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Wiener Zeitung: Leitartikel von Walter Hämmerle: "Kein Schlusspunkt"

Ausgabe vom 20. August 2010

Wien (OTS) - Der Irak-Krieg scheidet keine Geister mehr. Beim WIE
sind sich längst alle einig, dass SO niemals wieder ein Krieg gegen
ein diktatorisches Regime geführt werden darf. Beim OB gibt es
zumindest noch ein kleines Grüppchen Unverzagter, das auf dem
Standpunkt beharrt, dass eine Welt ohne den Massenmörder Saddam
Hussein eine bessere sei. Die überwältigende Mehrheit der Kritiker
des unglückseligen US-Präsidenten George W. Bush, der den Befehl zum
Angriff gab, schwindelt sich um diese Frage herum und begnügt sich
mit der fast schon rituellen Feststellung ihrer Ablehnung.

Doch diese Debatte ist längst zu einer Veranstaltung von nur noch
historischem Interesse geworden - keiner der damaligen
Entscheidungsträger ist noch im Amt. Ob das Abenteuer der "Falken" in
der Bush-Administration nicht doch noch ein gutes, zumindest aber
erträgliches Ende findet, hängt von den Entscheidungen der heutigen
Verantwortungsträger ab.

Die damals propagierten Träumereien von einer Domino-Theorie der
Demokratie für den Nahen und Mittleren Osten, in welcher ein neuer
Irak der erste Stein sein sollte, haben sich jedenfalls als das
herausgestellt, was sie in den Augen von Kennern der Region von
Anfang an waren: politisch verzerrte Wunschbilder ohne
Realitätsgehalt. Heute geht es darum, den Alptraum eines permanenten
Bürgerkriegs für das geschundene Land an Euphrat und Tigris
abzuwenden.

Natürlich liegt dieses Ziel insbesondere im Interesse der westlichen
Welt und all jener, die sich keinen weiteren "failed state" als
sicheren Rückzugs- und Operationsraum für Terroristen aller Art
wünschen können. Das würde aber auch die Bürger des Irak zu den
größten Nutznießern einer stabilen und - zumindest halbwegs -
demokratischen Entwicklung machen. Nicht zuletzt an ihnen wird es
liegen, ob es mit massiver ausländischer Hilfe gelingt, dem Horror
allgegenwärtiger Bombenattentäter in absehbarer Zukunft zu
entfliehen.

Der Abzug der letzten US-Kampfbrigade ist deshalb hoffentlich kein
Schlusspunkt, sondern ein weiterer Schritt auf dem Weg zu diesem
Ziel. Dass die irakische Führung vom vorzeitigen Zeitpunkt überrascht
war, ist allerdings ein schlechtes Omen.

Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/leitartikel

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