• 10.08.2010, 08:00:16
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Schluss mit der Diskriminierung von Menschen mit psychischen Problemen!

Behandlung von seelischen Erkrankungen ebenso notwendig wie Behandlung von körperlichen Beschwerden

Wien (OTS) - Die Behandlung von seelischen Erkrankungen muss in
der Gesundheitsversorgung den gleichen Stellenwert erhalten wie die
Behandlung von körperlichen Beschwerden, so die neue Vorsitzende des
Wiener Landesverbandes für Psychotherapie, Leonore Lerch.

"Bei körperlichen Erkrankungen ist es selbstverständlich, zum Arzt
zu gehen und sich behandeln zu lassen. Die Kosten der Behandlung
übernimmt in der Regel die Krankenkasse. Leider ist dies bei
psychischen Erkrankungen nur in geringem Ausmaß der Fall.

Jede/r Vierte leidet zumindest einmal im Leben an einer
psychischen Erkrankung. In Österreich sind über 2 Mio Menschen
betroffen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO erklärt 2010
Depressionen zur zweit häufigsten Ursache für Erkrankungen weltweit.
In Österreich waren im Vorjahr 2,5 Millionen Krankenstandstage - fast
drei Mal so viele wie vor 20 Jahren - auf psychische Leiden
zurückzuführen. Jede dritte Invaliditätspension wird wegen einer
seelischen Erkrankung zuerkannt. Psychische Probleme wie Depression
oder Burn-out sind bei Frauen schon der häufigste Grund für die
Invaliditätspension. Dies lässt sich auf die Doppel- und
Dreifachbelastung von Frauen durch Beruf, Haushalt, Kinder- und
Altenbetreuung zurückführen, betont Lerch.

Burn-out wirkt sich auch drastisch auf die Wirtschaft aus:
Verminderte Leistungsfähigkeit, langwierige Krankenstände, Therapien
und Rehabilitation führen zu immensen Folgekosten. "Wenn die
Erkrankten keine oder zu spät Hilfe erhalten, entstehen
Chronifizierungen, die in einem kontinuierlichen Anstieg von
Krankenstandstagen, Arztbesuchen, stationären Aufenthalten und
steigendem Konsum von Psychopharmaka resultieren", alarmiert der
Wiener Landesverband für Psychotherapie. Statt früh, ambulant und
kostengünstig müssen psychische Probleme dann spät, stationär und
teuer behandelt werden (Margraf 2009).

Die Österreichischen Krankenkassen geben für Psychotherapie ca. 45
Mio Euro jährlich aus. Das sind nur etwa 0,2 Prozent der öffentlichen
Gesundheitsausgaben. Vergleichsweise werden rund 206 Mio Euro für
Psychopharmaka ausgegeben (ca. 50 Prozent davon für Antidepressiva).
Lerch weist darauf hin, dass die Nicht-Behandlung von psychischen
Erkrankungen laut WIFO volkswirtschaftliche Kosten von geschätzten
2,8 Mrd. Euro verursacht und uns um ein Vielfaches teurer kommt, als
die rechtzeitige Behandlung.

Der Bedarf an Psychotherapie liegt laut internationaler Studien
bei 2,1 bis 5 Prozent. In Österreich erhalten aber nur 0,5 Prozent
der Bevölkerung eine Psychotherapie. Auf einen kassenfinanzierten
Psychotherapieplatz ist mit Wartezeiten von bis zu 30 Wochen zu
rechnen. Nur wenige Therapiebedürftige bekommen einen zur Gänze von
den Krankenkassen finanzierten Psychotherapieplatz. Eine privat
finanzierte Psychotherapie ist aber für viele nicht leistbar. Der
Zuschuss von Euro 21,80 wurde seitens der Krankenkassen seit 1992
weder erhöht noch indexangepasst.

Der Wiener Landesverband für Psychotherapie fordert seit langem
eine Erhöhung des Krankenkassenzuschusses auf 40 Euro.
"Psychotherapie ist seit 1992 eine Pflichtleistung der Krankenkassen.
Wir erwarten von den Verantwortlichen in der Politik, die nötigen
finanziellen Mittel dafür bereitzustellen, dass Menschen mit
seelischen Erkrankungen nicht schlechter behandelt werden als
Menschen mit körperlichen Beschwerden, so Lerch.

Die Informationsstelle des
Wiener Landesverbandes für Psychotherapie (WLP)
bietet kostenlos, unbürokratisch und anonym
- fachlich kompetente Information über Psychotherapie
- Unterstützung bei der Suche nach einem geeigneten Therapieplatz
- Beratung über Finanzierungsmöglichkeiten einer Psychotherapie
durch die Krankenkassen

Die Beratung erfolgt sowohl telefonisch als auch in einem
persönlichen Gespräch nach Terminvereinbarung.
Tel.: 01/512 71 02
Löwengasse 3/5/6, 1030 Wien
Jeden Montag und Donnerstag von 14.00 - 16.00 Uhr

Rückfragehinweis:

Wiener Landesverband für Psychotherapie (WLP)
   Leonore Lerch
   Vorsitzende des WLP
   Tel.: T: 01/912 28 65
   mailto:[email protected]
   www.psychotherapie.at/wlp

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