• 11.08.2010, 12:00:14
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Brennpunkt Darm - Tabuthema Chronisch Entzündliche Darmerkrankungen (CED) - BILD

http://pressefotos.at/m.php?g=1&u=62&dir=201008&e=20100811_a&a=event
Brennpunkt Darm: Pressekonferenz und Toilettencharity Rennen

Salzburg (OTS) - Etwa 80.000 Menschen leiden in Österreich an CED,
Chronisch Entzündlichen Darmerkrankungen. Wobei Morbus Crohn und
Colitis Ulcerosa zu den häufigsten zählen. Laut Gesundheitsbericht
der Stadt Wien aus dem Jahr 2008 stieg die Zahl der
Krankenhausaufenthalte aufgrund von CED in den letzten 15 Jahren um
270 Prozent. Besorgniserregend ist, dass immer mehr Jugendliche von
der Krankheit betroffen sind. Von den ersten Symptomen bis zur
Diagnose vergehen oftmals mehrere Jahre. Durch verstärkte Aufklärung
und gezielte Aktionen, wie dem "Toilettenrennen" auf dem Salzburger
Mozartplatz, soll das Thema CED in der Bevölkerung enttabuisiert
werden, um den Betroffenen zu mehr Lebensqualität zu verhelfen. Ziel
ist es, in Österreich den Nachholbedarf in der Versorgung von CED zu
verringern und die Wissenschaft zur Ursache von CED zu fördern.+++

CED äußern sich in einer vielseitigen Symptomatik. Von Patient zu
Patient sind unterschiedlich starke Ausprägungen und Verläufe
möglich. Dies kann zu erheblichen Verzögerungen in der
Diagnosestellung und Behandlung führen. Viele Patienten erhalten erst
drei Jahre nach den ersten Symptomen die Diagnose "Chronisch
entzündliche Darmerkrankung". Da die Erkrankung einen chronischen
Verlauf aufweist, bedeutet dies für die Patienten oft einen
lebenslangen Leidensweg. Immer wieder auftretende Schübe mit heftigen
Bauchkrämpfen, Durchfällen bis zu 27 Mal pro Tag und Darmblutungen
schränken Betroffene in ihrem Alltag stark ein. "Ich war stets auf
der Suche nach einer Toilette. Zu wissen, dass sich keine Toilette in
meiner unmittelbaren Nähe befand, bereitete mir so großes Unbehagen,
dass ich fast alle sozialen Kontakte abbrach. Die Krankheit hatte
mich soweit im Griff, dass ich mich kaum mehr aus meinen sicheren
vier Wänden traute", schildert Peter Enthammer, Betroffener und
Zweigstellenleiter der ÖMCCV Salzburg.

Auch immer mehr Jugendliche von der Erkrankung betroffen

In den vergangenen Jahren wurde eine deutliche Zunahme von CED bei
Kindern und Jugendlichen beobachtet. "25 bis 30 Prozent der Patienten
erhalten die Diagnose vor dem 20. Lebensjahr, vier bis acht Prozent
sogar noch vor dem fünften Lebensjahr", bestätigt Dr. Thomas Haas,
Präsident des interdisziplinären Zentrums Chronisch Entzündliche
Darmerkrankungen (iCED) Salzburg, die wachsende Anzahl junger
Patienten. Vor allem Jugendliche erfahren durch die Tabuisierung der
Erkrankung oftmals Ausgrenzung und soziale Isolation. Speziell in
diesem Alter kann sich die Krankheit negativ auf Sozial- und
Freizeitverhalten auswirken und Schwierigkeiten bei der Berufswahl
bereiten. "Meine Tochter leidet unter ihrer Erkrankung. Die
Erkrankung ist vor allem für junge Menschen eine enorme Belastung.
Für mich als Vater ist es oft schwer mit anzusehen, wie meine Tochter
auf für gesunde Jugendliche selbstverständliche Dinge verzichten
muss", schildert Huub Stevens, Trainer von Red Bull Salzburg, der
sich als Vater einer an CED erkrankten Tochter offen zu diesem Thema
äußert. Chronisch entzündliche Darmerkrankungen können nicht nur zu
körperlichen Einschränkungen wie Pubertäts- und Wachstumsstörungen
führen, sondern auch zu psychosozialen Veränderungen innerhalb der
Familie und des Bekanntenkreises. "Vor allem Jugendliche erfahren
durch die Tabuisierung der Erkrankung oftmals Ausgrenzung und soziale
Isolation, da sie immer daran gebunden sind, eine Toilette in der
Nähe zu haben. Zudem beeinträchtigen eitrige Fistelbildungen im Anal-
und Genitalbereich das Sexualverhalten. "Probleme in der Ausbildung,
bei der Berufswahl und -ausübung folgen", erklärt a.o. Univ.-Prof.
Dr. Walter Reinisch, Facharzt für Innere Medizin und Leiter der
CED-Arbeitsgruppe der Österreichischen Gesellschaft für
Gastroenterologie und Hepatologie (ÖGGH). "Ein großer Prozentsatz der
Betroffenen leidet auch unter Ängsten und Depressionen", ergänzt
Haas. CED ist bis dato nicht heilbar. "Eine frühzeitige Diagnose
sowie ein rechtzeitiger Einsatz von hochwirksamen Medikamenten sind
notwendig, um den Krankheitsverlauf zu verzögern und Operationen zu
verhindern", betont Reinisch.

