- 27.07.2010, 15:00:09
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Falter: Neue Enthüllungen im Fall Grasser/ Buwog
Ex-Kabinettschef erhebt schwere Vorwürfe gegen Karl-Heinz Grasser
Wien (OTS) - Die Wiener Wochenzeitung Falter enthüllt in ihrer
morgen erscheinenden Ausgabe neue Details aus dem Strafverfahren
gegen Karl-Heinz Grasser und seine Ex-Berater rund um die zehn
Millionen Schwarzgeld-Provision beim Verkauf von 60.000
Buwog-Wohnungen.
Wie der Falter berichtet, liegt der Justiz schon seit Oktober eine
Zeugenaussage von Willibald Berner, dem ehemaligen Kabinettschef im
damals blau geführten Infrastrukturministerium vor. Berner schilderte
dem Staatsanwalt einen Masterplan, den er von Grasser-Berater Peter
Hochegger im Jahr 2000 bei einem Arbeitsfrühstück in einem Luxushotel
erfahren haben will.
Berner laut Protokoll: "Hochegger hat mir mitgeteilt, dass
unlängst ein kleiner Kreis von Persönlichkeiten aus der FPÖ zusammen
gesessen sei und man über die im Regierungsprogramm vorgesehenen
Privatisierungen diskutiert habe. Dabei sei man zu dem Schluss
gekommen, dass man bei den diversen Privatisierungsprojekten zusehen
sollte, von den in diesen Geschäften üblichen fees zu partizipieren.
Gemeint war damit, dass der von Hochegger genannte Personenkreis (und
nicht etwa die Partei) als Nutznießer vorgesehen sei".
Hochegger, so Berner, "zeichnete mir ein Organigramm auf, welches
im ersten Kästchen eine von ihm nach eigenen Worten vor vier Tagen in
Liechtenstein über einen Treuhänder gegründete Firma darstellte".
Unter diesem Kästchen befanden sich links und rechts zwei weitere
Kästchen, in die keine Namen eingetragen waren.
Unter das linke leere Kästchen habe Peter Hochegger drei Namen
geschrieben: Meischberger, Plech und Hochegger. Unter das rechte
leere Kästchen habe Hochegger zwei Haider-Vertraute eingetragen sowie
ihn, Berner selbst.
Dann, so Berner, habe Hochegger verraten, wer die "streng geheim
bleiben müssenden Personen" in den leeren Kästchen seien, "welche für
die politische Unterstützung (...) sorgen sollen": Karl-Heinz Grasser
und Jörg Haider.
Ersterer stünde mit Plech, Meischberger und Hochegger in einem
"besonderen Vertrauensverhältnis". Die Einbindung Haiders sei
notwendig, da Grasser "nicht das nötige politische Gewicht" habe.
Berner selbst sollte ebenfalls profitieren, da er als Kabinettschef
im Infrastrukturministerium über Insiderinformationen verfüge. Berner
lehnte ab, aus "tiefster Überzeugung".
Schon im Oktober 2009 erhielt die Justiz also von einem ehemaligen
Kabinettschef einen Hinweis auf Karl-Heinz Grasser, der laut Meinung
der Opposition von den Buwog-Provisionen gewusst haben muss, dies
jedoch energisch bestreitet. Die Staatsanwaltschaft hat Grasser
jedoch bis heute nicht einvernommen. Der Grund: Sie will erst
Material sammeln, "um ihn substanziell zu befragen". Grasser
beteuerte stets, "keinen Cent" erhalten zu haben. Wie
Falter-Recherchen ergaben, dürfte nun bald eine Kontoöffnung beim
Ex-Finanzminister bevorstehen.
Rückfragehinweis:
Dr. Florian Klenk
Stv. Chefredakteur Falter
Marc Aurelstraße 9, 1011 Wien
Tel: +43/1/53660-924
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