• 29.07.2010, 19:59:20
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Für Obama wird der Krieg in Afghanistan gefährlich" (von Ingo Hasewend)

Ausgabe vom 30.07.2010

Graz (OTS) - Barack Obama hat sich erbost über die
Veröffentlichung geheimer Akten zum Afghanistan-Krieg im Internet
gezeigt. Damit könnten Menschen oder Einsätze gefährdet werden, sagte
der US-Präsident. Was er nicht gesagt hat: Die streng vertraulichen
Daten aus Afghanistan könnten auch ihm gefährlich werden.

Die mehr als 90.000 Dokumente beschreiben zwar die Kriegsführung
unter Vorgänger George W. Bush, ihre politischen Folgen könnten aber
Obamas Strategie beenden. Denn er trägt die Verantwortung für die
deutliche Truppenerhöhung und ein konkretes Abzugsdatum der
US-Truppen.

Die Enthüllung liefert den Gegnern seiner Afghanistan-Politik neue
Munition. Da ist zum einen das eigene Lager. Kritiker bei den
Demokraten, wie der einflussreiche Senator John Kerry, wagen sich aus
der Deckung und zweifeln an der US-Politik in Afghanistan und
Pakistan. Dabei dürften gerade Kerry als Vorsitzendem des Auswärtigen
Ausschusses die Fakten geläufig sein. Doch Kerry und andere
Widerständler bei den Demokraten wissen eine wachsende Gruppe von
Amerikanern hinter sich: Der Krieg hat seit Obamas Amtseid weiter an
Popularität eingebüßt. Mittlerweile unterstützen ihn sogar weniger
Amerikaner als unter Bush.

Wie wenig selbst die Demokraten hinter ihrem Präsidenten stehen,
zeigt die jüngste Abstimmung über zusätzliche 37 Milliarden Dollar
für die neue Afghanistan-Strategie im US-Kongress. Beim Votum im
Repräsentantenhaus waren fast die Hälfte der demokratischen Senatoren
dagegen. Dafür stimmten fast alle Republikaner für Obamas Vorschlag -
obwohl er ein halbes Jahr vergeblich beim Kongress um die Zustimmung
geworben hat. Dass die Geheimakten ausgerechnet zwei Tage vor der
Abstimmung veröffentlich wurden, verleiten zu neuen Spekulationen.

Aber auch mit den Verbündeten der USA in Afghanistan hat der
US-Präsident zu kämpfen. Die Geheimdossiers verschärfen den
Rückzugswunsch der wichtigsten internationalen Truppensteller: Wir
haben es bisher nicht geschafft und werden es auch in kommender Zeit
nicht schaffen. Also ziehen wir schnell ab.

Doch die Enthüllung könnte sich für Obama auch als Glücksfall
erweisen. Alle wähnen sich nun im Bilde über die Gefahren. Obama
könnte ohne Gesichtsverlust den Nato-Staaten und dem eigenen Volk
eine letzte Kraftanstrengung abverlangen - sogar über 2014 hinaus.
Denn nun kann er unumwunden argumentieren: Wir haben die Lage noch
nicht im Griffe. Wir brauchen noch mehr Zeit.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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