Behandlungserfolg setzt die Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen
voraus

CED betreffen, aufgrund ihres komplexen medizinischen
Beschwerdebildes, verschiedene medizinische Disziplinen und erfordern
eine enge, fachübergreifende Zusammenarbeit von Innerer Medizin,
Chirurgie, Kinder- und Jugendheilkunde, Psychosomatik, Pathologie
(Gewebeuntersuchungen), Röntgendiagnostik, Ernährungsmedizin und
Apothekern. "Nur durch ein umfassendes Therapieangebot kann eine
optimale Versorgung der Patienten gewährleistet werden. Es ist daher
von großer Wichtigkeit, die interdisziplinäre Kommunikation für
Patienten und Behandler so barrierefrei wie möglich zu gestalten",
hält Dr. Haas fest. Um einen erfolgreichen interdisziplinären
Austausch und eine Behandlung auf dem neuesten Stand der Wissenschaft
zu ermöglichen, wurde im Jahr 1999 in Salzburg das interdisziplinäre
Zentrum für Chronisch Entzündliche Darmerkrankungen (iCED) gegründet.
"Ein weiteres Anliegen des iCED Salzburg ist eine kontinuierliche
Betreuung und das Vermeiden eines häufigen Wechsels des behandelnden
Arztes. Vor allem bei CED sind vertrauliche Arzt-Patienten-Gespräche
überdurchschnittlich aufwändig", betont Haas.

Nachholbedarf in der Versorgung von CED-Patienten verringern

CED bedeuten für die Betroffenen permanente Stresssituationen und
starke Einschränkungen im Alltagsleben. Bis zu 70 Prozent der
Patienten berichten über depressive Verstimmungen. Nahezu jeder
vierte CED-Patient ist arbeitslos, es gibt überdurchschnittlich viele
Frühpensionierungen. Die Österreichische Gesellschaft für
Gastroenterologie und Hepatologie (ÖGGH) möchte zusammen mit der
Österreichischen Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa Vereinigung
(ÖMCCV) das Bewusstsein für die Krankheit in der Bevölkerung stärken
und die Akzeptanz der Betroffenen in der Öffentlichkeit erhöhen. Aus
diesem Grund wurde die Initiative "Crohn Friendly Places" ins Leben
gerufen. Die Aktion hat zum Ziel, Betroffenen die Sorge zu nehmen,
nicht rechtzeitig eine Toilette aufsuchen zu können. Alle
Partnerunternehmen der Initiative sind im Eingangsbereich mit einem
Sticker gekennzeichnet und finden sich auch im Internet unter
WWW.CROHNHILFE.AT als Hotspots in der Toilettenfinder-Applikation; so
dass Patienten mit internettauglichen Handys auch unterwegs solche
Partner lokalisieren können. Vor Ort signalisiert der Sticker
Betroffenen, dass sie hier ohne Kaufzwang oder sonstige Hindernisse
eine Toilette benutzen dürfen. Außerdem soll durch die Aktion mehr
Verständnis seitens der Arbeitgeber erreicht werden. Oft wird
Patienten der Gang zur Toilette in Gastronomiebetrieben oder
Geschäftslokalen verwehrt oder ist nur in Verbindung mit einem
Einkauf möglich. Viele Unternehmen entgegnen Patienten mit
Unverständnis, lange Krankenstände und Fehlzeiten können zum Verlust
des Arbeitsplatzes führen. Das Projekt bedeutet für Patienten eine
deutliche Vergrößerung ihres Aktionsradius und mehr Bewegungsfreiheit
im alltäglichen Leben. "Ziel sollte sein, das Salzburger Projekt auch
auf die restlichen Bundesländer auszuweiten und durch verstärkte
Aufklärung der Bevölkerung mehr Verständnis für chronisch
entzündliche Darmerkrankungen zu schaffen", plädiert Dr. Josef
Schlömicher-Thier, Salzburger Bereichssprecher für Gesundheit und
Krankenanstalten.

