um den Datenschutz zu
gewährleisten.

Bericht der Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft liegt vor

Nach dem nunmehr vorliegenden Bericht der Wiener Kinder- und
Jugendanwaltschaft (KJA) haben sich insgesamt 84 Personen gemeldet,
die Opfer von Gewalt wurden. 47 davon waren in Heimen der Wiener
Jugendwohlfahrt (Heime der Stadt Wien und Privatheime, für die die
Jugendwohlfahrt die Aufsicht hatte), untergebracht. 33 Fälle wurden
im Einvernehmen mit den Betroffenen an die Staatsanwaltschaft weiter
geleitet.

Die Hauptpunkte des Berichtes der KJA betreffen die Aufarbeitung der
Geschichte und der Entschädigung der Opfer. Ein weiterer wesentlicher
Punkt ist die Verstärkung der Präventionsmaßnahmen. "Wir nehmen die
Empfehlungen der Kinder- und Jugendanwaltschaft sehr ernst. Im
Interesse von Kindern und Jugendlichen, kann man nie genug in
Prävention investieren. Wir werden die Maßnahmen auch weiterhin
verstärkt ausbauen", betonte Oxonitsch abschließend.

Der vollständige Bericht der Kinder- und Jugendanwaltschaft kann
unter www.kja.at downgeloadet werden.

Fotos sind demnächst unter http://www.wien.gv.at/pressebilder
verfügbar.

Rückfragehinweis:

Martin Ritzmaier
   Mediensprecher Bgm. Dr. Michael Häupl
   Telefon: 01 4000-81855
   Mobil: 0664 1177 828
   E-Mail: [email protected] 
   
   Edith Rudy
   Mediensprecherin StR. Christian Oxonitsch
   Telefon: 0676 8118 81440
   E-Mail: [email protected] 
   
   Erika Bettstein
   Weisser Ring Österreich
   Tel.: 0664/390 25 21,
   E-Mail: [email protected]

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