• 29.07.2010, 17:00:11
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"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Zuwanderung gehört gesteuert" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 30.07.2010

Wien (OTS) - Ausbildung statt Zuwanderung? Klingt gut, scheitert
aber oft an der Bildungsbereitschaft. Zuwanderung zur Sicherung des
Wachstums und Vermeidung eines Pensions-Kollaps? Klingt auch gut,
scheitert aber gleichfalls an der Realität. Österreich ist derzeit
kein Zuwanderungsland, weil es für qualifizierte Zuwanderer nicht
attraktiv genug ist. Die gehen lieber in Länder, in denen sie als
Arbeitskräfte und vor allem als Menschen geschätzt und nicht mit
kriminellen Asylwerbern in einen Topf geworfen werden.

Die heimische Politik hat es jahrelang verabsäumt, Zuwanderung nicht
nur zu regeln, sondern aktiv zu steuern: Welche Qualifikationen
werden benötigt, welche Voraussetzungen müssen Zuwanderer - nicht zu
verwechseln mit Asylwerbern - aufweisen?

Schon heute fehlen in vielen Unternehmen qualifizierte Mitarbeiter;
wenn deshalb Aufträge abgelehnt werden müssen, gibt es auch für
schlecht qualifizierte arbeitslose Österreicher keinen Arbeitsplatz.
Arbeiterkammer und Gewerkschaft wären deshalb gut beraten,
Zuwanderung nicht generell abzulehnen. Gut qualifizierte Ausländer
nehmen Österreichern keinen Arbeitsplatz weg, und sie verursachen
auch kein Lohndumping: Wenn Arbeits- und Lebensbedingungen sowie
Bezahlung nicht passen, machen sie einen weiten Bogen um unser Land.

Wohin eine sture Verhinderungspolitik der Arbeitnehmerorganisationen
führt, zeigt sich auch an der aktuellen Diskussion über eine
Flexibilisierung der Arbeitszeit: Statt auftragsabhängiger
Beschäftigungszeiten betreibt die Wirtschaft längst ein brutales
"hire and fire", und zwar unauffällig unter dem Deckmantel der
Leiharbeit. Die Stammbelegschaft arbeitet kollektivvertragskonform
vor sich hin, Auftragsspitzen und Auftragslöcher werden mit
kurzfristig verfügbaren und ebenso kurzfristig abbaubaren
Leiharbeitern überbrückt.

Die Diskussionen über eine "rot-weiß-rot-Card" und die
Kollektivvertragsverhandlungen im Herbst werden zeigen, ob die
Gewerkschaften Verhinderer bleiben oder sich aktiv einbringen. Sie
könnten bei Sozialminister Rudolf Hundstorfer, als
Ex-Gewerkschaftspräsident immerhin einer der ihren, eine geistige
Anleihe nehmen: Der Minister setzt gleichermaßen auf Ausbildung wie
auf klare Richtlinien zur kontrollierten Zuwanderung und auf scharfe
Sanktionen bei Missbrauch. Nur so bleibt Österreich auf dem
Wachstumspfad und das Pensionssystem finanzierbar.

Rückfragehinweis:
Vorarlberger Nachrichten, Chefredaktion, Tel.: 0664/80588382

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