Auf motorisierten Toiletten für mehr Verständnis in der Bevölkerung

Das Thema CED wird in der Öffentlichkeit nach wie vor als
Tabuthema gehandelt. Das Toilettenrennen eine gezielte Awareness
Aktion, initiiert von ÖGGH und ÖMCCV gemeinsam mit iCED, soll die
Aufmerksamkeit der Bevölkerung verstärkt auf das Thema CED lenken und
so zu mehr Akzeptanz und Verständnis für die Betroffenen führen. Auf
motorisierten Toiletten fahren prominente Teilnehmer am 11. August
2010, um 10:00 Uhr auf dem Salzburger Mozartplatz um die Wette. Ins
Rennen gehen der Schauspieler Fritz Egger, Ö3 Star James Corttriall,
Volksopern Tenor Eugene Amesmann, Snowboarderin Doresia Kings, der
Mammon aus dem Jedermann Sascha Oskar Weis, Robert Gambill sowie Joe
Lechner vom ÖMCCV und Dr. Jörg Hutter von der Ärztekammer Salzburg.
Während des Rennens gibt es für Betroffene, Angehörige und
Interessierte die Möglichkeit, sich an Informationsständen über die
Krankheit zu erkundigen, und einen besseren Einblick in den
beschwerlichen Alltag der Erkrankten zu gewinnen.

Initiiert und getragen wird die Veranstaltung von der
Österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie
(ÖGGH), Arbeitsgruppe - Chronisch entzündliche Darmerkrankungen, dem
iCED Salzburg (interdisziplinäres Zentrum für chronisch entzündliche
Darmerkrankungen), sowie der Österreichischen Morbus Crohn Colitis
Ulcerosa Vereinigung (ÖMCCV). Die Veranstaltung wird von den ideellen
Kooperationspartnern Bundesministerium für Arbeit, Soziales und
Konsumentenschutz, Bundesministerium für Gesundheit, Österreichische
Apothekerkammer, Österreichische Ärztekammer, Salzburger
Apothekerkammer, Salzburger Ärztekammer, Salzburger
Gebietskrankenkasse, Paracelsus Medizinische Privatuniversität
Salzburg, Salzburger Landeskliniken (SALK) unterstützt.

Die Veranstaltung findet mit freundlicher Unterstützung folgender
Unternehmen statt: Abbott Gesellschaft m.b.H, BAWAG P.S.K. Bank für
Arbeit und Wirtschaft und Österreichische Postsparkasse
Aktiengesellschaft, BLAUTEX Produktions- und Vertriebsges.m.b.H.
Coca-Cola HBC Austria GmbH, Danone GesmbH, Emonta Pharma GmbH,
Geberit Vertriebs GmbH & Co. KG, Institut Allergosan Pharmazeutische
Produkte, Forschungs- und VertriebsGmbH, SPORT EYBL & SPORTS EXPERTS
GmbH, Merck Sharp & Dohme Ges.m.b.H., Peri Consulting GmbH, Reckitt
Benckiser Austria GmbH, Alpenmilch Salzburg Ges.m.b.H., SCA Hygiene
Products GmbH, SC Johnson GmbH, Tourismusverband Obertauern,
Thermalhotel Radkersburg, Tischlerei Kranawetvogel GmbH, Vifor Pharma
Österreich GmbH, Yakult Österreich GmbH.

Weitere Bilder unter:
http://pressefotos.at/m.php?g=1&u=62&dir=201008&e=20100811_a&a=event

Die in diesem Pressetext verwendeten Personen- und
Berufsbezeichnungen treten der besseren Lesbarkeit halber nur in
einer Form auf, sind aber natürlich gleichwertig auf beide
Geschlechter bezogen.

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM/Original Bild
Service, sowie im OTS Bildarchiv unter http://bild.ots.at

Rückfragehinweis:
Welldone GmbH, Werbung und PR
Mag. Elisabeth Kranawetvogel - DI (FH) Elena Bertolini -
Mag. Sabine Sommer - Public Relations
Lazarettgasse 19/4. OG, 1090 Wien
Tel.: 01/402 13 41-40 bzw. 37 | e-Mail: [email protected]

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | WDM

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