• 28.07.2010, 13:00:59
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Bio Austria will Vermarktungsgenossenschaft für Ernte 2011 gründen

Vierbauch: Direkte Beteiligung der Bauern - Wiederholung derzeitiger Situation ausschließen

Wien (OTS/aiz) - In einem Schreiben an die rund 13.000 im Verband
Bio Austria organisierten Bio-Bauern und auch auf der
Verbandshomepage (www.bio-austria.at) teilte Verbands-Obmann Rudi
Vierbauch gestern, Dienstag, mit, angesichts der derzeit
unbefriedigenden Situation bei der Vermarktung von Biogetreide habe
sich Bio Austria "entschlossen, für die Zukunft, das heißt ab der
Ernte 2011, ein neues Vermarktungsmodell aufzubauen". Man denke dabei
"an eine Organisationsform, wo die direkte Beteiligung der Bauern
schnell und unbürokratisch möglich ist, wo Kontrolle und
Verantwortung nicht in einer Hand liegen, Transparenz und Fairness in
höchstem Maße sichergestellt sind und eine Wiederholung der
derzeitigen Situation weitestgehend ausgeschlossen werden kann. Aus
eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das Organisationsmodell einer
Genossenschaft diesen Voraussetzungen sehr nahe kommt", so Vierbauch.

Als Beweggründe führt Vierbauch unter anderem die bisherige
Situation mit der finanziellen Misere der Agentur für Biogetreide
GmbH an, die bekanntlich ihren rund 2.200 Vertragsnehmern am
23.06.2010 angekündigt hat, rund EUR 4 Mio. Zahlungsverpflichtungen
an die Bauern für die Vermarktung der Ernte 2009 nicht nachkommen zu
können. Der Vierbauch dann vorgelegte Lösungsvorschlag sei, so
Vierbauch, "eine Fortsetzung des Systems unter einer neu gegründeten
Firma von Herrn Engelbert Sperl - allerdings ohne wirkliche
Mitsprache der Bauern", denen vorerst nur eine
Minderheitenbeteiligung in einer neuen GmbH-Konstruktion angeboten
worden war. Erst später seien bei den Informationsveranstaltungen der
Bio Austria-Landesorganisationen Niederösterreich und Wien sowie
Burgenland Zusagen für bäuerliche Mehrheitsbeteiligungen gemacht
worden. Die mit der Agentur geschlossenen Verträge für 2010 sollten
einvernehmlich gelöst und neue Lieferverträge mit der neuen Firma
abgeschlossen werden.

Medien: Verärgerte Bio-Landwirte sorgen für turbulente
Info-Veranstaltungen

Laut Medienberichten sollen diese Informationsveranstaltungen zum
Teil recht turbulent verlaufen sein. So berichten die "Bezirksblätter
Niederösterreich" in ihrer heutigen Ausgabe (28.07.2010) in ihrer
Mutation Horn unter dem Titel "'Dicke Luft' beim Treffen der
Bio-Bauern im Gasthaus Knell" von einer derartigen Veranstaltung in
Mold, bei der die Landwirte zum Teilverzicht auf ihre Forderungen
gegenüber der Agentur hätten bewegt werden sollen. Fast 250
Betroffene hätten teilgenommen. "Auf die Bitte vieler Landwirte hin,
ist er wieder in die Geschäftsführung eingetreten", berichtet das
Blatt über den neuen Agentur-Geschäftsführer Andreas Kocourek. Und
weiter: "Als ein Bauer wissen wollte, ob denn auch einer von denen da
sei, die diesen Wunsch geäußert hätten, herrschte Stille. Als er
weiter Fragen stellte, überlegte ein sonst sich lässig gebender
Kocourek laut, ob er den nervigen Fragensteller nicht des Saales
verweisen sollte. Jetzt wurde es laut im Saal. Die Frage war nicht
unpikant, denn, Kocourek wurde 2007 rechtskräftig verurteilt,
traditionelles Getreide als Bio-Ware verkauft zu haben. 'Kocourek ist
als Berater tätig gewesen und für diese Situation mitverantwortlich',
so ein Insider. 'Die Bauern sind verärgert, denn dass die Agentur
nicht zahlen kann, wusste sie schon vor dem Frühjahrsanbau,
informierte die Bauern aber erst Ende Juni - ein Zeitpunkt, zu dem
die Ernte schon angelaufen war. Immer wieder werden neue
Vermarkterfirmen gegründet, die agierenden Personen aber sind alle
wirtschaftlich seit langem verflochten und verhabert'", zitieren die
Bezirksblätter Niederösterreich von der Debatte.

