• 18.08.2010, 12:27:36
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Kärntens Wirtschaft fordert kulturelle Offenheit und Migration

"Ohne qualifizierte Zuwanderung ist der Wirtschaftsstandort Kärnten nicht zu halten!", warnt WK-Präsident Franz Pacher und setzt auf ein neues Klima in Kärnten

Klagenfurt (OTS) - Als einziges Bundesland Österreichs schrumpft
Kärnten: Die Zahl der Erwerbstätigen sinkt, die Pensionisten und
Hochbetagten werden rasant mehr. Die Wirtschaft verlangt nun ein
klares Bekenntnis der Kärntner Politik zu qualifizierter Zuwanderung
und Anreize für in- und ausländische Arbeitskräftemigration. Denn die
Bevölkerungsprognose der Statistik Austria erwartet für Kärnten einen
Bevölkerungsverlust von 1,4 Prozent bis 2050. Österreichs Bevölkerung
wird im selben Zeitraum um 13,2 Prozent wachsen - bis 2030 immerhin
um mehr als acht Prozent. Die österreichische Raumordnungskonferenz
sieht die Entwicklung sogar noch dramatischer: Sie erwartet bis 2030
ein Abnehmen der Kärntner Bevölkerung um vier Prozent oder 23.000
Kärntnerinnen und Kärntner. Damit verbunden ist eine dramatische
Veralterung: 2030 wird es 50.000 Pensionisten (65-84jährige) mehr als
heute geben - ein Plus von 62 Prozent. Die Zahl der über 85Jährigen
wird sich im selben Zeitraum sogar um mehr als 120 Prozent erhöhen.

Brain drain legt die Zukunft trocken
Besonders signifikant für die Wirtschaft ist die Entwicklung der
Erwerbstätigen: Laut Landesstatistik wird es 2030 um 28.000
Berufstätige weniger geben als heute - etwa so viele, wie die
produzierende Kärntner Wirtschaft derzeit beschäftigt. Die Statistik
Austria sagt sogar die Entvölkerung ganzer Landstriche voraus. Die
beunruhigende Bevölkerungsprognose Kärntens wird durch eine negative
Wanderungsbilanz weiter verschärft: Täglich verlassen um vier
Kärntnerinnen und Kärntner mehr das Land als zuwandern - das bedeutet
einen Brain drain, da vorwiegend gut ausgebildete Kärntner ihre
Berufschancen im (innerösterreichischen) Ausland suchen.

Produktion bedroht
Für die Wirtschaft bedeutet dieser Trend eine gefährliche
Verschärfung des Facharbeitermangels, schlechtere
Entwicklungsmöglichkeiten für bestehende Betriebe, geringe Chancen
zur Ansiedlung neuer Unternehmen, weniger Expansion durch Forschung
und Entwicklung. Präsident Pacher: "Die Wirtschaftsleistung hängt
maßgeblich von der Verfügbarkeit entsprechend qualifizierter
Arbeitskräfte ab - um bestehende Betriebe am Standort zu halten und
neue anzusiedeln. Wir lassen massive Wachstumschancen ungenutzt, wenn
wir Zuwanderung nicht zulassen."

Punktesystem für Einwanderer
Schon heute sind sämtliche Branchen vom Mangeln an gut
qualifizierten Facharbeitern betroffen, sogar der IT-Sektor: Zwei
Drittel sind älter als 40, in den kommenden zehn Jahren gehen etwa
zehn Prozent in Pension, 250 Stellen sind langfristig verwaist. Die
Wirtschaft unterstützt daher die Rot-Weiß-Rot-Card und hat ein
fertiges Zuwanderungskonzept vorgelegt. Kernstück ist ein
transparentes Punktesystem, das die Zuwanderung nach Österreich nach
objektiven Kriterien regelt. Ein Beispiel: Eine abgeschlossene
Ausbildung bringt bis zu 30 Punkte, gute Deutschkenntnisse bis zu 20
Punkte, gute Berufserfahrung weitere 10 Punkte, eine in Österreich
dringend benötigte Qualifikation bringt 30 Punkte, Zusatzpunkte gibt
es auch für junge Bewerber oder für einen ebenfalls gut
qualifizierten Lebenspartner. Maximal sind 100 Punkte erreichbar, ab
71 Punkten gibt es die begehrte Österreichcard. Für Spitzenmanager
und Wissenschaftler sollen eigene Kriterien gelten. Pacher: "Das ist
fertig, da brauchen wir nicht lange herumzutüfteln, das müssen wir
nur umsetzen."

Charmeoffensive, Ansiedlungsoffensive, Einwanderungsoffensive
Kärnten habe qualifizierten Fachkräften aus den CEE-Ländern viel
zu bieten, etwa Lebensqualität, die 2. Landessprache als slawische
Sprache und sichere Jobs in guten Betrieben. Pacher: "Wir brauchen
aber auch ein Klima der Offenheit der Kärnten, die restriktive
Haltung der Landespolitik ist mit ein Grund für das negative
Abschneiden Kärntens in den Prognosen." Es müsse diesbezüglich zu
einem Umdenken im Land, sogar zu einer "180-Grad-Wende" kommen,
unterstrich Pacher: "Selbstbewusste Offenheit muss zum entscheidenden
Faktor werden, das betrifft nicht nur die Zuwanderung, sondern auch
den Tourismus. Diese Eigenschaften sind in Kärnten nicht so
entwickelt, aber das müssen wir künftigen Zuwanderern auch anbieten
können, von der geeigneten Wohnung oder dem Haus bis zur
internationalen Schule!"

CIC als Anlaufstelle
Die Sparte Industrie der Wirtschaftskammer hat unterdessen den
"CIC - Carinthian International Club" (www.cic.network.at) -
mitbegründet und will dadurch qualifizierte ausländische
MitarbeiterInnen von Industrie und Bildungsinstitutionen durch
Information, Serviceleistungen und ein aktives Netzwerk stärker
integrieren.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftskammer Kärnten
Öffentlichkeitsarbeit
Peter Schöndorfer
Tel.: 05/90 90 4-280
mailto:[email protected]

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