• 21.08.2010, 09:15:10
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Forum Alpbach: Ärztekammer warnt vor Folgen des Burn-outs bei Ärzten

Bis zu einem Fünftel zeigt bereits erste Symptome - Dorner: "Schuld sind überlange Arbeitszeiten, die überbordende Bürokratie sowie fehlendes Teamcoaching

Wien (OTS) - Bis zu 50 Prozent der Ärztinnen und Ärzte gelten als
burn-out-gefährdet, bis zu ein Fünftel zeigt bereits Symptome von
Burn-out. In kürzlich erfolgten Umfragen meinte bis zu einem Drittel
der Befragten, den Arztberuf rückblickend nicht mehr ergreifen zu
wollen. Und mehr als die Hälfte gab an, am Ende des Tages "völlig
erledigt" zu sein. Auf diese dramatischen Zahlen verwies der
Präsident der Wiener und der Österreichischen Ärztekammer, Walter
Dorner, bei einer Podiumsdiskussion gestern, Freitag, Abend, im
Rahmen der diesjährigen Gesundheitsgespräche des Europäischen Forums
Alpbach. ****

"Was mich besonders erschreckt ist der Umstand, dass
Entmutigungserscheinungen sich häufig schon bei jungen Kolleginnen
und Kollegen finden", betonte der Ärztekammerpräsident. Ursachen
dafür seien vor allem die hohe psychische Belastung und
Verantwortung, aber auch Konflikte mit Kolleginnen und Kollegen oder
anderen Berufsgruppen, weiters die Belastung durch viele nicht
ärztliche Tätigkeiten sowie die immer mehr werdende Bürokratie.

Dorner: "Besonders gefährdet sind gerade die Besten: Ärztinnen und
Ärzte mit hoher Einsatzbereitschaft, hoher Kompetenz und ausgeprägter
Empathie, die sich besonders für die Patienten einsetzen." Mit der
steigenden Burn-out-Gefährdung sinke dann natürlich auch die Qualität
der ärztlichen Leistung: "Schlechtere Kommunikation mit den
Patienten, erhöhte Fehleranfälligkeit sowie verminderte Effizienz
sind nur besonders augenscheinliche Beispiele, die Folgen von
Übermüdung, Erschöpfung und Frustration sein können."

Ärztinnen und Ärzte arbeiteten ständig in einer Situation, die mit
dem englischen Ausdruck "High demand/low influence", also hohe
Anforderungen bei gleichzeitig subjektiv erlebtem geringem Einfluss
auf die Bedingungen, zu bezeichnen sind. Dazu komme der tägliche
Umgang mit Krankheit, Leiden, Tod und Ängsten, der auch erfahrenen
Ärztinnen und Ärzten zu schaffen mache.

Auch seien für Ärztinnen und Ärzte die Vorgaben des Systems "oft
nicht wirklich nachvollziehbar". Wichtige gesundheitspolitische
Entscheidungen würden oft aus anderen als fachlich-medizinischen
Gründen getroffen. Und schließlich stelle sich - entgegen dem
Klischee der "reichen Ärzte" - auch für viele Kolleginnen und
Kollegen die Frage, inwieweit Verantwortung und Leistung in einem
vertretbaren Verhältnis zur Entlohnung stünden.

Forderung nach begrenzten Arbeitszeiten

Um Übermüdung, Erschöpfung und Frustration rechtzeitig
vorzubeugen, fordert Dorner daher eine Begrenzung der Arbeitszeiten
"auf ein zumutbares Maß" durch genaue Überprüfung der
Arbeitssituation, die Einhaltung der maximal zulässigen Arbeitszeiten
im Spitalsbereich sowie die Möglichkeit vor allem für ältere
Kolleginnen und Kollegen, die Anzahl der Nachtdienste zu begrenzen.

Eine effiziente Vorbeugung von Überlastungserscheinungen könne nur
unter gemeinsamer Anstrengung aller Beteiligten erzielt werden. Dazu
zählen laut Dorner auch die Entscheidungsträger in den
Krankenhäusern, bei den Krankenhausträgern sowie den Krankenkassen
und in der Gesundheitspolitik.

Viele Verbesserungen ließen sich schon erreichen, wenn den Teams
und Abteilungen die Möglichkeit gegeben werde, gezielt und
strukturiert an Verbesserungen im eigenen Einflussbereich zu
arbeiten. Ohne strukturierte Begleitung sei eine Verbesserung für die
Beteiligten oft gar nicht möglich, betonte der Ärztekammerpräsident.
Und die in der Wirtschaft gängigen und bewährten Methoden, wie
Teamcoaching oder begleitende Beratung, steckten im Gesundheitssystem
"noch in den Kinderschuhen".

Zwangsläufig der Beginn einer Qualitätsdebatte

Abgesehen von der Begrenzung der Arbeitszeiten fordert Dorner die
Reduktion nicht ärztlicher Tätigkeiten sowohl im Spitals- als auch im
niedergelassenen Bereich. Die überbordende Bürokratie beeinträchtige
nicht nur die Verfügbarkeit für die eigentliche ärztliche Tätigkeit,
sondern führe auch zu Frustration und unnötigem Ressourcenverbrauch
hoch qualifizierter Ärztinnen und Ärzte.

Die Leidtragenden der genannten Probleme in diesem Bereich sei
zwar vorerst "nur" die Ärzteschaft, in weiterer Folge aber auch der
Patient, der "mit frustrierten und ausgelaugten Ärztinnen und Ärzten
konfrontiert ist, was zwangsläufig auch in eine Qualitätsdebatte
führen wird". Es sei "ein Gebot der Stunde", hier Abhilfe zu
schaffen, um für die Zukunft eine Gefährdung von Patienten
auszuschließen. (hpp)

Rückfragehinweis:
Ärztekammer für Wien - Pressestelle
Dr. Hans-Peter Petutschnig
Tel.: (++43-1) 51501/1223, 0664/1014222, F:51501/1289
mailto:[email protected]
http://www.aekwien.at

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