Vierbauch-Kritik an später Bekanntgabe der Turbulenzen bei
Vermarktung

Auch Vierbauch kritisiert, es sei durch die späte Bekanntgabe an
die Bauern und deren vertragliche Bindung von vornherein klar
gewesen, dass es nicht möglich sein würde, eine Alternative zu
entwickeln. Damit sei der von der Agentur vorgeschlagene Weg als
einzige Möglichkeit übrig geblieben. "Die Landesorganisationen
Niederösterreich und Wien sowie Burgenland bemühen sich durch ihr
Engagement innerhalb dieser Konstellation, die Ernte 2010 möglichst
reibungslos abzuwickeln", so das Schreiben. Vierbauch hofft dabei,
"dass das bestehende Restrisiko für unsere bäuerlichen Lieferanten
dabei nicht zum Tragen kommt". Schon vorigen Freitag informierte die
Landwirtschaftskammer Niederösterreich, wie Biobauern bei der
Auflösung ihrer Verträge mit der Agentur und dem Neuabschluss mit der
neuen Bio-Qualitätsgetreide GmbH durch Hinzufügen einer
Kündigungserklärung gegenüber der Agentur einen klaren Trennschnitt
setzen und das Risiko verringern könnten, dass bei einer allfälligen
Insolvenz der Biogetreideagentur der Masseverwalter nicht auf ein
"paktiertes Zusammenwirken aller Beteiligten" schließen und auf das
Getreide der Ernte 2010 zugreifen könne (siehe unten: Link "
Landwirtschaftskammer gibt Biobauern Tipps für Rechtssicherheit").

Fehleinschätzungen der Markt- und Kundenentwicklung durch Agentur

Vierbauch sieht als wesentlichen Auslöser dieser Situation
"Fehleinschätzungen der Markt- und Kundenentwicklung vonseiten der
Agentur in den letzten Jahren". Deshalb wolle Bio Austria jetzt mit
einer völligen Neukonstruktion einer genossenschaftlichen
Vermarktungseinrichtung sicherstellen, dass diese "wieder Zugang zu
allen Handelspartnern am österreichischen Markt findet, stabile
Geschäftsbeziehungen möglich macht und gleichzeitig den Exportmarkt
für österreichische Ackerfrüchte entwickelt". Der vom Verband
entwickelte Bio Austria-Standard einer Premiumqualität soll am Markt
weiter etabliert und umgesetzt werden. Schließlich, so Vierbauch,
solle "Transparenz in der Vermarktung von Speise- und Futtergetreide
nach innen und außen im höchsten Maße sichergestellt" werden und
"durch ein Netzwerk starker strategischer Partner" Zahlungsflüsse
garantiert, Termine eingehalten und das finanzielle Risiko minimiert
sowie eine schlanke Kostenstruktur gewährleistet werden.

Höchste Zeit für neue Vermarktungsform - Gründe für
Genossenschaftsgründung

Da es dringend notwendig und höchst an der Zeit sei, über
derartige andere, zusätzliche Formen der Vermarktung für
österreichische Bio-Ackerfrüchte nachzudenken, "wird unsererseits
intensiv an einer solchen neuen Struktur gearbeitet". Bekanntlich
fanden vergangene Woche ja bereits Gespräche von Bio Austria mit der
Lagerhausorganisation statt. Bio Austria danke dabei an ein
Genossenschaftsmodell, weil damit die bäuerliche Beteiligung auf
einfachstem Wege durch Aufnahme von Mitgliedern mit
Vorstandsbeschluss möglich sei und keine Rechtskosten anfielen. Der
Vorstand werde durch die Mitglieder gewählt und bilde somit die
Struktur der Zulieferer ab. Er habe klare strategische Aufgaben.
Weiters sorge der Aufsichtsrat als erstes und direktes Kontrollorgan
rasch für notwendige Korrekturen und stehe der Revisionsverband zur
Überprüfung der Geschäftsführung und finanziellen Gebarung zur
Verfügung. Eine jährliche Revision sei verpflichtend. Schließlich
könne an der Generalversammlung jedes Mitglied teilnehmen und durch
direkte Fragestellung Information und Aufklärung verlangen. "Die
Mitsprache ist somit sichergestellt", so Vierbauch.

Die Tätigkeit der geplanten Genossenschaft solle sich auf alle
Ackerbaugebiete in Österreich erstrecken. Damit sei eine
flächendeckende Übernahme sichergestellt und die bestmögliche
Bedienung des Marktes möglich. Man arbeite daran mit Hochdruck und
werde in den nächsten Wochen weitere Informationen dazu geben. "Ich
bin überzeugt, dass wir damit im Sinne unserer Ackerbaubetriebe an
einer besseren Perspektive für die Zukunft arbeiten, so Vierbauch.

Weil zurzeit die verunsicherten Biobauern viele Fragen zum Thema
Getreidevermarktung an ihren Verband herantrügen, hat Bio Austria ein
Servicetelefon (0676/842 214-888) eingerichtet.
(Schluss) pos

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aiz.info - Agrarisches Informationszentrum, Pressedienst
Tel.: 01/533 18 43 , Fax: 01/535 04 38, Web: aiz.info
mailto: [email protected]

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